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Schreddergefahr

Wildgänse vor einem Windrad
Wildgänse vor einem Windrad © Foto: dpa/Patrick Pleul
Oliver Schwers / 28.06.2015, 08:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Mit einer heftig-emotionalen Diskussion um das Windfeld Neukünkendorf ist der letzte Teil des neuen Windplans für Uckermark und Barnim besprochen worden. Alle Änderungen zum Entwurf werden ab August für zwei Monate nochmals öffentlich ausgelegt.

Was ist der stärkste Gegner eines Windrads? Ein geschützter Vogel. Weil die Tiere Gefahr laufen, in den riesigen Rotorblättern geschreddert zu werden, gibt es zahlreiche Untersuchungen, Standpunkte und Bewertungen über einzuhaltende Mindestabstände zu Brutplätzen. Das Problem daran: Lebensräume von Vögeln verändern sich schneller als die Planung von neuen Windfeldern. Und so kommt es bei der Ausweisung des neuen Windplans für die Kreise Uckermark und Barnim immer wieder zu teilweise skurrilen Diskussionen darüber, wo denn nun der Schwarzstorch brütet oder wo der Schreiadler landet.

Beispiel Neukünkendorf. Im Kampf gegen die erhebliche Erweiterung des Eignungsfeldes haben Kritiker und Naturschützer im Umfeld des benachbarten Crussow eine geradezu erstaunliche Artenvielfalt seltener Tiere entdeckt. Das Verwunderliche daran: Im zuständigen Landesumwelt liegen viele Daten dazu gar nicht vor. Das sagt Beate Blahy vom Naturschutzbund Angermünde. Sie ist aus diesem Grund extra zur Behörde gefahren. "Die Datenlage ist völlig veraltet. Der Brutplatz der Rohrdommel ist gar nicht gesucht und gefunden worden. Der Rotmilan zählt im Falle Neukünkendorf scheinbar nicht. Fledermäuse werden behandelt, als wären sie gar nicht da."

Die Rohrdommel gibt es tatsächlich. Der Vorsitzende des Planungsausschusses Frank Bretsch hatte sich persönlich auf die Lauer gelegt, um die unnachahmlichen Laute des scheuen Tieres zu belauschen. Die Planungsstelle lässt den Bereich nun windkraftfrei. Allerdings hat das gar keine Auswirkung auf die 256 Hektar große Fläche, die künftig bebaut werden soll.

In einem eindrucksvollen Vortrag schilderte Rainer Ebeling von der Crussower Bürgerinitiative die Argumente der Gegnerschaft. Seit sechs Monaten zählen die Bürger nun selbst die seltenen Vogelarten. Das Windfeld liege im Hauptflugkorridor des Weißstorchs und in der Flugroute weiterer geschützter Tiere. Betroffen seien die Äsungsflächen von Gänsen. Der Schwarzstorch tauche in der Stellungnahme zur Bewertung des Windfelds gar nicht auf.

Nach Angaben der Regionalen Planungsstelle sind jedoch alle Hinweise an das Landesumweltamt weitergeleitet worden. "Das Vorhandensein eines Vogels muss aber nicht zu Veränderungen bei einem Windeignungsgebiet führen", erklärt Jens Christen vom Bundesverband Windenergie. Jedes Feld werde jahrelang naturschutzfachlich geprüft. Daher seien schon einige Eignungsgebiete herausgefallen.

Es sei nicht gut für die Energiewende, wenn man keine Kompromisse finde, urteilt Regionalrat Jens Koeppen (CDU). Neukünkendorf sei eines der Gebiete mit den meisten Einwendungen der Bürger. Daher müsse man den Menschen entgegen gehen. "Mir kommt es so vor, dass man hier eine renitente Bürgerinitiative zur Räson bringen will."

Alle Änderungen des Windplans werden ab 1. August für zwei Monate erneut öffentlich ausgelegt. Bürger haben dann die Möglichkeit, wiederum zu den einzelnen Windfeldern Stellung zu nehmen und Hinweise zu geschützten Arten zu geben.

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Till 03.07.2015 - 18:56:17

@ Beobachter und Koch ...

