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Poesie des Stahls

Zu Kunstwerken geformter Stahl: Arbeiten von Christian Roehl sind in Dannenwalde zu sehen.
Zu Kunstwerken geformter Stahl: Arbeiten von Christian Roehl sind in Dannenwalde zu sehen. © Foto: Sabine Slatosch
Sabine Slatosch / 03.08.2015, 20:41 Uhr
Dannenwalde (MZV) "Sein Credo war, mit dem Zeitlichen den Raum zu beschreiben und vielfältig Haltung zu beziehen", so Alice Bahra über die künstlerische Arbeit ihres 2013 verstorbenen Ehemannes Christian Roehl. Eine Ausstellung mit 13 Werken des Metallgestalters, Kunstschmieds und Stahlbildhauers wurde am Sonnabend in der Kirche am Weg zu Dannenwalde feierlich eröffnet.

Ein kleiner, von unregelmäßigen Flächen eingeschlossener Körper, genannt Polyeder, ging von Hand zu Hand, wurde im einfallenden Licht betrachtet, seine bearbeitete Oberfläche mit den Fingerspitzen betastet, sein Einschmiegen in die kleinen und großen Hände mit Wohlwollen empfunden. Eine Faszination, der sich auch der Kunsthistoriker Dr. Christof Baier nicht entziehen konnte, als Christian Roehl ihm einst einen solchen Polyeder in die Hände legte. Er ist Gegenstand seines Essays im 2013 erschienenen Werkverzeichnis des Künstlers, aus dem der Schauspieler Christian Ballhaus las. "Natur und Kultur, diese Grundthemen der Zivilisationsgeschichte sind für mich das eigentliche Thema des unregelmäßigen, gestreckten, beschränkten und konvexen Stahl-Polyeders...", endete der Text - da war der Stahl warm und aufgeladen mit der Energie der Gäste, und hatte doch auch als Kunstwerk ein Zeichen gesetzt in jedem.

Mit ebendieser Würde stehen die Skulpturen von Christian Roehl im Raum des kleinen Gotteshauses, ohne seine Architektur, seine von der Geschichte gezeichneten Wände, seinen Geist zu dominieren. Im Gegenteil. Die klaren Formen des Metalls bezeichnen in ihren reduzierten Bewegungen Zustände und Haltungen, die auf fast wundersame Weise mit dem Umfeld korrespondieren. "Impuls" ist fast nur eine Linie, eine Idee, die emporschießt vor dem fleckigen Ocker des Putzmörtels. "Empfang" nimmt das einfallende Licht auf und sagt: Ich neige mich dir zu, komm in meine geöffneten Arme, sei geborgen. "In der Kirche bekommen die Arbeiten nochmal ein anderes Licht", sagte Alice Bahra. Das sei am deutlichsten an dem gezimmerten Holzkreuz auf dem Altar sichtbar, vor dem die Skulptur "Haltung" steht, die für sie "auch etwas von Segnen" hat: "Vergangenes wird verbunden mit dem Heutigen und bringt uns das nahe."

"Vom Innehalten der Plastik im Raum" ist der Titel der Präsentation. Gezeigt werden plastische Werke, die allesamt in zehnfacher Vergrößerung in den Städten Berlin, Brandenburg, Potsdam und Frankfurt (Oder) gegenwärtig sind. Um das zu verdeutlichen, hatte Alice Bahra, ebenfalls Künstlerin, einen kleinen Bildschirm mit Video-Aufnahmen installiert. Sie zeigen die Metallarbeiten im öffentlichen Raum vor stehender Kamera.

Ergänzend zu den Skulpturen hängen an den Wänden der Empore Druckgrafiken von Egbert Moehsnag zu "Geistlichen Sinn- und Schlussreimen" von Angelus Silesius, eines bedeutenden Dichters der deutschen Barock-Mystik.

Musikalisch begleitet wurde die Vernissage von einer professionellen Improvisation. "Für manche Ohren ungewöhnlich", kündigte Karla Woisnitza, Vorsitzende des Förderkreises Kultur und Kirche am Weg, das Stück an. Doch wer gern und oft auf die Geräusche der Natur hört, fand in der experimentellen Musik von Thomas Kumlehn an der Querflöte und Astrid Weins am Schlagzeug reichlich Raum für Assoziationen. Leises Wispern, schriller Schlag, Emporschnellen aus der Stille, Rückzug, nachdenkliches Schaben, auflehnendes Wummern, Spucken, Schimpfen, umeinander Kreisen und Schwirren, Ruhe. "Die Ausstellung ist ein Geschenk für mich", sagte Alice Bahra.

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