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Wassertouristen verpflichten sich mit Erwerb zur Einhaltung der Vorschriften / Biosphärenverwaltung verweigert Landgrabennutzung

Paddeln nur noch mit Vignette

Mit der Vignette in einem Boot: Brigitte Keil und Rainer Schinkel von der Kreisverwaltung haben am Dienstag die ersten Vignetten an die Kanu-Touristiker Eckhard Brennecke aus Wriezen und Jürgen Kandeler aus Gorgast übergeben.
Mit der Vignette in einem Boot: Brigitte Keil und Rainer Schinkel von der Kreisverwaltung haben am Dienstag die ersten Vignetten an die Kanu-Touristiker Eckhard Brennecke aus Wriezen und Jürgen Kandeler aus Gorgast übergeben. © Foto: Ulf Grieger
Ulf Grieger / 11.06.2015, 06:57 Uhr
Gorgast (MOZ) Mit dem Erwerb einer Vignette können sich Wasserwanderer und Touristen die Erlaubnis erkaufen, auf der Alten Oder und ihre Nebenarmen zu paddeln. Ausgenommen sind lediglich der Freienwalder Landgraben, der nach dem Willen der Verwaltung des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin ruhig gestellt werden soll, und die Güstebieser Alte Oder.

Die Vignette "Wasserwandern im Oderbruch" hat jetzt die offizielle Weihe der Kreisverwaltung von Märkisch-Oderland bekommen. Ursprünglich war sie eine Initiative der unter dem Namen "Oderland-Kanuten" zusammengeschlossenen Wassertouristiker von Oderberg bis Lebus. Jürgen Kandeler, Eckhard Brennecke, Karsten Förster, Maik Gesche und andere hatten sich auf "Zehn goldene Regeln für das Wasserwandern verständigt", die von den Erwerbern der Vignetten anerkannt wurden. Der Erlös von Fünf Euro je Vignette wurde dafür verwendet, die im Laufe der Zeit unter anderem auch von der Arbeitsinitiative Letschin geschaffene Infrastruktur mit Wanderhütten, Aus- und Umstiegsstellen zu unterhalten. Doch seit im vorigen Jahr alle Sondergenehmigungen zum Befahren des Wasserwegenetzes ihre Gültigkeit verloren hatten, bestand auch für die Untere Naturschutzbehörde und das Wirtschaftsamt Handlungsbedarf, erläutert Rainer Schinkel, Wirtschaftsdezernent und Beigeordneter des Landrates. "Im Zusammenhang mit der Diskussion über den Managementplan Natura 2000 hatten wir uns noch einmal intensiver damit beschäftigt", so Schinkel. Die zehn Regeln für das Wasserwandern wurden dabei konkretisiert, so dass die Vignette ihrem rechtlichen Status als gebührenpflichtiger Freistellungsbescheid auch tatsächlich gerecht werden kann. "Wir hoffen, dass wir damit die Belange des Naturschutzes wie auch des Tourismus erfüllen können", so Schinkel (siehe Info-Kasten). Der Tourist, der die Vignette erwirbt, erhält zugleich Aufklärung über die Besonderheiten des Oderbruchs als größtes zusammenhängendes Flusspoldergebiet Europas. Er erfährt, dass er ein Stück des ursprünglichen Oderbruchs erleben wird, eines, das sich an einigen Stellen noch so zeigt, wie es zur Zeit vor den Trockenlegungen durch die Hohenzollern-Könige gewesen ist. Nach Ansicht von Jürgen Kandeler und Eckehard Brennecke, sie sind bereits seit Jahrezehnten Wassertouristiker in Wriezen und Gorgast, macht gerade das naturhistorische Erlebnis auch den Reiz der Alten Oder aus. "Wir werden hier nie einen Massentourismus wie im Spreewald haben", so Brennecke.

Martin Flade, Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung, erklärte, dass er die Vignette als eine gute Sache einschätzt. Das Wasserwandern mit Kanus sei ausdrücklich erwünscht. Die Alte Oder bei Schiffmühle, der Oderberger See um die Untere Finow werden dafür freigestellt. Lediglich der Landgraben soll aufgrund seiner besonderen Artenvielfalt ausgenommen bleiben. Ein Umstand, den Falkenbergs Bürgermeister Christian Ziche sehr bedauert: "Wir hatten uns das anders vorgestellt." Während die Biosphäre mit Bad Freienwalde nach einer Lösung über die Alte Oder sucht, bleibt Falkenberg künftig vom Wassertourismus abgeschnitten. Die Güstebieser Alte Oder ist aufgrund ihres schlechten Zustands nicht befahrbar. Nach ihrer geplanten Sanierung kann auch sie befahren werden.

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Olli 15.06.2015 - 15:58:24

Wie hoch ist denn

Wie hoch ist denn der Verwaltungsaufwand, wer prüft die Verwendung der Gelder, wovon wird das denn bezahlt? Sind die Einnahmen denn so üppig, daß sich das alles rechnet? Bei meinem letzten Paddeln mit meinem Boot im Oderbruch war ich ganz alleine (Na? Dämmerts??) im schönsten Sommerwetter. Drei Tage keiner, der mit uns fuhr, keiner, der uns entgegen kam. Die Recherchen für diesen letzten Besuch gestalteten sich im Übrigen so: http://oliverjulian.de/befahrungsregelungen-oderbruch-fuer-kanu-oder-kajak/ Ich bin erstmal geheilt.

