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Schrecksekunde beim Überschlag

Nach dem Überschlag im Training hat der Ford Fiesta von Jens Ziegenbalg (hinten mit weißem Rolli) ganz schön was abgekriegt. Doch im Fahrerlager sind genug "Schrauber", die gerne mithelfen.
Nach dem Überschlag im Training hat der Ford Fiesta von Jens Ziegenbalg (hinten mit weißem Rolli) ganz schön was abgekriegt. Doch im Fahrerlager sind genug "Schrauber", die gerne mithelfen. © Foto: MOZ/Britta Gallrein
Britta Gallrein / 13.07.2015, 07:40 Uhr
Biesenthal (MOZ) In den Wukuhlen ging es am Wochenende wieder heiß her. Der MC Klosterfelde hatte zum Autocross geladen und zahlreiche Teilnehmer aus Brandenburg und benachbarten Bundesländern waren gekommen, um sich auf der Cross-Rennstrecke zu messen.

Für Danny Giese war schon vor dem Rennen klar, dass es diesmal nichts werden würde mit einer guten Platzierung. Der 28-Jährige vom gastgebenden Verein MC Klosterfelde fährt seine erste Saison in der Supertourenwagenklasse. In dieser Kategorie dürfen die Teams den Motor der Serienautos nach Herzenslust tunen. Doch sein eigener Fiesta steht in der Garage. "Wir haben den leider nicht pünktlich fertig bekommen zum Rennen", erklärt er. Damit er trotzdem starten kann, hat ein Vereins-Kollege ausgeholfen. Jens Bastian stellte seinen schwarzen VW Golf zur Verfügung. Allerdings ein Serientourenwagen, sprich, der Motor ist nicht getunt. "Es war klar, dass ich deshalb mit den anderen nicht mithalten kann", sagt Danny Giese. "Ich wollte aber trotzdem mitfahren, schließlich ist das hier unser Heimrennen." Dass er vom Tschechen Petr Brezina sogar in einer Kurve überrundet wird, kann er verschmerzen. "Der fährt schon seit 20 Jahren, hat viel mehr Erfahrung. Das ist schon okay", findet Giese. "Ich bin natürlich auch etwas verhalten gefahren. Es ist ja nicht mein eigenes Auto und da will man nix kaputt machen. Heute ging es nur um den Spaß."

Den hatte auch Jens Ziegenbalg am Ende wieder, nachdem er einige Schrecksekunden überstehen musste. Mit seinem Ford Fiesta lag er in der Klasse 4 (Spezialtourenwagen bis 1600 Kubik) noch vor dem Rennen auf Platz drei der Wertung um den Lausitzpokal. Daher war der Rennfahrer, der im eigentlichen Leben Maschinenbediener ist, nach Biesenthal gereist, um wichtige Punkte für die Meisterschaft zu holen. Er gab richtig Gas. Und das rächte sich. In einer Kurve geriet sein Wagen ins Schleudern, Ziegenbalg bekam sein Gefährt nicht mehr unter Kontrolle und überschlug sich. Zum Glück ging alles glimpflich aus. Mit einem Eisbeutel kühlt er wenige Minuten später die lädierte Hand und macht sich schon wieder auf den Weg durch das Fahrerlager, um Ersatzteile für sein angeschlagenes Auto zu finden. Das hat den Überschlag weniger gut überstanden. "Der Ölkühler ist abgerissen, der Wasserkühler kaputt, die Frontscheibe gebrochen", zählt er auf. "Ich hoffe, wir kriegen es bis zum Finale morgen wieder hin."

Sein Team an Schraubern ist bereits bei der Arbeit. Fachmännisch wird hier diskutiert, wie der Schaden möglichst schnell behoben werden kann. Danny Giese hilft mit einem Gitter für die Frontscheibe aus. "Was kriegst du dafür?", will Ziegenbalg wissen. "Nix, ist okay", so die Antwort. "Danke, dann kommste heute Abend mal bei uns vorbei, es gibt was zu trinken", folgt die Einladung.

"So etwas ist ganz normal", erklärt Ziegenbalg. "Im Fahrerlager hilft man sich gegenseitig." Er weist auf Mann, der sich ebenfalls um den verunglückten Fiesta bemüht. "Der ist eigentlich mein Konkurrent. Aber trotzdem hilft er mit, mein Auto zu reparieren. So geht das hier", erklärt er.

Ein paar Schritte weiter sind ein paar junge Damen mächtig aufgeregt. Annika Schlöffel und Nadine Zimmermann gehen zum ersten Mal gemeinsam auf die Langstrecke. Gedacht ist dieser Lauf für Fahrer, sich sich im Motorsport ausprobieren möchten, aber nicht so sehr viel in ihr Fahrzeug investieren können oder möchten. Bis zu drei Fahrer dürfen 30 Minuten fahren. Wer die meisten Runden schafft, gewinnt. Ziel der Renn-Ladys: "Wir wollen einfach nur Spaß haben."

So sieht das inzwischen auch Carsten Schlöffel, der in der Buggy-Klasse an den Start geht. Bis zu 50 000 Euro kosten die offenen Flitzer, die es bis auf 200 und mehr PS bringen und 180 km/h schnell werden. "Früher war ich ein Heißsporn. Heute halte ich mich an den Satz: Es hat noch niemand in der ersten Kurve ein Rennen verloren, aber schon einige ihr Leben", sagt Schlöffel. "Ich gebe lieber meine Position auf, als einen Unfall zu riskieren." Einen Tacho sucht man im spartanisch ausgestatteten Buggy übrigens vergeblich. "Da kriegt man ja sonst Angst, wenn man sieht, wie schnell man ist", sagt Carsten Schlöffel und lacht.

Ergebnisse auch online unter www.ilp-autocross.de

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