Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Tollkühne Schüler auf wackligen Flößen

Heiner Sladeks Floß hält. Die Konstruktionen der übrigen zwei Gruppen bestehen den Praxistest nicht.
Heiner Sladeks Floß hält. Die Konstruktionen der übrigen zwei Gruppen bestehen den Praxistest nicht. © Foto: Sören Tetzlaff
Simon Rayß / 11.07.2015, 08:00 Uhr
Joachimsthal (MOZ) Seit mehr als 20 Jahren organisiert der Verein BSIJ Abenteuercamps für Jugendliche. Dabei lernen sie die Natur kennen und verbessern den Zusammenhalt der Gruppe. Bis Freitag hat die 7b der Karl-Sellheim-Schule in der EJB gezeltet und sich verschiedenen Aufgaben gestellt - zum Beispiel der, ein Floß zu bauen.

Marian Werther ist sauer. "Wir hatten alles schon fertig und jetzt müssen wir's nochmal auseinanderbauen", schimpft der Siebtklässler. Also knüpfen er und die Mitglieder seiner Gruppe die Schnüre wieder auf und fügen die Bretter und Kanister neu zusammen.

Lange bleibt ihnen nicht: In zehn Minuten müssen die drei Arbeitsgruppen ihre Konstruktionen ins Wasser des Werbellinsees lassen. Die sollen dann nicht nur schwimmen, sondern auch alle gleich aussehen. Das erfordert Abstimmung, genaue Planung - und kann schnell zu Frustration unter den Jugendlichen führen, wenn ein Floß nicht denen der anderen entspricht.

Marian Werther und seine 20 Klassenkameraden von der Eberswalder Karl-Sellheim-Schule sind beim Naturerlebnis- und Abenteuercamp des Eberswalder Bundes zum Schutz der Interessen der Jugend (BSIJ) zugange. Das findet alljährlich in Zusammenarbeit mit der Europäischen Jugenderholungs- und Begegnungsstätte Werbellinsee (EJB) statt.

"Das ist eine besondere Klassenfahrt mit dem Charakter eines Kurses, in dem Schüler ihre sozialen Kompetenzen trainieren können", sagt Hardy Lux, der hauptamtlich für den BSIJ arbeitet. Der Verein, der dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert, hat 1992 das erste Abenteuercamp organisiert. Rund 3500 Barnimer Schüler haben sie seither darin betreut. "Manche der Eltern von heute waren damals schon als Kinder mit dabei", berichtet Lux.

Seit acht Wochen ist er aktuell mit seinem Team im Grünen. Jede Woche kommt eine andere Klasse: vier von der Goethe-Schule, drei von der Sellheim-Schule und eine von der Grundschule Schwärzesee - 170 Jugendliche insgesamt. Drei Aspekte stehen dabei im Vordergrund: die soziale Kompetenz, das Leben in der Gemeinschaft und das Naturerlebnis. Einfach nur entspannen, geht nicht: Aufräumen, abwaschen, ein Feuer entzünden - die Jugendlichen sind gefordert.

Bei der Gruppe von Heiner Sladek läuft es gut beim Floßbau. Bretter, Kanister, Schnüre - alles scheint zu halten. Sozialpädagogin Lena Baginski beobachtet das Ganze, hält sich jedoch zurück. "Die Jugendlichen sollen selbst Verantwortung übernehmen", sagt die 27-Jährige. Ihren Erfolg empfinden und mit der Niederlage klarkommen.

Lena Baginski ist bereits seit zehn Jahren bei den Camps als Betreuerin dabei. Für die Klassenlehrerin der 7b, Maike Manietta, ist es hingegen das erste Mal. "Das Camp hat eine ganz andere Qualität als eine gemeinsame Klassenfahrt", sagt sie. Es trage richtigen Abenteuercharakter. "Wir haben Kinder, die das erste Mal im Zelt übernachten", erklärt auch Hardy Lux.

Jede Klasse erarbeitet in den Wochen vor dem Camp, welche Faktoren im Vordergrund stehen sollen. Vor Ort gibt es Auswertungsrunden und auch Monate später wird nochmal gemeinsam Bilanz gezogen. "Das Camp soll möglichst lange nachwirken", erklärt Hardy Lux. 110 Euro kostet die Teilnahme. Der Rest wird kofinanziert vom Landkreis Barnim und der Stadt Eberswalde.

Ein besseres Arbeitsklima und ein fairer Umgang miteinander: Das haben sich die Sellheim-Schüler vorgenommen. Höhepunkt ist eine 24-Stunden-Tour in die Natur: zehn Kilometer wandern und übernachten unter freiem Himmel. Eine schöne Erinnerung - ob sie das auch vom gemeinsamen Floßbau sagen werden?

Am Ende ist nur die Konstruktion der Gruppe um Heiner Sladek seetauglich. "Das war anstrengend", sagt er kurzatmig nach der Fahrt. "Aber alles hat super gehalten." Die anderen zwei Flöße geben unterwegs den Geist auf - eben auch, weil die Teams in der Bauphase umdisponieren mussten. Doch als der Ärger verraucht ist, fasst sich Marian Werthers Gruppe ein Herz: Die Schüler raffen die Einzelteile zusammen. Sie tragen sie ins brusthohe Wasser und hinaus bis zur rot-weißen Ziellinie.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG