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Dem Ruhestand mit großen Schritten entgegen

Die Grüneberger Kirche: Nach seinem Lieblingsort gefragt, muss Gabriel nicht lange überlegen. Es ist die Kirche.
Die Grüneberger Kirche: Nach seinem Lieblingsort gefragt, muss Gabriel nicht lange überlegen. Es ist die Kirche. © Foto: Volkmar Ernst/MZV
Volkmar Ernst / 29.06.2015, 21:39 Uhr
Grüneberg (MZV) 65 Jahre, das ist eine Zäsur. Doch der Grüneberger Pfarrer Gerhard Gabriel nimmt es gelassen. Montagvormittag herrscht auf dem Grundstück des Pfarrhauses hektisches Treiben. Bänke und Tische werden aufgestellt, seine Frau Christine verteilt kleine Sträußchen mit Blumen. Der Versorgungswagen für Getränke steht bereits an seinem Platz neben dem ehemaligen Stallgebäude. Derweil nimmt Gabriel die ersten Glückwünsche von Besuchern aus dem Dorf entgegen, die nur kurz mal auf den Hof gucken. Das Geburtstagskind ist - noch - die Ruhe in Person. Um der Hektik zu entfliehen, wird er jetzt radeln gehen. "Zur Entspannung und der Gesundheit wegen", sagt er. Denn schon am frühen Nachmittag wird es auf dem Pfarrhof bestimmt voller. Dann ist Händeschütteln angesagt - er ist halt beliebt, in Grüneberg längst angekommen, Teil der Gemeinschaft.

Geboren wurde er in Farsleben im ehemaligen Bezirk Magdeburg. Zur Schule ging er in Zerbst. Dort lernte er auch seine Frau Christine kennen. Nach dem Abitur gingen beide nach Halle, er studierte Theologie, sie Formgestaltung. In Berlin fand seine Frau eine Anstellung beim Modeinstitut der DDR, Gabriel folgte ihr. Er betreute dort die Studentengemeinde und absolvierte das Vikariat. Dann folgte eine Auszeit in der Form, dass Gabriel sich zum Tischler ausbilden ließ. Theoretisch hätte er bei der PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) bleiben, diese sogar führen können.

Doch das wollte er nicht. "Ich wollte immer Pfarrer werden", stellt er klar. Drei Pfarrstellen wurden ihm angeboten, die in Grüneberg nahm er an. Das war im Februar 1980. "Es war eine Herausforderung. Die Kirche war kaputt, die Gemeinde klein. Doch Gabriel hat es nicht nur geschafft, dass die Kirche wieder aufgebaut wurde. Er wurde tatsächlich Teil der Gemeinde, ein echter Grüneberger eben. "Es sind 35 tolle Jahre, die ich hier verbringen durfte, und ich möchte keinen Tag davon missen", sagt er. Es sei das gemeinsame Lachen und Weinen, das Feiern und das Arbeiten, das den Reiz der Arbeit ausmache und der ihm das Gefühl des Angekommenseins vermittle.

Denn in Grüneberg wird Gabriel bleiben, wenn er zum 1. November in den Ruhestand versetzt wird. In der Nähe der Kneipe hat die Familie ein Haus gebaut. "Das wird für mich ein Perspektivwechsel", sagt er. "Jetzt heißt es für mich Kirche, Konsum, Kneipe, dann eben Kneipe, Konsum und Kirche."

Auf den Ruhestand freut er sich, auch wenn er keine großen Pläne hat, was dann kommt. "Ich bin zufrieden mit dem, was ich mir gewünscht habe. Denn das hat sich erfüllt. Ich wollte immer Pfarrer werden. Ich bin Pfarrer. Ich wollte eine Familie, die habe ich. Ich wollte eine Gemeinde, die mich aufnimmt und akzeptiert. Hier werde ich bleiben. Das ist toll, was will ich mehr?" Dann fällt ihm aber doch ein Wunsch ein: "Naja, vielleicht einmal auf einem Segelschiff über die Ostsee kreuzen."

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