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Architekt Christoph Dielitzsch übergibt seinen Vorlass an das Stadtarchiv

Kistenweise Erinnerungen

Begutachten jedes einzelne Blatt: Eckehard Tattermusch, Christoph Dielitzsch, Ursula Dittberner und Anke Godron (v. l.) sehen sich alte Unterlagen über Schwedt an.
Begutachten jedes einzelne Blatt: Eckehard Tattermusch, Christoph Dielitzsch, Ursula Dittberner und Anke Godron (v. l.) sehen sich alte Unterlagen über Schwedt an. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Maren Tönisen / 30.07.2015, 06:45 Uhr
Schwedt (MOZ) Mit mehreren Kisten bepackt hatte sich Christoph Dielitzsch am Dienstag auf den Weg ins Stadtmuseum gemacht. Da er als Architekt ab 1965 in der Generalprojektantengruppe gearbeitet hat und dann 17 Jahre in der Stadt blieb, verfügt er über zahlreiche Unterlagen aus dieser Zeit.

Weil er sein Architekturbüro in Dresden zurzeit auflöst, geht sein Vorlass - also die Material-sammlung, die eine bekannte Persönlichkeit zu Lebzeiten einer Institution verkauft oder schenkt - zum Beispiel an die Sächsische Architektenkammer oder ins Bauhausarchiv nach Weimar. Ihm sei es aber schwer gefallen, bestimmte Unterlagen, die in Schwedt entstanden sind, dorthin zu geben.

Deswegen gibt er diese Teile seines Vermächtnisses nun als Geschenk an den Ursprungsort: nach Schwedt. Dort finden die Erinnerungen an die Baukunst der "DDR-Moderne", bei der Architektur unter schwierigen Bedingungen betrieben werden musste und bei der massenhafter Wohnbau entstand, Platz im Stadtarchiv.

"Wenn ich in Schwedt bin, fahre ich immer an die Orte meiner Taten", erklärte der 79-jährige Christoph Dielitzsch, "aber da ist eben nicht mehr viel da." Er kehrt dann zum Beispiel zurück an die Talsandterrasse, an das Haus "Polderblick" oder dorthin, wo das Waldbad war. Aber nicht nur jetzt, sondern auch nach 1982 kam er in die Stadt zurück: "Der Stadtarchitekt Eckehard Tattermusch rief mich 1993 an und sagte: 'Du, in der Eigentumssiedlung am Waldbad wollen sie etwas verändern.' Ihm war bekannt, dass ich 1979 den Architekturpreis "Bestes Bauwerk' dafür erhalten hatte."

Christoph Dielitzsch erzählte auch von Kontroversen über die Jahre, zum Beispiel am Kniebusch. "Was wird mit der Altbausubstanz, mit den Hinterlassenschaften der Mittelmäßigkeit der Gestaltung?", fragte man sich damals. Soll man sie abreißen oder erhalten? "Der Kniebusch war schicksalhaft für die Schwedter Wohnbaugesellschaft, weil sie dort nachweisen wollte, dass sie unter den neuen ökonomischen, marktwirtschaftlichen Bedingungen handlungsfähig ist." Der Kniebusch sei ein Pilotprojekt gewesen, das in Deutschland eine hohe Rangordnung hatte - weil es dort gelungen sei, in einen Einheitsgrundriss 24 unterschiedliche Wohnungen zu integrieren.

"Wir haben dort schmale Flure in große Dielen verwandelt", erinnert sich der Professor, der für das Rathaus eine andere Lösung gehabt hätte, als die jetzige: "Ich hätte Glaswürfel gewählt. Da sitzen schließlich Leute, die Demokratie machen wollen - und das sollen sie nicht hinter verschlossenen Türen und Wänden." Mit den Würfeln hätte man zeigen können, dass die Verwaltungsarbeit transparent ist, meint er. Skizzen davon existieren längst.

Anke Grodon (Leiterin Museum und Stadtarchiv) freute sich über den Vorlass, in dem sich auch zahlreiche alte Bildaufnahmen der Fotografen Herbert Werner Brumm und Rudolf Hartmetz befinden. Vor allem Studenten, die über Schwedt forschen, könnten das mit den zahlreichen Unterlagen nun auch vor Ort tun.

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