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100 Meilen Erinnerung

Hier geht's lang: Cheforganisator Hajo Palm zeigt Hohen Neuendorfs Bürgermeister Klaus-Dieter Hartung auf einer Karte die Strecke des Mauerweglaufs, der am 15. und 16. August stattfindet. Die Läufer umrunden auf 160,9 Kilometern ganz Westberlin.
Hier geht's lang: Cheforganisator Hajo Palm zeigt Hohen Neuendorfs Bürgermeister Klaus-Dieter Hartung auf einer Karte die Strecke des Mauerweglaufs, der am 15. und 16. August stattfindet. Die Läufer umrunden auf 160,9 Kilometern ganz Westberlin. © Foto: MZV/Julia Lehmann
Julia Lehmann / 30.07.2015, 21:30 Uhr - Aktualisiert 09.02.2016, 12:29
Hohen Neuendorf (MZV) Es ist Sport für Hartgesottene: Auf 160,9 Kilometern führt der Mauerweglauf durch Berlin. Immer entlang der ehemaligen Grenze. In diesem Jahr gilt der "Lauf der Erinnerung" der 1980 in Hohen Neuendorf bei ihrem Fluchtversuch erschossenen Marienetta Jirkowsky. Sie war erst 18 Jahre alt.

"Das sind alles Laufverrückte", beschreibt Hajo Palm die Teilnehmer des 160,9 Kilometer langen Mauerweglaufs. Es ist ein Kampf, Körper gegen Geist, wenn die Läufer am 15. August um 6 Uhr im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark am Berliner Mauerpark starten. "80 Prozent ist Kopfsache", sagt Hajo Palm. Genau das gilt es zu besiegen, sagt der 65-Jährige.

Der Cheforganisator weiß, wovon er spricht, denn er hat an den bisherigen drei Marathons selbst als Läufer teilgenommen. "Ich habe ihn selbst schon laufen sehen. Sehr zügig", sagt Hohen Neuendorfs Bürgermeister Klaus-Dieter Hartung. Durch den Ort führt nicht nur ein Teil des ehemaligen Mauerstreifens, sondern er steht noch aus einem anderen Grund in besonderer Verbindung zum Ultramarathon: Die Bad Saarowerin Marienetta Jirkowsky wurde bei ihrem Fluchtversuch 1980 in Hohen Neuendorf von DDR-Grenztruppen erschossen. Der damals 18-Jährigen ist der Lauf in diesem Jahr gewidmet.

Wo einst die tödlichen Schüsse fielen, in der Florastraße, steht heute eine Gedenkstele. Die Läufer werden sie nach 24,5 Kilometern passieren und können eine kleine Karte an einer Pinnwand befestigen, auf der ihre Gedanken und Botschaften festgehalten sind. Etwa gegen 9.30 Uhr beginnt dort eine offizielle Gedenkfeier. Die Wand soll dann am Sonntag bei der Siegerehrung im Ramada-Hotel am Alexanderplatz zu sehen sein.

Hajo Palm wird als Organisator diesmal nicht am Lauf teilnehmen können. Diese Aufgabe hat er von Dr. Ronald Musil übernommen, der krankheitsbedingt ausfällt. "Ich kenne den Lauf von Grund auf und fühle mich deshalb richtig am Platz", sagt Palm. Der 65-Jährige läuft seit Anfang der 1990er-Jahre nahezu in jeder freien Minute, seit 2005 auch Ultramarathons, seit 2010 den Mauerweglauf. Mit seiner Frau wollte er die Grenze entlang eigentlich wandern. "Als ich vom Mauerweglauf gehört habe, dachte ich: Muss ich haben", erinnert sich Palm.

Auf 160,9 Kilometern werden 340 Einzelläufer und 61 Staffeln mit 355 Läufern sowie etwa 100 Radbegleiter entlang der ehemaligen Grenze ganz Westberlin entgegen des Uhrzeigersinns umrunden. An 27 Verpflegungspunkten stoppen Helfer die Zeiten der Läufer und versorgen sie. Marian Przybilla betreut auch in diesem Jahr die Station am Naturschutzturm in Hohen Neuendorf. "Die Teilnehmer kommen aus aller Herren Gegend", sagt Palm. Die Bestzeit des Laufs hält der Brite Mark Perkins. Er benötigte im letzten Jahr 13 Stunden und sechs Minuten. Der Lauf wurde Peter Fechter gewidmet, der 1962 am Checkpoint Charlie in Berlin ums Leben kam.

Im nächsten Jahr startet der Lauf am 13. August - genau 55 Jahre nach dem Mauerbau rund um Berlin.

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Tor Pe Do 31.07.2015 - 12:22:11

Der kleine Unterschied...

Euch ist ein kleiner Fehler unterlaufen... es sind "nur" 100 Meilen, nicht 160, wie es die Artikelüberschrift verkündet.

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