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Oderberger Flüchtlingsheim eröffnet

Carolin Villain (M.), die die Flüchtlinge vor Ort betreuen wird, beschreibt den Gästen Hella Mehlhorn (l.), Martina und Rudolf Hintze sowie Pfarrer Johannes Reimer (r.), was im Außenbereich des Hauses noch entstehen soll.
Carolin Villain (M.), die die Flüchtlinge vor Ort betreuen wird, beschreibt den Gästen Hella Mehlhorn (l.), Martina und Rudolf Hintze sowie Pfarrer Johannes Reimer (r.), was im Außenbereich des Hauses noch entstehen soll. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Simon Rayß / 05.07.2015, 08:00 Uhr - Aktualisiert 06.07.2015, 22:08
Oderberg (MOZ) Allen Widerständen aus Oderberg zum Trotz ist am Freitag in der Hermann-Seidel-Straße 54 ein Übergangswohnheim für Flüchtlinge eröffnet worden. Innerhalb von fünf Monaten hat der Träger den zweistöckigen Neubau errichtet, der für 80 Personen vorgesehen ist. Die ersten werden am Montag erwartet.

"Wann können wir rein?", fragt einer der rund 60 Besucher zu Beginn der Eröffnung, die gleichzeitig auch als Tag der offenen Tür angekündigt ist. "Ich will sehen, wofür meine Steuergelder ausgegeben werden." Nach den obligatorischen Reden und dem Zerschneiden des Bandes ist es soweit: Die Gäste betreten das beinahe fertige Gebäude.

Beinahe deswegen, weil im zweiten Stock noch Bauarbeiter dabei sind, die letzten Handgriffe zu verrichten. "Aber das wird am Montag alles fertig sein", erklärt Burkhard Loebe, als er die Gäste durch die hellen, mit Laminat ausgelegten Räume führt. Er ist Einrichtungsleiter beim Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF), wie der Träger der Oderberger Anlage heißt.

Vom Landkreis Barnim hat das diakonisch-soziale Werk mit mehr als 100 Niederlassungen in Deutschland, Polen und Tschechien den Auftrag zum Bau des Asyl-Übergangsheims bekommen. In weniger als einem halben Jahr ist das Gebäude entstanden - "in Rekordzeit", wie Loebe sagt. "Ohne den milden Winter wäre uns das nicht gelungen." Im Garten - momentan noch eine Baustelle - sollen seiner Auskunft nach ein Spielplatz, Sitzecken und viel Grün entstehen. "Ich rechne damit, dass in einem Monat dort alles fertig ist."

Im hufeisenförmigen Neubau zeigt Burkhard Loebe, der auch für den Oderberger Wohnverbund am Platz der Einheit und fürs erst kürzlich eröffnete Übergangsheim in Joachimsthal zuständig ist, alle Facetten der Anlage: die Gemeinschaftsräume mit einem Fernseher, die Küchen mit jeweils vier Herden und Öfen, die Toiletten- und separaten Duschräume. Auch die Wohnräume mit jeweils zwei Betten und einem Kühlschrank führt er vor - zwölf Quadratmeter für zwei Flüchtlinge. "Das ist alles gesetzlich vorgeschrieben", sagt Loebe.

Gesetzlich vorgeschrieben ist auch, dass auf 120 Schutzsuchende mindestens eine Betreuungskraft kommt. "Bei uns sind es zwei für den gesamten Standort", erklärt der Einrichtungsleiter - zwei Betreuer für 80 Bewohner also. Von denen sollen die ersten 20 am Montag kommen und dann in drei Etappen jeweils 20 mehr. "So ist der Plan", sagt Loebe. "Unser Traum ist, dass wir in der Woche vom 16. Juli voll belegt sind."

Aus welchen Ländern die Asylbewerber stammen, die dann in der Anlage leben werden, weiß er nicht. "Wir koordinieren uns dazu beinahe wöchentlich mit dem Landkreis", berichtet er. Fest steht, dass sie laut Loebe aus den Einrichtungen in Eisenhüttenstadt, Frankfurt (Oder) und Schönefeld nach Oderberg ziehen.

Doch auch diese Station wird für die Schutzsuchenden nur temporär sein: In der Theorie sei für Familien eine Aufenthaltszeit von drei Monaten in Übergangsheimen vorgesehen, erklärt der Einrichtungsleiter. Für Alleinreisende sechs Monate. Dann werden sie in Wohnverbünde weitervermittelt. In der Praxis sei diese Zeitspanne jedoch höher. "Schön wäre es, sie anschließend hier unterzubringen, in Oderberg", sagt Barnims Sozialdezernentin Silvia Ulonska mit Blick auf den Wohnverbund, der im Ort ebenfalls eingerichtet ist.

In ihrer Rede kommt sie auch auf den Fall zu sprechen, dass das neu eröffnete Übergangsheim irgendwann nicht mehr gebraucht werden sollte. Die Einrichtung sei vorbereitet für andere soziale Zwecke, erklärt sie. "Das ist vertraglich so zugesichert."

Tatsächlich hat sich das EJF im Laufe seiner 121-jährigen Geschichte vor allem auf die Kinder-, Familien-, Behinderten- und Altenhilfe konzentriert. Erst vor zwei Jahren ist der Träger auch in der Betreuung von Flüchtlingen aktiv geworden.

Mit Erfolg, wie es scheint. Vor Kurzem hat das EJF vom Landkreis den Auftrag bekommen, auch in der ehemaligen Waldarbeitsschule Bernau-Waldfrieden ein Quartier für Asylbewerber einzurichten und zu betreiben. Fassungsvermögen: rund 150 Personen.

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nur 06.07.2015 - 12:47:48

leute

sperrt die hunde ein

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