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Soll der Uhrschlag der Kirche St. Georg tagsüber zu jeder Viertelstunde die Zeit verkünden? Die Meinungen dazu gehen auseinander.

Die Lärm-oder-Klang-Frage

Auch Verkehr kann laut sein: Dieser Ansicht ist Beatrix Forck in der Diskussion um den Lärm, der von dem Uhrschlag in St. Georg (im Hintergrund) ausgehen könnte. Die Pfarrerin fragt: "Wenn der Uhrschlag nicht mehr zeitgemäß sein soll, was ist dann zeitgem
Auch Verkehr kann laut sein: Dieser Ansicht ist Beatrix Forck in der Diskussion um den Lärm, der von dem Uhrschlag in St. Georg (im Hintergrund) ausgehen könnte. Die Pfarrerin fragt: "Wenn der Uhrschlag nicht mehr zeitgemäß sein soll, was ist dann zeitgem © Foto: Heinz Köhler
Frauke Adesiyan und Martin Stralau / 15.08.2015, 06:55 Uhr - Aktualisiert 08.02.2016, 15:09
Frankfurt (Oder) (MOZ) Soll der Uhrschlag der Kirche St. Georg tagsüber wieder zu jeder Viertelstunde die Zeit verkünden oder nicht? Nach einem Bericht über Anwohnerbeschwerden gehen die Meinungen dazu unter MOZ-Lesern auseinander. Die geschäftsführende Pfarrerin vertritt eine klare Haltung.

Die Ankündigung der evangelischen Kirche, den Uhrschlag von St. Georg nach Jahrzehnten wieder in Betrieb zu nehmen, sorgt unter MOZ-Lesern für kontroverse Diskussionen - sowohl im Internet also auch in Leserbriefen. Die eine Seite gibt den Anwohnern recht, die sich in einem Protestbrief über den jetzt schon vorherrschenden Lärm der Glocken beschweren und befürchten, dass dieser unerträglich wird, wenn der Uhrschlag zum normalen Läuten hinzukommt. Die andere Seite sagt, der Klang von Kirchenglocken gehöre zu unserer Geschichte und Kultur.

Stellvertretend für die zweite Ansicht ist die Meinung von Sascha Rebbin aus Bernau, der das Frankfurter Problem nicht verstehen kann. "Was gibt es am warmen Klang einer Kirchenglocke auszusetzen? Ich denke nichts!", schreibt er und berichtet von den Erfahrungen in seiner Stadt. "Unsere Kirche läutet seit jeher viertelstündlich und es stört hier niemanden", erklärt er in Richtung der Uhrschlag-Gegner und gibt ihnen den Hinweis: "Machen Sie sich (...) nicht lächerlich und seien Sie stolz auf Ihre Kultur und lebendige Geschichte."

Sascha Rebbin verdeutlicht, dass es in Bezug auf Lärm weitaus schlimmere Dinge gebe, die man bemängeln könnte. "Es geht nicht um Baulärm, Fluglärm oder die Nähe einer Autobahn. Es geht um den Klang einer Kirchenglocke - eben keinen Lärm."

Auch Beatrix Forck kann die Aufregung nicht recht nachvollziehen. "Ich finde das kurios. Die Anwohner sind genervt, obwohl derzeit gar nichts zu hören ist", sagt die geschäftsführende Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt (Oder)- Lebus. Darüber, in welchem Umfang der Stundenschlag zu hören sein wird, kündigt sie Gespräche im Gemeindebezirk an. Zu dem Einwand, das Uhrschlag-Läuten sei nicht zeitgemäß, gibt sie zu bedenken: "Was ist denn zeitgemäß? Etwa der Verkehrslärm, der noch in einer viel stärkeren Frequenz vorhanden ist?" Als der Uhrschlag am Karfreitag versehentlich regelmäßig zu hören war, hatte ein Anwohner die Pfarrerin früh am Morgen angerufen und ihr gedroht, er werde sie  nun im 15-Minuten-Takt anrufen. "Die Frage ist doch, was hören wir? Wenn jemand in dem Läuten die Kirche hört und das unangenehm findet, ist es seine Wahrnehmung", findet Beatrix Forck.

Nutzer "ABC" ist in seinem Kommentar bei moz.de der Ansicht, dass "viertelstündliches Läuten (...) nichts, aber auch gar nichts, mit der freien Religionsausübung oder den Wurzeln unserer Menschheit zu tun" hat. Und Peter Peries aus Frankfurt schreibt dort, dass Toleranz keine Einbahnstraße sei. Von den mehr als 5000 Gemeindemitgliedern, er sei selbst eines, gehe nur ein Bruchteil zur Kirche. "Wer mich jetzt Lügen strafen will, soll einfach mal am Wochenende in die Kirche gehen", sagt er. "Es handelt sich bei uns Christen um eine Minderheit, die Rücksicht und Toleranz erwartet, dies aber auch selbst ausüben sollte. Nirgends in der Bibel steht etwas von Kirchenglocken. Mission hängt nicht von regelmäßigem Uhrengeläut ab", findet er.

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abc 17.08.2015 - 13:33:34

@ Beatrix Forck

Also Ihre Aussage enttäuscht mich wirklich. "Was ist denn zeitgemäß? Etwa der Verkehrslärm, der noch in einer viel stärkeren Frequenz vorhanden ist?" Alle anderen machen Krach, also will ich auch! Wirklich ist das alles, was Ihnen dazu einfällt? Das ist das Verhalten eines Dreijährigen. Keine Rücksichtnahme auf die Anwohnermeinung. Kein Aufeinanderzugehen. Kein Entgegenkommen, der (in Teilen durchaus berechtigten) Befürchtungen gegenüber. Nur Platitüden Ihrerseits. Da hätte ich mehr erwartet. Was ist mit Ihren Motto "Suchet der Stadt Bestes!" (Quelle: Webseite Evangelisch Kirchengemeinde). Und falls Sie sich immernoch nicht ganz im Klaren sind, was "zeitgemäss" ist, lesen sie sich doch mal durch den Link im anderen Thread. Es gibt einen gesetzlichen Rahmen und auch genügend Urteile. Also so ganz unbearbeitet ist dieses Feld nicht.

