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Handball-Vizeweltmeister Joachim Pietzsch coacht seit drei Jahren die Verbandsliga-Männer vom HSC 2000 Frankfurt

Stolzer Opa und Trainer

Einst für die ASK-Handballer aktiv: Joachim Pietzsch
Einst für die ASK-Handballer aktiv: Joachim Pietzsch © Foto: Jörg Kotterba
Jörg Kotterba / 09.08.2015, 19:40 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Joachim Pietzsch war Handball-Vizeweltmeister. Heute trainiert er einen Verbandsligisten und genießt das Rentnerdasein.

Bilder über Bilder. Alles Originale. Etwas Nippes da, viele Topfpflanzen dort. Birgit Pietzsch, die Frau des Hauses, hat ein Händchen, die zweigeschossige helle Wohnung gemütlich einzurichten. Kurz nach der politischen Wende, als mancher Mieter auch in Frankfurt nicht wusste, ob ein Alteigentümer aus dem Westen an die Tür klopft, um Eigenbedarf anzumelden, kauften Birgit, die Gerichtsmedizinerin, und Joachim Pietzsch, der Diplomsportlehrer, das mehrgeschossige Haus an der August-Bebel-Straße. Mit einem großem Garten. Darin zwei Sitzecken für viele Gäste. Die kommen gern zum Jetzt-Rentner-Ehepaar Pietzsch, das seit 1973 verheiratet ist.

Joachim Pietzsch, im Juni 68 geworden, grüßen auch heute noch auf dem Weg zum Bäcker oder zur Apotheke alte Fans. Sie wissen: Der spritzige Linkshänder wurde mit dem ASK Vorwärts Frankfurt zweimal Handball-DDR-Meister und gewann 1975 den Europapokal der Pokalsieger. Pietzsch absolvierte als "Internationaler" in vier Jahren 79 Länderspiele und warf 87 Tore. Er war mit der Auswahl Vize-Weltmeister 1974 und WM-Dritter 1978. Was die Fans vielleicht nicht wissen können: Seine Birgit lernte er kennen, als sein Kumpel, der jetzige FHC-Trainer Dietmar Schmidt, Junggesellen-Abschied feierte. Der rief auch die tanzmuffligsten Freunde aufs Parkett und drohte: Wer jetzt nicht tanzt, zahlt einen Kasten Sekt. Flugs steuerte Pietzsch auf die nächst sitzende Frau zu und bat um diesen Tanz. Birgit Aßmann lehnte ab, sagte nach einem Tritt ihrer Mutter unter dem Tisch ("Der Herr braucht deine Hilfe") dann aber doch zu. Ein halbes Jahr später waren beide ein Ehepaar.

Dieser Tage fuhr das Ehepaar Pietzsch nach Leipzig. Zu den Kindern. Ex-DHB-Auswahlspielerin Nikola, die einst beim ASK Vorwärts Frankfurt und in Leipzig spielte, ist Juristin und "schenkte" ihren Eltern eine Tochter (jetzt 7). Sohn Alexander, der mit Delitzsch schon Handball-Bundesliga-Luft schnupperte, hat zwei Söhne (4 und 8). "Drei Enkel - die halten ein ganz schön in Trab", meint Opa Pietzsch. Seine strahlenden Augen verraten, das er stolz auf dieses Trio ist.

Stolz ist Joachim Pietzsch auch, wenn er von seinen Männern vom HSC 2000 spricht. Sie trainiert er seit drei Jahren. Der Verbandsligist wurde in der zurückliegenden Saison Siebenter. "Wir hätten im letzten Spiel auch Sechster werden können. Die Liga ab Platz 4 ist total eng beieinander. Da kannst du schnell bei vermeintlich angeschlagenen Gegnern verlieren." Am 5. September startet die neue Saison. Drei neue Spieler, darunter ein sehr talentierter Pole, hat Pietzsch dann unter seinen Fittichen. "Ich trainiere eine vernünftige, motivierte Truppe. Unser Handicap war, dass sonnabends mancher nicht einsatzbereit sein konnte, weil der Job nun mal Priorität hat. Deshalb werden alle Heimspiele nur noch am Sonntag ausgetragen."

Trainiert wird seit Mitte Juli jeden Dienstag und Donnerstag ab 19 Uhr. In der Brandenburg- oder Oderlandhalle, da wegen der Sommerferien die Turnhalle an der Sabinusstraße geschlossen ist. "Birgit ist nicht unfroh, wenn ich ein paar Stunden das Haus verlasse oder am Wochenende beim Wettkampf bin", kommentiert der Herr des Hauses ("ich bin hier 49,9 Prozent") den Blick seiner Liebsten. Am Anfang des gemeinsamen Rentner-Daseins sei man sich manchmal "auf den Kranz" gegangen. "Aber jetzt haben wir uns eingepegelt", meint Joachim Pietzsch.

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