...oder was für Namen ihr Luser sonst noch im wahren Leben tragt, so sehen die Euch als WKA-Bauer Teut und & bekannten aber der Öffetnlichkeit verschwiegenen Fakten der "Energiewende" aus: Siehe nach bei TenneT Offshore-Einspeisung 2015 unter Datenquelle: https://transparency.entsoe.eu/generation Das ist der windabhängig eingespeiste Strom (nicht das, was auf den Windkraftanlagen als theoretische Nennleistung draufsteht). Egal, ob man Atomkraftwerke befürwortet oder nicht, hier wird deutlich, dass mit diesem unsteten Zappelstrom noch nicht einmal eine Energiesparlampe verlässlich zum Leuchten gebracht werden, geschweige denn die zigtausend Haushalte, die ein Windpark angeblich mit Strom versorgen kann. Und diese Nummer nennt sich "Energiewende", für die, die sich die Hose mit der Kneifzange zumachen? Ohne Wärmekraftwerke ist also eine verlässliche und regelnde (siehe die lückige Einspeisung der Grafik (wird leider hier im Kommentar nicht unterstützt) mit Nulleinspeisung!) Stromeinspeisung für eine Industrienation ist so gar nicht möglich. Quelle: Dipl.Ing. Wilfried Heck: http://wilfriedheck.de/ , 30.06.2015

geplagter Leser 03.07.2015 - 17:41:46

Na gut!

Bankenluser

Katrin Guse 03.07.2015 - 17:09:24

@ Beobachter Das ist doch gar nicht kompliziert

Die Frage ist .... Wem nutzt es ? Taxi , medizinische Grundleistungen und Rechtsanwaltsgebühren beschränken - dem Großteil der Bevölkerung Vorrang bei Stromeinspeisung und Einspeisegebühren festlegen - den Inhabern der Windparks. Bitte nicht Sparkassen mit Banken vermischen ;-)

geplagter Leser 03.07.2015 - 17:00:47

@klugscheißender Beobachter

Sie klingen wie ein Ex-Sparkassenwert! Für nichts richtiges als Leute über´s Ohr hauen je verantwortlich gewesen, jetzt Haustürgeschäfte erledigen und uns sagen wollen wie die Welt funktioniert. Es wäre wäre klug, Sie in einen Physikkurs zu stecken, dann bekämen Sie mal etwas Wissen vermittelt.

Beobachter 03.07.2015 - 13:40:53

Marktwirtschaft

@Guse: Eine schöne Wortkreation "Soziale Marktwirtschaft". Marktwirtschaft ist regelmäßig unsozial solange keine Regularien geschaffen werden. Dass EEG ist so eine Regel. Ohne EEG und ohne WEA + PV gäbe es nur die RWE, E.ON, Vattenfall und ENBW. Und wie die sich verhalten können sie der Tagesschau entnehmen, Bsp. Rückbau + Endlagerung AKW, subventionierter Abbau Braunkohle/ Lausitz, billig Öl + Gas von den lupenreinen Demokraten... Wer das eine nicht will, muss das andere nehmen! Entscheiden Sie! Die wesentlichen Schwerpunkte des EEG sind: Recht auf Netzanschluss beim jeweiligen Netzmonoplisten und zeitlich befristete Garantie eines Mindestpreises. Mindestpreise gibt es in vielen Bereichen unseres Wirtschaftssystems: Taxi, Buchpreisbindung, Apotheke, medizinische (Grund)Leistungen, Gebührenordnungen f. Architekten, Ingenieure, RA (HOAI, BRAGO) etc. Und erstmal all diejenigen die im öffentlichen Dienst tätig sind. Wer wird denn dort nach marktwirtschaftlichen Prinzipien bezahlt -niemand? Liebe Frau Guse, bitte die Scheuklappen absetzen. Aber wer die MOZ für den Nabel der Welt hält, dem ist auch nicht zu helfen.

Katrin Guse 03.07.2015 - 11:30:02

Kapitalismus

herrscht Dank EEG hier eben nicht. Es ist eine Subventionswirtschaft zu Lasten von Mensch uns Natur. Wie es ist, wenn der Kapitalismus wieder Einzug hält, haben wir an diversen Photovoltaikfirmen erlebt. Die sind ohne Subvention in Größenordnungen pleite gegangen. Ich bin für die soziale Marktwirtschaft.Dies hier ist nur nicht sozial und ein Abnahme-Markt für Windstrom wird künstlich erzeugt. Die angebliche Mehrheit der Deutschen glaubt doch nur, was Ihnen jeden abend vor der Tagesschau serviert wird. " Wir Deutschen müssen verrückt geworden sein....( sind wir auch )..." Das macht ein gutes Gewissen. Das beruhigt. Leider glaubt dann wirklich diese Mehrheit was Teut und gläubige Politiker Ihnen auftischen , dass die aufgestellte Kapazität der Windanlagen auch gleich ihrer abgegebenen Leistung ist. Weniger Glaube und mehr Wissen. Herzlichen Dank liebe MOZ-Redaktuere. Ihr tragt dazu bei. Und einen herzlichen Dank an Frau Blahy und Herrn Köppen für Ihr Engagement

