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Gefährliches Trinkwasser?

© Foto: Karlheinz Arendsee
Sonja Jenning / 19.06.2015, 18:46 Uhr
(MOZ) Die Aufregung ist groß, seit der Zweckverband Fürstenwalde bei einer Routineuntersuchung coliforme Keime im Trinkwasser festgestellt hat. Woher diese Keime kommen und wie gefährlich sie sind, darüber sprach Sonja Jenning mit Dr. Eleonore Baumann, Amtsärztin des Landkreises Oder-Spree.

Frau Dr. Baumann, was sind coliforme Keime?

Damit bezeichnet man verschiedene Bakterien, die überall in der Natur vorkommen. Sie dienen als Indikatorkeime für die Qualität des Trinkwassers. Das heißt, ihr Vorhandensein deutet daraufhin, dass etwas nicht in Ordnung ist. Coliforme Keime können auf eine Verunreinigung mit Fäkalien zurückgehen, es muss aber nicht zwingend der Fall sein, da sie wie gesagt überall in der Umwelt vorkommen.

Das heißt, man kann auch überall mit ihnen in Kontakt kommen?

Das ist richtig. Es sind überwiegend harmlose Umweltkeime, die zum Beispiel auch im Garten, auf Obst und Gemüse vorkommen. Man hat sie schnell an den Händen.

Welche Ergebnisse liegen Ihnen bislang zum hiesigen Trinkwasser vor?

Es wurden coliforme Keime festgestellt. Der Fäkalkeim Escherichia coli, kurz E. coli genannt, der ebenfalls zu den coliformen Keimen gehört und Durchfall und andere Magen-Darm-Erkrankungen auslösen kann, wurde jedoch nicht nachgewiesen. Wir gehen daher davon aus, dass keine fäkale Verunreinigung des Trinkwassers von außen erfolgt ist. Wahrscheinlicher ist, dass die coliformen Keime aus Ablagerungen oder Biofilmen in den Rohren stammen, die durch hohen Druck oder eine Umleitung des Wassers abgespült wurden. Die genaue Differenzierung der vorhandenen coliformen Keime steht noch aus. Die Proben werden in Speziallaboren untersucht, Ergebnisse werden am Montag erwartet.

Warum dauert das so lange?

Für den differenzierten Nachweis gibt es keinen Schnelltest. Im Labor werden Kulturen angelegt, bis die Bakterien gewachsen sind, dauert es ein paar Tage.

Sind derzeit Menschen durch die Keime im Trinkwasser gefährdet?

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit für Personen ohne zusätzliche Risikofaktoren nicht zu befürchten. Coliforme Keime sind in der Regel harmlos. Laut Empfehlungen des Umweltbundesamtes hätten wir nur sensible Einrichtungen, wie Altenheime und Krankenhäuser, informieren müssen.

Dennoch gibt es jetzt die Abkoch-Empfehlung für alle...

Das ist eine reine Vorsorgemaßnahme. Empfohlen wird das Abkochen üblicherweise nur, wenn echte Fäkalkeime nachgewiesen wurden. Wir wollen dennoch auf Nummer sicher gehen. Auch weil in vielen Haushalten Personen mit Risikofaktoren leben.

Welche Menschen betrifft das?

Vor allem diejenigen, deren Immunsystem durch Krankheiten geschwächt ist. Diese Menschen werden zum Teil zu Hause betreut. Aber auch Säuglinge und Schwangere müssen geschützt werden.

Wasser zum Trinken und für die Nahrungszubereitung soll also abgekocht werden. Wie sieht es mit Duschen und Zähneputzen aus?

Beim Duschen braucht man sich keine Sorgen zu machen. Die Keime können nicht inhaliert werden, wie es bei Legionellen der Fall wäre. Wer auch beim Zähne putzen kein Risiko eingehen will, weil er vielleicht Wasser schluckt, kann dafür natürlich auch abgekochtes Wasser verwenden. Ebenso zum Abwaschen von Salat und anderen Nahrungsmitteln, die roh verzehrt werden.

Was ist mit Tieren? Kann man seinem Hund weiterhin Leitungswasser geben?

Einem gesunden Tier schadet das Wasser nicht. Hunde trinken ja sonst auch das Wasser aus Seen oder Pfützen. Ist das Haustier jedoch abwehrgeschwächt, sollte man das Wasser vorsichtshalber abkochen.

Was halten Sie vom Einsatz von Wasserfiltern oder spezieller Wasseraufbereitungstabletten?

Ich halte das für übertrieben. Vor allem bei Wasserfiltern besteht das Risiko, dass bei nicht sachgerechter Wartung der Geräte das Problem sogar verstärkt wird.

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forelle 24.06.2015 - 17:47:10

Fäkale Verunreinigung des Trinkwassers

Aufgeschreckt durch den Artikel über verunreinigtes Trinkwasser im Raum Fürstenwalde möchte ich feststellen, dass im Raum Berkenbrück, speziell nördlich der Eisenbahnlinie, auf den landwirtschaftlich betriebenen Flächen ständig Jauche und flüssige Fäkalien versprüht werden. Warum wundert man sich über schlechtes Trinkwasser wenn doch Tierfäkalien, -urien und sonstige Stallabfälle über Jahre und wahrscheinlich auch in Zukunft munter versprüht werden dürfen. Das nächste Trinkwasserwerk ist ist nicht weiter als 2 km entfernt. Na dann "Prost"

Unwissender 20.06.2015 - 08:20:01

...ist doch nicht verwunderlich..oder Frau Dr.

...irgendwer macht sei e Arbeit nicht richtig, denn immer öfter ist was mit dem Trinkwasser. Ihre Erklärungen haben immer ein....aber... Werden die Kontrollen zu selten gemacht? Was ist übrigens mit der Kläranlage, welche Wasser in die Spree leitet? Ist das Wasser von amtlicher Seite ok? Wenn Baumaßnahmen sind, wer kontrolliert diese im Bezug auf Trinkwasser?

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