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Auf der Suche nach den Hot Spots

Dann hebt er ab: Felix Grunert demonstriert den Flug seines Oktokopters, der mit Kameras und Spezialmessgeräten versehen werden kann
Dann hebt er ab: Felix Grunert demonstriert den Flug seines Oktokopters, der mit Kameras und Spezialmessgeräten versehen werden kann © Foto: MOZ Gerd Markert
Margrit Höfer / 11.07.2015, 06:45 Uhr
Fredersdorf-Vogelsdorf (MOZ) Wenn man Felix Grunert und dem Unternehmensberater Alfred Kuck begegnet, bekommt man das Gefühl, da haben sich zwei gefunden, die sich gut verstehen. Der eine hatte eine Idee für die Selbstständigkeit, der andere hat ihm bei den ersten Schritten geholfen.

Er ist 2650 Gramm schwer und kann auf bis zu fünf Kilo aufgerüstet werden. Er hat acht Rotorarme, von denen ein Teil sowie die Haube in Signalrot leuchten sowie ultrahelle LED - der Oktokopter, mit dem sich Felix Grunert jetzt selbstständig gemacht hat. Mit Hilfe von Unternehmensberater Alfred Kuck hat er seine Firma FlyTecS ® Sky Camera Service mit Sitz in Fredersdorf-Vogelsdorf gegründet. Der Oktokopter ist ein technisch so hochwertiges Gerät, dass es natürlich auch seinen Preis hat. Rund 50 000 Euro kostet die technische Raffinesse, die so einiges zu bieten hat. "Und genau da kam ich dann ins Spiel. Denn so viel Geld muss man erst einmal haben bzw. besorgen", erzählt Alfred Kuck. Felix Grunert hatte die Idee für seine Firma. Alfred Kuck erstellte mit ihm den Businessplan, begleitete ihn bei den Finanzierungsgesprächen zur Sparkasse und KfW, brachte dem 32-Jährigen die kaufmännischen Grundlagen bei und erarbeitete mit ihm eine Kostenkalkulation. Und brachte ihn auch mit einem Steuerberater zusammen. Alles angepasst auf die individuelle Situation der noch jungen Ein-Mann-Firma.

Das Know-how brachte der zweifache Familienvater ein. Denn Grunert ist Fluggerätemechaniker, hat diesen Beruf von der Pike auf bei der Bundeswehr gelernt, in der er zehn Jahre diente. Und da u. a. bei den Marinefliegern in Nordholz Seefernaufklärer wie etwa die Breguet Atlantic wartete und instand setzte. "Nachdem ich meine Dienstzeit dort beendet hatte, habe ich mit meiner Katja eine Familie gegründet, bin jetzt stolzer Vater von Fenja und Mira. Und habe überlegt, was kann ich und was wird gebraucht", erzählt der Neu-Fredersdorfer, der eigentlich aus Chemnitz stammt. Grunert kann nicht nur Fluggeräte reparieren, sondern durch seine Arbeit auch Luftfahrerkarten lesen und wird sich noch im Herbst als geprüfter Sachverständiger Luftfahrt und Thermographie zertifizieren lassen.

Oktokopter, weiß er, gibt es einige in der Region. Viele dieser Anbieter haben sich auf Landschaftsaufnahmen von oben spezialisiert. Doch Felix Grunert glaubt, eine Lücke entdeckt zu haben. "Ich lege meinen Schwerpunkt nicht rein auf Filme oder Fotogeschichten, sondern mein Fokus richtet sich auf den technischen Inspektionsbereich", erzählt der junge Mann. So überfliegt er mit seinem Oktokopter große Solaranlagen, Hochspannungsleitungen oder Windkrafträder. Und gerade auch bei Letzterem kommen ihm seine Erfahrungen als Fluggerätemechaniker zugute. "Ein Blitzeinschlag an einem Rotorblatt einer Windkraftanlage, das aus Faserverbundwerkstoff besteht, unterscheidet sich nicht viel von einem Blitzeinschlag an einer Flügelvorderkante einer Tragfläche. Und solche Dinge erkenne ich natürlich durch meine Erfahrungen sofort", sagt Felix Grunert. Heutzutage warten Industriekletterer solche Anlagen. Das Ganze ist recht aufwendig, vor allem auch zeitlich.

Wenn aber Felix Grunert seinen Oktokopter aufsteigen lässt, kann er die Aufnahmen viel schneller auswerten. Bestückt wird das Fluggerät mit verschiedenen Kameras. So hat er eine Panasonic GH 4 Ultra HD (4 K) mit zwei Festobjektiven im Einsatz. Das Zwölf-Millimeter-Objektiv eignet sich für Landschaftsaufnahmen, das 45-er ist vor allem für die Inspektionen gedacht. Zudem hat er eine Infrarotkamera Optris PI 450 für thermografische Aufnahmen. Letztere Kamera wird bei der technischen Überprüfung großer Solarfelder eingesetzt. "Bisher werden diese Paneele abgeschritten und auf Störungen untersucht. Ich kann mit der Drohne und der Infrarotkamera die Felder überfliegen und punktgenau erkennen, wo einzelne Dioden oder Transistoren nicht mehr richtig arbeiten. Das sind dann sogenannte Hot Spots", erklärt Felix Grunert. Der Betreiber muss dann entscheiden, was und wie viel er austauscht.

Diese Technik lässt sich auch gut beim Nachweis von Schadstoffausstößen etwa an Schornsteinen einsetzen. Mit Hilfe zusätzlicher Spezialgeräte kann Grunert gar nachweisen, wenn es der Auftraggeber wünscht, welche Stoffe genau in den Himmel geblasen werden.

In den kommenden Wochen ist er damit beschäftigt, für einen Großauftraggeber ein riesiges Solarfeld zu untersuchen. Zum einen, um nachzuweisen, dass das technische Know-how, das er anbietet, wirklich hält, was es verspricht. Zum anderen, um herauszufinden, wie viel Zeit für eine solche Untersuchung gebraucht wird. Zwischen 18 und 40 Minuten, je nach Wind und Wetter, kann sein Oktokopter mit Hilfe zweier Akkus, die in einem Spezialwärmekoffer immer auf Temperatur gehalten werden, fliegen. Dass ihm sein Fluggerät mal abhanden kommt - Felix Grunert winkt ab. Der Oktokopter hat eine Coming home-Funktion. Gibt es also einen Funkverlust oder wird der Akku doch mal schwach, fliegt das Gerät von sich aus zum Aufstiegspunkt zurück. Und da steht Felix Grunert.

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