Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Celtique wirft das Handtuch

© Foto: MOZ
Ralf Loock / 27.06.2015, 07:00 Uhr
Müllrose (MOZ) Die im Juli 2007 der Firma Celtique Energie erteilte Lizenz zu seismischen Messungen in dem Erlaubnisfeld Pillgram ist jetzt vom Landesbergbauamt aufgehoben worden. Jahrelang hatten Kommunen und Bürgerinitiativen gegen das Projekt gekämpft.

Wie Karina Pulz vom Landesamt für Bergbau am Freitag auf Anfrage weiter mitteilte, erfolgte dieser Schritt auf Antrag des Unternehmens. Die Firma habe ihren Wunsch mit dem jahrelangen Rechtsstreit mit den Gemeinden begründet. Es sei in der Sache nur sehr schleppend vorangegangen, wenn überhaupt. Dabei seien immer weitere Kosten auf gelaufen - unter anderem für die Anwälte. Ihr sei nicht bekannt, dass eine andere Firma ihr Interesse an der Fortführung des Projekts dem Landesamt angezeigt habe, erläuterte Karina Pulz. Das rund 941,6 Millionen Quadratmeter große Feld liegt in den Landkreisen Oder-Spree und Märkisch-Oderland sowie der kreisfreien Stadt Frankfurt.

In London bestätigte Geoff Davies von der Celtique-Energie-Geschäftsführung auf Anfrage, dass das Unternehmen auf die Pillgram-Lizenz verzichtet habe und dass die brandenburgischen Landesbehörden diesen Schritt genehmigt haben.

Während man in den Kommunalverwaltungen auf diese Nachricht sachlich-distanziert reagierte - "Wir nehmen sie einfach nur zur Kenntnis", sagte beispielsweise Danny Busse, Amtsdirektor in Brieskow-Finkenheerd (Oder-Spree) -, nahm man bei der Bürgerinitiative gegen Kohlendioxidverpressung in Müllrose (Oder-Spree) kein Blatt vor den Mund: "Wir freuen uns sehr. Und wir hoffen, dass wir zu diesem Rückzug beigetragen haben", kommentierte Roland Kramski von der Müllroser Bürgerinitiative.

Er geht davon aus, dass der anhaltende politische Widerstand gegen die Messungen, die mit den Gerichtsverfahren verbundenen Kosten und schließlich auch der stark gefallene Ölpreis zum Rückzug beigetragen haben. Roland Kramski befürchtete, dass die Messungen nicht nur einer möglichen Erdölsuche dienen sollten, sondern dass man diese Daten auch für die Kohlendioxid-Verpressung nutzen könne.

Kommunen in den Ämtern Schlaubetal, Odervorland und Brieskow-Finkenheerd hatten ihre Zustimmung zu einer Sondernutzung der kommunalen Straßen für die schweren Messfahrzeuge abgelehnt. Man wollte so das Vorhaben verzögern und möglichst komplett blockieren.

So hatte beispielsweise die Müllroser Stadtverordnetenversammlung im September 2013 beschlossen, ihre Aussage vom Februar 2012 zu erneuern, dass die Stadt diese Untersuchungen ablehnt. Celtique Energie hat im Oktober 2013 Klage beim Verwaltungsgericht in Frankfurt gegen das Amt Schlaubetal und gegen das Amt Odervorland, auch dort war die Straßennutzung für die Messung abgelehnt worden, eingereicht. Das Gericht sollte feststellen, dass die Ämter ihre Zustimmung zur Sondernutzung zu Unrecht verweigert haben.

Diesen Rechtsstreit hat die Firma Celtique Energie GmbH klar gewonnen. Das Verwaltungsgericht gab im Herbst 2014 in seinem Bescheid dem Unternehmen recht. Das Gericht hatte die Argumente, mit denen die Kommunen ihr Nein begründeten, geprüft und als rechtswidrig verworfen.

Doch auch nach diesem Bescheid ging es für Celtique Energie nicht so richtig voran, denn unter anderem fehlte immer noch die Zustimmung der Gemeinde Groß Lindow (Oder-Spree). Dort soll die Gemeindevertretung am Donnerstag, 2. Juli, erneut über das Thema beraten. Dieser Tagesordnungspunkt habe sich nun nach der Aufhebung der Lizenz eigentlich erübrigt, erläuterte Bürgermeister Peter Schlatter. Klare Worte fand Müllroses Bürgermeister Detlef Meine: "Die Aufhebung ist eine gute Nachricht für die Natur und den Tourismus. Es ist schön, dass wir von diesem Vorhaben verschont bleiben."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG