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Kreative aus Eberswalde und anderen Brandenburger Orten stellen sich beim Netzwerktreffen vor

Bühne für Möbel, Buch und Farbknall

Tanz mit Gazelle: Tereza Bodemann vom Gut Stolzenhagen führt beim Kreativ-Dialog einen Stuhl vom eigenen Möbel-Label vor. Das Möbelstück entstammt der "Gazelle"-Serie.
Tanz mit Gazelle: Tereza Bodemann vom Gut Stolzenhagen führt beim Kreativ-Dialog einen Stuhl vom eigenen Möbel-Label vor. Das Möbelstück entstammt der "Gazelle"-Serie. © Foto: Sören Tetzlaff
Ellen Werner / 01.07.2015, 20:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Sie erfinden Biomaterialien für den 3D-Drucker, verlegen ihre eigenen Kinderbücher oder geben ihren Ideen in Möbeln Form. Kreative aus den verschiedensten Sparten hat das Brandenburger Wirtschaftsministeriums beim Netzwerkabend in Eberswalde zusammengebracht.

Sechs mal sechs ist die Maßgabe an dem Abend. Sechs Kreativschaffende haben je sechs Minuten ein Podium für sich. Wer zuerst an der Reihe ist, bestimmt das Los. Im Zwischenraum vom Hebewerk-Verein fällt es am Dienstag auf Tereza und Jörg Bodemann. Das Paar lebt und arbeitet auf dem Gut Stolzenhagen - "weil wir festgestellt haben, dass wir auf dem Land mehr Freiräume haben, in die unsere Ideen hineinwachsen können", sagt Jörg Bodemann.

Mit einer ihrer Ideen, die sich dort materialisiert haben, tänzelt Tereza Bodemann durch den Raum. "Das ist unsere leichte Gazelle-Serie", erklärt sie den Stuhl, ein Leichtgewicht, das sich auf zwei Fingern tragen lässt.

Als das Paar, von Berlin aufs Land gezogen, Möbel für sich und fürs Gästehaus in Stolzenhagen suchte, fing es an, aus Holzresten Stühle zu bauen. Später kamen Tische und Hocker dazu. "Freunde haben uns ermutigt weiterzumachen", sagt Jörg Bodemann. Vor einem Jahr gründeten die Quereinsteiger ihr Möbel-Label "terezaundjoerg".

Im Zwischenraum gibt es für ihre Präsentation begeisterten Beifall. Wie Tereza und Jörg suchen dort am Dienstag fünf weitere Kreative neue Kontakte. Eingeladen hat das Brandenburger Wirtschaftsministerium zum Netzwerkabend "6x6". "Wir wollen die Potentiale der Kreativen sichtbar machen und sie unterstützen", sagt Katja Dietrich-Kröck, die das Format von dort in die Szene getragen hat.

Die Referentin für Kreativwirtschaft legt Wert darauf, dass ein möglichst breites Spektrum vertreten ist. "Wichtig ist die Bandbreite von ganz klein bis ganz groß, vom Startup bis zum etablierten Unternehmen." Gemixt wird abwechselnd quer durch alle elf Branchen der Kreativwirtschaft - von Architektur über Buchmarkt und Design bis zur Bildenden Kunst.

Zwölfmal fanden die Treffen schon statt, überwiegend in Potsdam. "Dort kommen immer so um die 100 Leute", berichtet Dietrich-Kröck. "Mit diesem Erfolg im Hintergrund haben wir uns jetzt auch in die Region gewagt." Nach Wandlitz und Brandenburg an der Havel ist Eberswalde die dritte Station des Kreativ-Dialogs außerhalb Potsdams. Damit die hier ansässigen Kreativen nicht unter sich bleiben, gingen die Einladungen auch in andere Orte. So sind außer der Eberswalder Künstlerin Ina Abuschenko-Matwejea und dem in Kalifornien gebürtigen Eberswalder Brian Crotty auch Stefanie Bieber-Geske, Verlegerin aus Schöneiche (Oder-Spree) und die Potsdamerin Steffi Ribbe vom Kreativlabel Farbknall zum Netzwerken gekommen.

Bühnenreif, zumindest unterhaltsam, ist dabei jede der Sechs-Minuten-Shows. Bei Kai Jahns vom Kanaltheater, der kurz vor Beginn für die eigentlich angekündigten Keramiker Andrea Fochner und Stefan Laub einspringt, wird die Vorstellung sogar eine Stand-Up-Einlage.

Jahns, selbst kein freier Kreativer, "nur Sklave der Kreativler", berichtet von seinem Weg vom Korbmacher zum Macher des Bürgertheaters im Kulturzentrum Exil und wirbt für die nächste Aufführung am 10. Juli. Steffi Ribbe zeigt in Bildern, wie sie mit Farbknall abgeranzte Möbel in Unikate verwandelt. Künstlerin Ina Abuschenko hinterfragt mit einem Picasso-Text die Kreativwirtschaft. Und Stefanie Bieber-Geske und Brian Crotty belegen eindrucksvoll, wie viele Sparten einzelne Kreative oft besetzen. So entwickelt Crotty Projekte für mehrere Firmen von Webdesign über Kunstinstallationen bis hin zur "Bio Inspiration", die wiederverwendbare und kompostierbare Materialien etwa für den 3D-Druck erprobt. Verlegerin und Journalistin Bieber-Geske schreibt unter anderem regionale Urlaubs-Kinderbücher.

Bis in die Nacht unterhalten sich die Kreativen und knapp 30 Gäste nach den sechs mal sechs Minuten. Möglich, dass das Format nun häufiger nach Eberswalde kommt.

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