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LOS-Jugendamt schließt Kooperationsverträge mit weiteren drei Schulen ab

Kümmern statt verkümmern

Am Kooperationstisch: Die Schulleiter Cynthia Werner, Klaus-Jürgen Teichert und Frank Boywitt (v.l.) mit dem Leiter des Jugendamtes Martin Isermeyer (2.v.l.).
Am Kooperationstisch: Die Schulleiter Cynthia Werner, Klaus-Jürgen Teichert und Frank Boywitt (v.l.) mit dem Leiter des Jugendamtes Martin Isermeyer (2.v.l.). © Foto: MOZ/Ruth Buder
Ruth Buder / 22.06.2015, 21:00 Uhr
Beeskow (MOZ) Mit weiteren drei Schulen hat das Kreis-Jugendamt am Montag einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Auf dessen Grundlage soll gemeinsam schneller gehandelt werden können, wenn Kindeswohlgefährdung, Verhaltensauffälligkeiten oder Schuldistanz auftreten.

Neben der Oberschule "Albert Schweitzer" und der privaten Oberschule der FAW gGmbH in Briesen gehört auch das Rouanet-Gymnasium in Beeskow zu denen, die den Kooperationsvertrag unterzeichnet haben. An einem Gymnasium, so müsste man annehmen, gibt es die wenigsten Probleme mit Schülern, was Verhaltensauffälligkeiten betrifft. "Das ist sicher so", sagt Schulleiter Klaus-Jürgen Teichert. "Aber auch bei uns gibt es den einen oder anderen Fall, wo Schüler Unterstützung brauchen. Wenn zum Beispiel durch Trennung oder Liebeskummer Konflikte auftreten und die Kinder sich in ihre eigene Welt zurückziehen, möglicherweise in Medien- und Drogenkonsum abdriften", sagt Teichert. Vor allem aber sei die Schule an einer engeren Zusammenarbeit mit dem Jugendamt interessiert, um präventiv zu arbeiten. "Uns muss jeder Schüler wichtig sein."

Frank Boywitt, Leiter der Beeskower Oberschule, möchte vor allem den Anfängen wehren. "Es ist besser, sich zu kümmern als verkümmern zu lassen." Auch er spricht von Einzelfällen an seiner Schule. "Kinder sind heute oft allein, wenn die Eltern zwei Jobs haben und selten zu Hause sind", nennt er ein Beispiel. Alkohol- und Drogenkonsum, Nicht-klar-kommen mit den Eltern, Mobbing und in der Folge Schuldistanz (früher sagte man Schulschwänzen) müssten frühzeitig bemerkt und Hilfe organisiert werden.

Schüler, die aus komplizierten Elternhäusern kämen, hätten oft ein hohes Anerkennungsbedürfnis, sagte Cynthia Werner, Leiterin der Oberschule Briesen, die als weitere freie Schule mit dem Kreis einen Kooperationsvertrag unterschrieben hat. Man müsse schnell handeln, auch deshalb sei die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt wichtig, betonte sie.

Wenn Kindeswohlgefährdung, das heißt, körperliche oder seelische Misshandlungen und Vernachlässigungen oder sexueller Missbrauch, vorliegen, kann das Jugendamt per gerichtlichem Beschluss sofort eingreifen - auch ohne das Einverständnis der Eltern. In allen anderen Fällen müssen diese ihr Einverständnis für die Hilfe geben. Doch Kindeswohlgefährdung sei ein dehnbarer Begriff, stellte Martin Isermeyer, Leiter des kreislichen Jugendamtes klar. Man müsse im Einzelfall entscheiden. Für Frank Boywitt ist Kindeswohlgefährdung auch, wenn einem Schüler Erziehung und Bildung vorenthalten werde. Er schilderte den Fall eines Mädchens, das aus dem Elternhaus genommen wurde, jetzt in einer betreuten Wohngruppe lebe und seitdem sich sehr gut entwickelt habe.

Von den 83 Schulen im Landkreis Oder-Spree hat das Kreis-Jugendamt mit 40 Kooperationsverträge abgeschlossen. "Die Schulen müssen es wollen", sagte Isermeyer. Es gehe darum, bei einem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung, bei Verhaltensauffälligkeiten im sozialen-emotionalen Bereich, bei gravierender Schuldistanz und bei Fällen, wo dringend Hilfe (Heimerziehung oder flexible Einzelfallhilfe) nötig wird, eng zusammenzuarbeiten.

Betroffen sind nach Einschätzung des Jugendamtes sind besonders Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringem Einkommen, Langzeitarbeitslosigkeit oder Partnerschaftskonflikten. Auch ein fehlender Zusammenhalt in der Familie, fehlende soziale Bindungen, unklare Grenzsetzungen auf der Eltern-Kind-Ebene sowie zu harte Bestrafungen können Faktoren sein, die das Kind belasten. Dann braucht es Unterstützung von seinen Lehren und dem Jugendamt.

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