Karl Napp 16.08.2015 - 23:50:50

@P. Raktisch

Wer sind "Wulf, Merkel, Gauck...? Die Stimme des Volkes?

Theo Retisch 16.08.2015 - 22:08:00

@ P. Raktisch

Auf genauso einen Kommentar habe ich gewartet. Wenn man eine andere Auffassung hat als Sie, wird man sofort als Nazi bezeichnet. Es ist ja so einfach, Andersdenkende in die rechte Ecke zu stellen. Solche Gutmenschen wie Sie sind unser Untergang. Solange die Deutschen bezahlen, sind wir die Guten, wenn nicht dann eben die Bösen. Und was Wulff und Konsorten zu diesem Thema gesagt haben, interessiert mich nicht die Bohne. NOCH haben wir ja Meinungsfreiheit. Aber Sie arbeiten ja bereits kräftig daran, dass sich das bald ändert.

P.Raktisch 16.08.2015 - 21:16:27

Der Muezzin

...gehört auch zu Deutschland. Oder wollen Sie die Aussagen von Wulf, Merkel, Gauck,...., in Frage stellen? Ich will, dass auch der Muezzin seine Tradition verkünden darf. Kein Platz für Nazis,@TheoRetisch.

Theo Retisch 16.08.2015 - 19:09:04

Kirchenglocken = Lärm = Umweltverschmutzung????

Ich wohne an einem Bahndamm. Daher fordere ich die Abschaffung der Bahn. Achtung alles nur Satire. An alle die, die gen das Glockengeläut wettern: Wenn es Euch nicht passt, dann zieht doch in den Wald! Ich hätte kein Problem mit Kirchenglocken in der Nähe. Es wird schon vorher gemotzt, daß es eine Art hat. Wenn Ihr Probleme damit habt, setzt Euch alle an einen Tisch. Die Kirchenglocken gehören zu unserer Kultur oder wollt Ihr eines Tages 5 x am Tag das jämmerliche Gejaule eines Muezzins hören? Das ist dann die Willkommenskultur und KEINE Tradition. Da soll es schon Vorbilder in Deutschland geben.

Birgit S. 16.08.2015 - 12:07:30

Vermummte (anonyme) Krawalltouris mit Vergangenheit

Wieviele Betroffene haben den anderen Beitrag auf MOZ.de kommentiert und ihre Probleme mit dem Lärm "erzählt"? Sind es nicht immer und überall die Krawalltouris, die sich äußern, wenn möglich vermummt oder hier (I-Net) besonders einfach anonym.

T. Giebel 16.08.2015 - 10:45:01

Tradition aus alter Zeit

Der Uhrschlag von Kirchen entstand in einer Zeit, in der Uhren ausschliesslich an Gebäuden vorhanden waren und die arme Bevölkerung durch den weit hörbaren Klang zur Arbeit gerufen wurde. Heute hat jeder selbst eine oder mehrere Uhren und eine laute, weit hörbare Übertragung der Uhrzeit ist mehr als unnötig. Schlagen in Frankfurt nicht schon zwei Turmuhren laut hörbar die Zeit. Eine davon steht zwar auf der östlichen Seite der Oder, aber der Schall kennt keine Grenzen. Ist es in unserer technisierten Welt nicht schon laut genug? Jede zusätzliche Lärmquelle ist eine weitere Umweltverschmutzung und sollte im Interesse aller Mitlebewesen vermieden werden. Auch das Läuten der Glocken von St. Georg um 12.00 und um 18.00 Uhr halte ich für Umweltverschmutzung. Ich glaube es reicht aus, wenn die wenigen Besucher der Gottesdienst mit Glockengeläut gerufen werden. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass durch mehr Klang von Kirchenglocken die Zahl der Kirchenanhänger steigt. Als Fazit bleibt mir also zu sagen je mehr Lärm wir vermeiden, desto besser leben wir Alle, wir Alle ob Gläubig oder Ungläubig.

Mirdochegal 15.08.2015 - 21:47:37

Ja, denn wir sind Ossis.

Wir mögen halt keine Wessis, keine Ausländer, keine Kapitalisten und schon gar keine Kirchenleute. Lasst uns bloß in Ruhe unser Bier trinken. Prost. *Hicks

Psul Müller 15.08.2015 - 20:17:45

Nicht zeitgemäß und verzichtbar

Herzlichen Dank für die Steilvorlage, liebe Kirchenfrau. Denn die Antwort auf die Frage, was hier nicht mehr zeitgemäß ist, drängt sich förmlich auf: Die Kirche, zumal hier im Osten. Und damit auch das unsägliche Gebimmel, nicht nur beim Uhrzeit-Schlag. Mindestens drei Generationen sind hier ohne das eine und das andere aufgewachsen und niemand hat es vermisst. Es jetzt als Segen darzustellen erinnert ein wenig an die Missionierungsbemühungen des Klerus. Die Frage, ob Verkehrslärm zeitgemäß ist, zeigt zudem die Engstirnigkeit der Dame. Denn darum geht es gar nicht. Die Frage muss lauten, was vermeidbar ist. Und das ist das Geläut, egal zu welcher Zeit. Richtig, dass die Anwohner bereits vorher dagegen zu Felde ziehen, denn hinterher wird sich eher wenig ausrichten lassen.

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