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Wildschäden nehmen zu

Toller Auftritt mit mäßiger Wirkung: Um Feldfrüchte zu schützen, kamen bislang auch Vogelscheuchen zum Einsatz. Das Wild lässt sich dadurch jedoch nur wenig beeindrucken.
Toller Auftritt mit mäßiger Wirkung: Um Feldfrüchte zu schützen, kamen bislang auch Vogelscheuchen zum Einsatz. Das Wild lässt sich dadurch jedoch nur wenig beeindrucken. © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Annika Bischof / 23.06.2015, 19:49 Uhr
Beeskow/Eisenhüttenstadt (MOZ) Die Landwirte haben ein Problem: Wildschäden nehmen in der Region zu. Das wirkt sich zugleich auf das Verhältnis zu den Jägern im Landkreis Oder-Spree aus. Sie stehen bei dieser Debatte oftmals am Pranger, klagen aber selbst über eigene Sorgen.

Am Schlimmsten trifft es wohl die Agrargenossenschaft in Müllrose. Auf den 600 Hektar großen Flächen findet das Wild ein Schlaraffenland vor. Ausreichend Futter auf den Feldern, umsäumt von Wäldern und Sumpfwiesen, die als ideale Verstecke dienen. "Der Wildbestand in dieser Region ist besonders hoch", berichtet Katrin Hirschfeld, stellvertretende Vorsitzende der Agrargenossenschaft. Sie beklagt schon seit Jahren, dass die Zusammenarbeit mit den Jägern nicht funktioniert. Geändert hat sich jedoch nach mehrmaligen Gesprächen nichts. Interne Querelen bei der Jagdpächtergesellschaft führten bislang dazu, dass kein Nachwuchs nachrücken konnte. Doch dieser wird dringend benötigt, weiß auch Ines Klaffert von der Unteren Jagdbehörde des Landkreises Oder-Spree. "Zeitliche Probleme wie auch Gründe des Alters spielen hierbei eine Rolle", spricht sie aus Erfahrung. Nicht jeder könne aufgrund von Berufstätigkeit stets vor Ort sein und dauerhaft bejagen.

Das hingegen würde sich Katrin Hirschfeld wünschen. Ihr Verständnis für die Probleme der Pächtergemeinschaft ist über die Zeit erloschen. "Wir haben uns deshalb an verschiedene Ministerien und den Kreisbauernverband gewandt, um auf die Problematik aufmerksam zu machen", berichtet sie.

Detlef Meine von der Jagdpächtergemeinschaft in Müllrose kann die Aufregung weniger verstehen. "Wir haben in diesem wie im letzten Jahr an den Maisfeldern zum Schutz vor Wild Zäune aufgestellt. Das hat auch seine Wirkung gezeigt", sagt er. Ärgerlich findet er, dass es an Mäharbeiten fehlt, die das Aufstellen und Abbauen erleichtern würden. Einig sind sich hingegen beide Seiten, dass es mehr Wild gibt. Die Ursache dafür sieht der Jäger jedoch in der Vergangenheit. "Anfang der 90er-Jahre hat man viel zu ängstlich und deshalb auch zu geringe Abschusszahlen festgelegt", hält er fest. Dass nun vor allem Hirsche und Wildschweine vermehrt Schäden anrichten, wundert ihn deshalb nicht. Viel mehr stutzt er darüber, wie die Agrargenossenschaft von Wildschäden sprechen kann, wenn sie doch von der Pächtergesellschaft finanziell entschädigt wird. 2014 zum Beispiel haben die Müllroser Jäger rund 10 000 Euro Schadensersatz gezahlt.

Etwas entspannter ist die Situation beispielsweise in Groß-Rietz, berichtet Ruth Ulbrich, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands. Nachwuchssorgen bei den Jägern gebe es dort wie in Müllrose nicht. "Hier haben in den letzten Jahren einige junge Leute die Jagdprüfung abgelegt", erzählt sie. So können zukünftig die Aufgaben vor Ort einfacher und besser bewältigt werden. Generell empfiehlt sie Landwirten und Jägern, dass sie sich besonders in Zeiten der Aussaat und der Ernte genau abstimmen. Insgesamt bewertet sie die Zusammenarbeit beider Seiten in der Region jedoch als gut. Dass Wildschäden nicht ausbleiben, das sei Landwirten bewusst. "Anders ist das bei Sonderkulturen wie bei Sonnenblumen oder Erbsen. Richtet das Wild dort Schaden an, bleibt der Landwirt darauf sitzen", sagt sie. Hier müsse die Politik für eine bundeseinheitliche Regelung nachsteuern.

Jäger Detlef Meine plädiert zudem dafür, dass auch auf Jungtiere beim Rotwild geschossen werden darf und diese in Situationen wie sie jetzt sind, nicht geschont werden.

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