Aus Crussow 02.07.2015 - 15:29:53

Unertraeglich

Einfach peinlich, diese Beschimpfungen und falschen Anschuldigungen von der Firma Teut. Ist das Oberwasser nach dem letzten Stand der Abwaegung oder einfach Respektlosigkeit und Arroganz? In der Tat ist es so, dass der Mensch bei der Windkraftplanung bis auf die 1.000 bzw nur 800m Abstand nicht weiter zaehlt. Für Menschen, die hier hinter 260 Hektar Windrädern wolllen sollen, sind auch Ausgleichsmassnahmen kein Trost. Und was ist falsch daran, für seine Interessen zu kämpfen? Nichts anderes tut die Firma Teut auch. Gut, dass das manch andere Menschen auch noch so sehen.

A.Ehrenhofer, Teut Windprojekte GmbH 02.07.2015 - 09:43:44

Werte Leser der MOZ

Werte Leser der MOZ, Ich sehe keine Veranlassung nicht mit meinem Klarnamen zu schreiben – das ist ein demokratisches Forum und sofern der Diskurs die Form wahrt, ist alles in Ordnung. Ich möchte auch nicht das Betroffene auswandern, sondern mit Argumenten überzeugen. Ich möchte verträgliche Lösungen für die Mehrheit. Und ja, das hat etwas mit Geld zu tun. Energiewende vor Ort ankommen lassen heißt, die Gelder die bisher an die vier großen Energieversorger in deren Zentralen geflossen sind, vor Ort zu investieren - in lokale Strukturen mit lokaler Wertschöpfung. Dafür lohnt es sich zu kämpfen. Die erheblichen Gelder, die für die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen fällig werden sollen vor Ort in echten Pflanzmaßnahmen oder Abriß von baulichen Schandflecken umgesetzt werden. Wir von Teut haben in der Region diverses Projekt durchgeführt, die wir im sachlichen Rahmen gerne vorstellen können. Aber die Diskussion zu diesem Artikel verflacht und wird polemisch, was mir nicht gefällt.

Till 01.07.2015 - 18:23:07

Oh man!

Wo sich, wie in Ihren letzten Kommentar Dummheit, Geschichtsverlogenheit mit Ahnungslosigkeit und rücksichtslose Gier paaren, ist jeder Dialog umsonst. Viel Glück in der kommenden Pleite !

Beobachter 01.07.2015 - 16:13:17

Der Menschen Wille

Lieber Herr Till, ihr platten Vorwürfe und inhaltsleeren Phrasen helfen doch nicht weiter. Auch sie bringen, wie hier General Klemm, keinerlei realistische Lösungsvorschläge! Ich habe auch nix mit Herrn Ehrenhofer oder Teut zu tu. Es gibt eine Menge Leute die pro EE denken, die deutliche Mehrheit in D + Europa - auch wenn ihnen das nicht passt. Ihre Kapitalismuskritik in allen Ehren. Aber die Ossis - ich bin auch einer - haben 1990 ganz bewusst das Kapital gewählt - mit einer deutlichen Mehrheit. Jeder von denen dachte dabei nicht an die Ideen von Marx sondern an sein ganz persönliches Vorankommen: D-Mark, Westauto, Karriere, Reisen usw. Insofern ist die heutige Gesellschaft, demokratisch legitimiert, auf Mehrung des persönlichen Kapitals orientiert. Entwicklung des Individualismus wird schon in der Schule gelehrt. Dass sie lieber Herr Till das anders sehen, liegt vielleicht einfach daran, das sie zu den Verlierern dieser Gesellschaft gehören. Mein Beileid... Würden sie weich werden, wenn sie in einem frisch ausgewiesenen Windfeld von Oma ganz überraschend ein paar ha erben würden und Herr Ehrenhofer klopft an mit einem netten Angebot? Nein, natürlich nicht, genau wie ihr (ehemaliger) Vorkämpfer mit seinem Schloss in Wartin... Wenn euch diese Gesellschaft nicht passt, wandert aus. Dazu seid ihr wieder zu feige. Denn viele von euch sind einfach nur kleine "Besitzstandswahrer", haben Angst um den Wertverfall ihres Vermögens. Reden sie doch mal mit denen über die "Vorzüge des Kapitalismus".

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