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Hans Bentzien ist tot: Aufrecht trotz Abstiegs

Kulturpolitiker: Hans Bentzien (1927–2015)
Kulturpolitiker: Hans Bentzien (1927–2015) © Foto: MOZ/Ralf Loock
Uwe Stiehler / 12.06.2015, 18:37 Uhr
Bad Saarow (MOZ) Seine Karriere war ein kontinuierlicher Abstieg. Hans Bentzien arbeitete sich vom Kulturminister der DDR zum Fernsehredakteur hinunter. Der gebürtige Greifswalder, Jahrgang 1927, wurde wieder und wieder geschasst, weil er gegen das kulturelle Leitbild der SED-Führung opponierte. Er machte das viel leiser als einer wie Wolf Biermann etwa. Trotzdem gingen auch von Bentzien einige Erschütterungen aus.

Als er Kulturminister war, wurde die DDR von einem Lüftchen der Erneuerung durchweht. Reformer experimentierten mit dem Neuen Ökonomischen System, das Betrieben mehr Eigenverantwortung übertrug. Auch kulturell tat sich einiges. Es entstanden Filme wie "Spur der Steine" und "Das Kaninchen bin ich", die thematisierten, wo es knirscht im DDR-Sozialismus und wie in ihm der egoistische Karrierismus von SED-Kadern gedieh.

Nicht nur diese beiden Filme, fast die gesamte Defa-Produktion des Jahres 1965 wurde nach dem XI. Plenum der SED, das im Herbst '65 über den neuen Freigeist im Lande zu Gericht saß, eingezogen. Kurz darauf musste Bentzien gehen. Nicht nur weil er die demokratisierenden Kulturarbeiter gewähren ließ, sondern auch weil er sich gegen den Abriss der Leipziger Universitätskirche ausgesprochen hatte. Als der westdeutsche "Untersuchungsausschuss Freiheitlicher Juristen" ebenfalls 1965 öffentlich machte, dass der DDR-Kulturminister Mitglied der NSDAP war - was die SED wusste, aber nie publiziert hatte -, nahm die DDR-Führung das zum Anlass, um Bentzien loszuwerden.

Bentzien wurde mit dem Direktorenposten des Verlages Neues Leben abgefunden. 1975 übernahm er die Hauptabteilung Funkdramatik beim Rundfunk der DDR. Zwei Jahre später wurde er der Vize-Chef des Staatlichen Komitees für Fernsehen. Wieder hatte er ein Parteiamt in Zeiten ideologischer Verwerfungen inne. Diesmal gingen sie von der Ausbürgerung Biermanns aus. Schriftsteller wie Erich Loest und Günter de Bruyn schrieben damals gegen den ideologischen Selbstbetrug in der DDR an. Ein Zustand, von dem Bentzien später sagte, er habe das Gefühl gehabt, es wär gut, wenn ein Schock das ganze System mal durchrütteln würde.

Mit diesem Ziel forcierte und unterstütze er Frank Beyers Film "Geschlossene Gesellschaft", der die Desillusionierung, wie sie in besagten Büchern anklang, verdichtete. Der Film und Beyer fielen in Ungnade und natürlich auch Bentzien. Er wurde zum Fernsehredakteur degradiert und beschrieb das später als erfüllte Zeit. 50 Filme habe er als kleiner Angestellter gemacht. Er sah keinen Grund, seiner politischen Karriere nachzuweinen. "Man muss seinen Abstieg forcieren", erklärte er, "wenn man merkt, es geht nicht mehr." Und er habe in diesem feudalen System nicht zum Büttel werden wollen. Weil er integer blieb, wurde er 1989/90 zum Generalintendanten des DFF berufen. Seit Jahren lebte er in Bad Saarow. Wie jetzt bekannt wurde, starb Bentzien am 18. Mai im Alter von 88 Jahren.

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