Uwe Bräuning 14.06.2015 - 11:32:26

Beispiele für einen verfehlten Tourismus im Oderland gibt es genug

Konsequent wäre es, den " sich nach MOL verirrenden Touristen", etwas zu bieten für das ein Tourist auch gern Geld ausgeben würde. Aber daran mangelt es ja bereits.Besonders im östlichen Teil von Märkisch-Oderland. Mir begegnen des Öfteren Radwanderer auf dem Oderdamm, die sich nach einem gemütlichen Cafe, ein Museum oder einfach nach einer vernünftigen Einkaufsmöglichkeit erkundigen. Entweder schickt man die Leute in irgendwelche relativ weit entfernte Orte, oder gleich über die Grenze nach Polen. Dabei gibt es doch auch bei uns genügend Potential. Das leider regelrecht verschenkt wird, oder der Gleichgültigkeit zum Opfer fällt. Ich erinnere nur an die Heimatstube Bleyen. Eigentlich ein wunderschönes, interessierten Touristen einen Einblick in das frühere Leben der Oderbrücher gewährendes kleines Museum. Wenn es denn mal geöffnet hätte!! Obwohl überall Schilder auf das Vorhandensein der Heimatstube hinweisen, stehen die Touristen, bei denen sich dieser Umstand noch nicht herumgesprochen hat, vor verschlossenen Türen. Und das ist nur ein Beispiel für " Tourismusmanagment ala Oderbruch". Dabei würden sicher viele Besucher gerne diesen oder jenen Euro für den Erhalt der Heimatstube investieren. Geld, dass dem Ort und seinen Bewohnern zu gute kommen würde. Dieses Beispiel hatte ich unter anderem " im Hinterkopf" und keine "Fahrrad-Maut" oder ähnlichen kontraproduktiven Unfug.

Herr Müller 14.06.2015 - 10:19:24

So vergrault man Touristen !

Wenn man mit einer so großartigen Idee den Tourismus in MOL ankurbeln möchte, dann bitte auch richtig ! Eine Abgabe für die Benutzung der Radwege wäre doch jetzt konsequent, die Touristen die sich nach MOL verirren, würden sich freuen !

Uwe Bräuning 13.06.2015 - 11:09:56

Tourismus

@Touristiker Ich verstehe jedenfalls so viel vom Thema Tourismus, um zu wissen das viele Dinge einfach nur am nicht vorhandenen Geld scheitern. Das man über Einnahmequellen nachdenken muss, halte ich grundsätzlich für richtig. Ob die Vignettenpflicht für Paddelboote auf der Alten Oder nun eine gute oder schlechte Idee war, darüber kann man sicherlich streiten. Nicht aber am Grundsatz, dass der Tourismus eine Chance für unsere Region darstellt. Der ganze Tourismus ist jedoch für die Katz, wenn er kein Geld abwirft! Das ist anderen Ländern, wo ganze Regionen komplett vom Tourismus leben, nicht anders. Schön ist das sicherlich nicht, zumal sich viele bestimmte Dinge nicht mehr leisten können. Aber was wäre die Alternative? Etwa ein reicher Sponsor? Den wird es wohl nicht geben.

Touristiker 13.06.2015 - 10:04:01

ach Herr Bräuning

was verstehen sie von Tourismus? Wenn man bei Kandler ein Boot miete so bezahlt man bereits viel Geld. Kandler wird sicher von diesem Geld Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und einkommensteuer zahlen. Geld was auch der Region zugute kommt. Nunmehr bezahlt der kunde auch noch ein Vignette. Herr Bräuning, was halten sie davon, wenn wir ab Seelow bis zu ihrer wohnung alle 5 Kilometer ein Zollhäuschen aufstellen und sie dann für die Benutzung der Straße und Nutzung der Luft 5 Euro zahlen? Die vignette dürfen wenn ich richtig informiert bin nicht nur touristen sondern auch Einheimische kaufen. Fraglich ist die Vignette, da die Alte Oder z. T. über prvaten Grund und Boden geht. Wird also ein Obolus dieses Geld auch an die Eigentümer der Grundstücke gezahlt?

Uwe Bräuning 12.06.2015 - 19:44:11

Tourismus ist nicht zum Nulltarif zu haben!

Sicher ist es auf dem ersten Blick ärgerlich, dass das Paddeln nur noch mit kostenpflichtigen Vignetten möglich ist. Andererseits kann sich unsere in finanzieller Hinsicht nicht gerade üppig aufgestellte Region nicht leisten, auf Einnahmequellen zu verzichten. Tourismus ist doch heute beinahe nirgendwo mehr in der Welt für einen " Nulltarif" zu haben. Solange die eingenommenen Gelder sinnvoll angelegt werden und nicht etwa in "dunklen Kanälen verschwinden", ist dagegen sicher nichts einzuwenden.

dirk 11.06.2015 - 19:43:40

dann war ihr artikel vom 01,04.15 doch ein schlechter aprilscherz

hallo in ihrem beitrag vom 01.04.15 schrieb der herr karl scheurlen das sich für paddler und angler nichts ändert.......das war scheinbar mal wider wie immer eine gewollte falschaussage.....traurig das man in diesem land niemanden trauen kann......

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