Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Premiere vor 60 Jahren / Große Namen wie Eckstein, Ludwig und Petermann in den Annalen

Eine Tour mit Höhen und Tiefen

Jürgen Leibner / 08.07.2015, 15:26 Uhr
Von Jürgen Leibner

Frankfurt (Oder) (MOZ) Sie ist die älteste noch existierende Radrundfahrt in Deutschland und nach der Bayern-Tour die zweitgrößte: die Internationale Oderrundfahrt. In diesem Jahr feiert sie 60-jähriges Bestehen mit einer wechselvollen Geschichte.

Es ist ein Jubiläum, das niemand so wirklich registriert hat. In der Vorbereitung auf die diesjährige Tour spielte der „Geburtstag“ jedenfalls bisher keine Rolle. Und doch: Vor 60 Jahren rollte erstmals eine Radrundfahrt durch die Oderregion. Kurt Quast aus Fredersdorf durfte sich als erster in die Siegerliste eintragen lassen. Elf Jahre später triumphierte mit Bernhard Eckstein sogar ein ehemaliger Weltmeister, der 1960 im legendären Rennen auf dem Sachsenring mit selbstloser Unterstützung von „Täve“ Schur das Regenbogentrikot geholt hatte.

Ecksteins Erfolg 1966 sollte für längere Zeit der letzte bei der Oder-Tour sein. Erst 1975, als der Radsport beim Armeesportklub in Frankfurt immer mehr Fuß fasste, besann man sich wieder auf die Tradition. Allerdings war der Name Oderrundfahrt in Vergessenheit geraten. Das Rennen hieß jetzt Etappen-Fahrt des ASK. Dafür war die Besetzung umso exquisiter, denn die DDR-Asse nutzten das Rennen zur wichtigen Vorbereitung auf die Friedensfahrt im Mai. Und so war fast alles am Start, was Rang und Namen hatte: von Olaf Ludwig, dem späteren Olympiasieger bis Andreas Petermann, dem Weltmeister im Mannschaftsfahren.

Seit 1980 taucht dann wieder der Begriff Oderrundfahrt in den Annalen auf. „Wir hatten uns daran erinnert, dass die Rundfahrt ja mal unter diesem Namen ins Leben gerufen worden war. Es gab keinen Grund, diese Tradition nicht weiter fortzuführen“, blickt Wilfried Schulz zurück. Der damalige Technische Leiter beim ASK hielt in den 80er-Jahren die Organisationsfäden in den Händen, musste allerdings in den stürmischen Wendejahren schweren Herzens miterleben, wie die Oder-Tour 1994 ein zweites Mal zu Grabe getragen wurde. „Den Armeesportklub gab es nicht mehr, und unter den neuen Gegebenheiten war einfach nicht genügend Geld da, um das Rennen fortzuführen.“

16 Jahre währte der Dornröschenschlaf, ehe 2010 Dan Radtke, 1989 selbst Gesamtsieger, die Tour durchs Oderland ein zweites Mal wachküsste. „Das war eine große Herausforderung. Aber weil mittlerweile in Deutschland so viele Rundfahrten von der Bildfläche verschwunden sind, wollten wir an der Oder ein Zeichen setzen, dass es möglich ist, eine Radveranstaltung dieser Größenordnung zu stemmen“, sagt der WM-Dritte von 1986. Es ist jedes Mal vor allem ein finanzieller Kraftakt, vor dem die Organisatoren stehen. Wenigstens
30 000 Euro werden benötigt, um die Rundfahrt ordnungsgemäß über die Bühne zu bringen.

Dank zahlreicher Sponsoren ist es Radtke und seinem unermüdlichen Team immer wieder gelungen, sodass die Oder-Tour ab Donnerstag bereits in ihr siebtes Jahrzehnt gehen kann. Und das mit einer Rekordbeteiligung: 120 Fahrer aus drei Ländern in 20 Mannschaften.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG