Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Minimalvariante für Senftenhütte

Kompromiss zum Bürgerhaus gefunden

Viola Petersson / 19.06.2015, 03:45 Uhr
Chorin (MOZ) Die Fronten schienen verhärtet. Doch nun ist im Streit um die Zukunft des Bürgerhauses Senftenhütte offenbar ein Kompromiss gefunden. Der Haupt- und Finanzausschuss brachte auf seiner jüngsten Sitzung die Wende und die erhoffte Annäherung - zum Erhalt der alten Dorfschule.

Noch ist der Kompromiss zwar nicht in einen Beschluss gegossen. Ein Votum des Gemeinderates steht aus. Doch zumindest zwischen dem Haupt- und Finanzausschuss sowie der Senftenhütter Initiativgruppe gibt es Konsens. Demnach könnte die Lösung zum Dorfgemeinschaftshaus Ärmel 14 so aussehen: Dachinstandsetzung für die ehemalige Dorfschule, Abriss des alten Pumpenhauses sowie Sicherung der Feldsteinscheune - jeweils durch die Gemeinde. Im Gegenzug übernehmen die Senftenhütter Vereine das Haus per Pachtvertrag und bewirtschaften es selbst, stellen die Kommune von weiteren Kosten frei. Damit wäre das Bürgerhaus gerettet - und ein etwaiger Verkauf vom Tisch.

"Das wäre ein tragfähiger Kompromiss", befand Ausschussvorsitzender Thomas Polster nach zunächst zäher und kontroverser Debatte. Einwände? Keine. Kopfnicken sowie hier und da verhaltener Applaus. Die Einigung kam überraschend und leise daher.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte Annemarie Kruppke. Nach der Aussage von Bürgermeister Martin Horst, die Gemeinde habe pro Jahr nur 100 000 Euro für freiwillige Leistungen zur Verfügung - wovon ein Drittel fürs Kloster aufgewendet werde -, schlussfolgerte sie: "Dann brauchen wir über eine Komplettsanierung überhaupt nicht zu reden. Dann ist doch klar, dass das Geld nicht reicht." Ganz pragmatisch regte sie an, stattdessen über eine "kleine Variante" nachzudenken.

Schon waren die von Hartmut Lindner von der Senftenhütter Initiativgruppe vorgeschlagenen Alternativen im Gespräch. Etwa eine reine Instandsetzung der alten Dorfschule. Und als Thomas Pätzold namens der Keramikhütte sowie des Kultur- und Bildungsvereins Alte Schule Senftenhütte dann erklärte, "wir würden das Haus pachten und damit Verwaltung sowie Bewirtschaftung übernehmen", war die Erleichterung auf beiden Seiten groß. Der Durchbruch war geschafft. "Das ist das Signal, auf das wir so lange gewartet haben", erklärten Martin Horst und Thomas Polster beinahe unisono. Den Kompromiss werde man am 25. Juni dem Gemeinderat von Chorin präsentieren, ergänzte Polster.

Fast zwei Stunden hatte sich die Diskussion zuvor erneut um die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der Verwaltung, um Kosten, Eigenanteile, Kreditbelastungen und Instandsetzungsrücklagen gedreht. Jörg Schellhase, Fachdienstleiter der Bau- und Liegenschaftsverwaltung im Amt, hatte eine neue Fassung präsentiert - unter Berücksichtigung einer fast komplett öffentlichen Nutzung und der aktuellen Förderrichtlinien. Lindner wiederum warf der Verwaltung vor, "die Kosten aufzublasen", um das Projekt scheitern zu lassen. Er zauberte seinerseits einen neuen Kostenvoranschlag aus dem Hut. Die Schätzung einer Eberswalder Baufirma, die sich auf gut 350 000 Euro beläuft (zum Vergleich: die Verwaltung hat 460 000 Euro ermittelt). So viel Initiative kam bei Thomas Polster nicht gut an. "Ich habe ein Problem damit, dass Sie munter Kostenvoranschläge einholen." Polster wollte ursprünglich - jenseits des Gutachtens der Verwaltung - einen unabhängigen Dritten mit einer Analyse beauftragen.

Barbara Kempe indes befand: "Ich habe das Gefühl, hier gibt es immer nur Pro und Contra." Eigentlich sollte man sich über die Eigeninitiative und das Engagement der Senftenhütter doch freuen. Im Übrigen habe Chorin ja auch für 500 000 Euro ein saniertes Gemeindehaus und darüber hinaus noch eine neue Kita bekommen, erinnerte sie. Ihr Kollege Kurt Hildebrand mahnte ebenfalls eine gewisse Gleichbehandlung der Ortsteile an.

Öffentliche Sitzung des Gemeinderates Chorin: 25. Juni, 19 Uhr in Sandkrug, u. a. mit dem Thema Bürgerhaus Senftenhütte

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG