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Landtagsabgeordneter Michael Jungclaus informiert sich über kleine Bahnstationen in Casekow und Petershagen

Dörfer fühlen sich abgekoppelt

Bahnhof Casekow: Schüler, Berufspendler aber auch Touristen sind auf regelmäßige Zugverbindungen angewiesen. Viele Polen steigen hier ein und aus.
Bahnhof Casekow: Schüler, Berufspendler aber auch Touristen sind auf regelmäßige Zugverbindungen angewiesen. Viele Polen steigen hier ein und aus. © Foto: Eva-Martina Weyer
Eva-Martina Weyer / 19.06.2015, 03:45 Uhr
Casekow (MOZ) Wir brauchen den zweigleisigen Ausbau der Bahn nach Stettin. Kleine Bahnstationen gehören zur Lebensqualität auf dem Lande. Diese Kernbotschaften hat Landtagsabgeordneter Michael Jungclaus von seinem Besuch in Casekow mitgenommen.

Beinahe wäre Michael Jungclaus (Bündnis 90/Grüne) zu spät in Casekow eingetroffen. Er wollte den Zug von Angermünde nach Petershagen, einem Ortsteil von Casekow, nehmen. Doch er sah trotz Spurteinlage nur die Rücklichter des Zuges. Der nächste fuhr erst in zwei Stunden. Ein Taxi rettete ihn und brachte ihn zu den Gemeindevertretern von Casekow.. Eine bessere Erfahrung, wie Einwohner im Amt Gartz mit den Zugverbindungen klarkommen, hätte er nicht machen können.

Anliegen von Jungclaus war es, sich über kleine Bahnstationen in der Uckermark zu informieren. Gerade in der Landesdiskussion ist häufig die Rede davon, kleine Bahnhöfe zu schließen. Bis Jahresende will Jungclaus die mehr als 60 Bahnstationen mit weniger als 50 Ein- und Aussteigenden pro Tag besuchen. Etwa die Hälfte dieses ambitionierten Vorhabens hat Jungclaus, der verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, bereits geschafft.

Bislang handelt die Landesregierung nach der Maßgabe, keine Mehrbestellung von Zügen zuzulassen, wenn nicht an anderer Stelle gekürzt wird. "Während im Speckgürtel von Berlin viele und gut ausgelastete Züge fahren, führt das zu Einschränkungen bei den sogenannten nachfrageschwachen Bahnhöfen", erläuterte Jungclaus.

Die Landesregierung teile die Bahnhöfe in Kategorien von a bis d ein. Zur ersten Kategorie gehöre der Berliner Hauptbahnhof, zur schwächsten Bahnhöfe mit weniger als 50 Einstiegen pro Tag, also auch Casekow. Demnach seien bei Kürzungen landesweit etwa 60 Bahnhöfe in Gefahr."Wer hat eigentlich den Unsinn mit den mindestens 50 Einstiegen pro Bahnhof erfunden?" empörte sich Gemeindevertreter Roland Horn aus LuckowPetershagen.

Sein Abgeordnetenkollege Dr. Hans-Georg Goetzke machte deutlich: "Wir sind fast ein Vorort von Stettin. Diesem Bedürfnis wird in keiner Weise entsprochen. Wenn die Landesregierung nur an das Geld denkt, dann entkoppelt sie den ländlichen Raum. Die Bahn ist ein wichtiger Mosaikstein für die Lebensqualität in Casekow."

Man dürfe nicht vergessen, dass Berufspendler und Schüler auf eine zuverlässige Zugverbindung angewiesen sind. Leider seien die Zugtakte mit zwei Stunden viel zu groß

Der Casekower Ortsbeirat Tino Kisicki sah das ähnlich: "Die Deutsche Bahn berücksichtigt nicht, dass wir an der Hauptachse Berlin-Stettin liegen. Doch genau darin liegt die Zukunft. Wir haben hier eine Menge polnischer Mitbürger. Die wollen zum Arbeiten nach Stettin. Aber die Züge halten nicht nach ihrem Bedarf."

Umgekehrt ist es inzwischen für viele Stettiner Gang und Gäbe, dass sie lieber mit einem der vielen privaten Taxis von Stettin zum Einkaufen und Arbeiten nach Berlin fahren statt mit der ungünstigen Bahn. Da geht das Potenzial an Fahrgästen verloren.

Der Gartzer Amtsdirektor Frank Gotzmann markierte den zweigleisigen Ausbau der Strecke Bertin-Stettin als dringlich. Außerdem machte er auf ein weiteres Problem aufmerksam: "Das ist der Umsteigebahnhof Angermünde. Die Fahrgäste müssen dort vom Regionalexpress aus Berlin umsteigen in die Regionalbahn nach Stettin und umgekehrt. Viele Polen scheuen diesen Umstieg." Die Bahn vergrault damit potenzielle Fahrgäste. Das ließ Michael Jungclaus aufhorchen. "Statt über zu wenig Passagiere zu jammern, sollten wir die Entwicklungsmöglichkeiten der Bahnhöfe sehen. Die Landesregierung muss die Bahn attraktiver machen", sagte er.

Frank Gotzmann informierte außerdem: "Inzwischen versucht die Bahn, uns im ländlichen Raum abzufragen, um rechtzeitig auf bestimmte Ereignisse wie polnische Feiertage oder Großveranstaltungen in Stettin reagieren zu können."

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Michael Knöfel 19.06.2015 - 11:55:03

Dörfer fühlen sich abgekoppelt

Hält der Zug in Schönow wirklich so lange, dass alle Fahrgäste "die das Bedürfnis verspüren" die Toilette aufsuchen können? Erinnert mich an Fahrten mit dem Bus. Interessant wäre, wer von den im Artikel namentlich erwähnten, außer dem Amtsdirektor mit dem Zug fährt. Ich finde auch dass man die uckermärkischen Dörfer im Stettiner Umland nicht abkoppeln darf, aber bei stündlichen Fahrten würde es garantiert auf den Fahrpreis aufgeschlagen. Das will dann auch wieder keiner.

D.Sch. 19.06.2015 - 08:49:03

Schönow!

Beim Haltepunkt Schönow müßte ja die Bahn inzwischen erkannt haben, dass dieser wichtig ist! Wo sonst auf der Strecke, sollten die Fahrgäste auf Toilette gehen! Die Region hat einfach zu spät, hoffentlich nicht zu spät erkannt, dass die Bahn für sie wichtig ist! Gab vor 15 Jahren viele Leute und es gibt sie heute noch, die meinen sie bräuchten diese nicht!

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