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Poesie im alten Malzkeller

Poesie im Malzkeller: Eckhard Kolle liest Episoden am Schauplatz von Ehm Welks Roman "Die Gerechten vom Kummerow".
Poesie im Malzkeller: Eckhard Kolle liest Episoden am Schauplatz von Ehm Welks Roman "Die Gerechten vom Kummerow". © Foto: MOZ/Daniela Windolff
Daniela Windolff / 30.06.2015, 06:45 Uhr
Biesenbrow (MOZ) Ganz besondere Kost wird in Biesenbrow aufgetischt, wenn der Landkulturverein einmal im Jahr zum großen Picknick einlädt. Es sind Kostproben, kleine mal deftige, mal leichte Häppchen und der eine oder andere Leckerbissen, die der Seele statt dem Gaumen schmeicheln. Mitten im Grünen in Ehm Welks Bruch hinterm Berge lesen Autoren der Uckermärkischen Literaturgesellschaft aus eigenen Texten, Kurzgeschichten und Gedichte.

Dazu gibt es Kuchen und Kräuterbutterbrote, Wein und Melissenlimonade und was die Gäste noch so alles aus ihren mitgebrachten Picknickkörben für alle ausbreiten. Das Literarische Picknick, das der Landkulturverein Biesenbrow und die Uckermärkische Literaturgesellschaft gemeinsam organisieren, ist ein Höhepunkt im Kulturjahr der beiden Vereine und rückt neue Literatur in den Ort, der durch den hier geborenen Schriftsteller Ehm Welk als "Kummerow" zu literarischer Berühmtheit fand. Es hat in den Jahren schon eine große Liebhabergemeinde gefunden. Immer wieder wird ein anderer idyllischer Flecken in Biesenbrow mit Bezug zu Ehm Welks Schaffen für das Picknick ausgewählt, den der Landkulturverein bis zum Schluss als Überraschung geheim hält.

In diesem Jahr war die alte Brennerei gegenüber vom Gutshaus Ort für das literarische Picknick, das auf Grund des wechselhaften Wetters vom ursprünglich geplanten Hof ins Innere des historischen Gebäudes verlegt wurde, das eine Berliner Familie vor einigen Jahren gekauft hat und nun Stück für Stück liebevoll zum Wohnhaus saniert.

Die alten Mauern, noch teilweise Baustelle, boten eine urige Kulisse für die poesievollen oder nachdenklichen Worte der Autoren und angeregten Gespräche der Gäste. Eckhard Kolle, Vorsitzender des Landkulturvereins, las zwischendurch einige Passagen aus Ehm Welks Roman "Die Gerechten von Kummerow", die die alte Brennerei erwähnen.

Als die Picknickgäste vom Hausherren Sven Koppenhagen in den ehemaligen Malzkeller der Brennerei geführt wurden, las Eberhard Kolle dort eine passende Episode, wie Ehm Welk ein turbulentes Erntefest mit Tanz und reichlich Gerstensaft in eben diesem Keller beschrieb.

Der neue Eigentümer, der das denkmalwürdige Gebäude vor dem Verfall rettete, will den großen Keller mit seinem für solche Industriebauten ungewöhnlichen Kreuzgewölbe erhalten. Vielleicht entsteht hier einmal eine kleine Brauerei, wagt Sven Koppenhagen einen Blick in die Zukunft. "Als wir das Grundstück 2008 kauften, hatten wir keine Ahnung, worauf wir uns einlassen. Es ist ein Lebenswerk", gesteht er. Die Biesenbrower sind froh, dass junge Leute wieder einem historischen Gebäude neues Leben geben.

"Dem alten Gutshaus gegenüber ist dies leider nicht beschieden. Die Stadt Angermünde hat es wegen Baufälligkeit sperren lassen und kein Geld für eine Instandsetzung und Sanierung", bedauert Eckhard Kolle. Seitdem fehlt auch ein Treffpunkt für Veranstaltungen im Dorf.

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