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Haltung hat sich im Landkreis seit der Wende verdreifacht / Volksbegehren gegen Massentierhaltung am Start

Eine Million Masthähnchen-Plätze

Ines Rath / 29.07.2015, 20:17 Uhr
Seelow (MOZ) Seit dem 15. Juli liegen in den Stadt- und Amtsverwaltungen die Unterschriftenlisten für das Volksbegehren gegen Massentierhaltung aus. In Märkisch-Oderland gab es den größten Zuwachs in der Hähnchenmast. Im Vergleich zur Wendezeit werden im Kreis dagegen deutlich weniger Rinder und Schweine gehalten.

Um es vorweg zu nehmen: Eine offizielle Definition für "Massentierhaltung" gibt es nicht. Nur Anhaltspunkte. So sehen Tierschützer in den Grenzwerten des Bundes-Immissionsschutzgesetzes zur Genehmigung von Stallneubauten Hinweise darauf, wann kritische Größenordnungen erreicht sind. Dr. Ralf Bötticher, der Amtstierarzt von Märkisch-Oderland, verweist auf die im vorigen Jahr geänderte Tierarzneimittelverordnung. In der ist festgelegt, dass für Masthühner-Bestände ab 10 000 Tierenalle Antibiotika-Gaben in einer zentralen Datenbank registriert werden müssen. Bei Mastputen gilt das für Bestände ab 1000 Tieren, bei Schweinen ab 250. Und schon für Haltungen mit mehr als 20 Rindern.

Auf die Frage nach Massenhaltungen von Nutztieren im Landkreis wirbt der Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (ALU), Jan Paepke, für eine differenzierte Betrachtung: Die häufige Einteilung Bio gleich gut und konventionell gleich böse entspreche zum Beispiel nicht der Realität, sagt er. Und verweist auf teils sehr große Bio-Hühnerhalter in der Seelower Region. Deren Tieren steht "nur" mehr Platz zur Verfügung als konventionell gehaltenen Hennen.

Dass mehr Platz aber nicht die Lösung aller Probleme ist, zeigt die per Gesetz abgeschaffte Käfighaltung für Legehennen. Im Landwirtschaftsamt des Kreises hat man registriert, dass es in den Betrieben, die ihre Hennen jetzt in Volieren mit mehr Platz und Auslauf halten, höhere Tierverluste und Keimbelastungen gibt, weil die Tiere mehr scharren.

In der Folge hätten sich die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter solcher Anlagen verschlechtert, weiß Jan Paepke. Die Mitarbeiter müssten wegen dem Staub Mundschutz tragen und die Eier, die früher aufs Band gefallen sind, suchen und einsammeln. Die Mehrkosten für die Investitionen und den höheren Arbeitsaufwand aber bekommen die Halter durch die Eierpreise nicht ersetzt. Die sind nicht oder kaum gestiegen.

Der Focus der Gegner der Massentierhaltung liege auf der Hähnchen- und Schweinemast, weiß Paepke. Was die Schweine betrifft, so hält der Amtsleiter die Lage im Landkreis für zufriedenstellend. Spätestens, seit vor etwa zwei Jahren die Halteordnung für Sauen geändert und die längere Einzelhaltung verboten wurde.

Rinder und Schweine gebe es in Märkisch-Oderland im Grunde sogar zu wenige, sagt der Leiter des Kreis-Landwirtschaftsamtes und nennt diese Zahlen zum Vergleich: Zur Wende 1989 wurden im Gebiet des heutigen Landkreises 284 000 Schweine und 106 000 Rinder gehalten. Heute sind es 86 000 Schweine und 28 000 Rinder.

Was den Tierschutz betrifft, so registriert man im Veterinäramt des Kreises gerade in kleineren Rinderbetrieben ein Problem - die umstrittene Anbindehaltung. Strikt verboten ist sie nur für Kälber. "Wir sind mit den betroffenen Haltern im Gespräch", versichert der Amtstierarzt.

Er verweist, wie auch Jan Paepke, auf die per Gesetz in jüngster Zeit verordneten Nachbesserungen zum Tierwohl. So muss es in Entenställen seit dem Jahresbeginn so genannte Gänse-Tränken geben, in denen das Wassergeflügel den Kopf untertauchen kann. Überhaupt sieht man in der Kreisverwaltung in den Entenhaltungen im Landkreis kaum Probleme. Der Neuhardenberger Fall, der zu Jahresbeginn für Schlagzeilen gesorgt hatte, sei ein auf "menschliches Versagen" zurückzuführender "Einzelfall", sagt Paepke.

Marion Knauer, die Futtermittelkontrolleurin aus seiner Behörde, hat eher in großen Putenbeständen Probleme registriert, vor allem im Sommer. "Im Endstadium der Mast gibt es bei großer Hitze teils tödlichen Stress und Rivalitäten unter den Tieren", weiß die Kontrolleurin. Inzwischen hätten einige Halter Beregnungsanlagen in den Ställen installiert, ergänzt sie. Bleibt die Hähnchenmast.

In der gebe es im Landkreis "die größten Zuwächse", bestätigt Jan Paepke. Gegenüber 1989 habe sich die Zahl der Mastplätze etwa verdreifacht. Rund eine Million Hähnchen werden derzeit in Ställen in Märkisch-Oderland gleichzeitig gehalten, Tendenz steigend. Denn im Landwirtschaftsamt liegt bereits ein Antrag auf die Erweiterung einer Anlage vor. In Falkenhagen gibt es übrigens auch einen Bio-Hähnchenmäster.

"Die Belastungen für Anlieger sind durch große Mastanlagen teils erheblich", weiß der Amtsleiter. Doch er sieht auch die Kehrseite der Medaille: "Viele Menschen sind nicht bereit, deutlich mehr für Fleisch zu bezahlen", sagt er.

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