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Weltmusik am Ort der Erinnerung

Auftritt mit Ausblick: Senimile spielen am Sonnabendvormittag am Gedenkort "Wachsen mit Erinnerung". Im Hintergrund ragen die Bäume des Gartens der Stadtkirchengemeinde auf, in dem einen Tag zuvor die Konzertreihe eröffnet worden ist.
Auftritt mit Ausblick: Senimile spielen am Sonnabendvormittag am Gedenkort "Wachsen mit Erinnerung". Im Hintergrund ragen die Bäume des Gartens der Stadtkirchengemeinde auf, in dem einen Tag zuvor die Konzertreihe eröffnet worden ist. © Foto: Sören Tetzlaff
Simon Rayß / 24.08.2015, 06:55 Uhr - Aktualisiert 09.02.2016, 12:28
Eberswalde (MOZ) Drei Auftritte, drei Orte, drei Spielarten der Weltmusik: Die Reihe "im Garten" hat am Wochenende internationale Klänge an ausgefallene Plätze gebracht. Auch an den ehemaligen Standort der Eberswalder Synagoge, heute ein Ort der Erinnerung.

Ein schönes Bild: Das Publikum in der Sonne, die Gesichter zur Bühne gewandt, auf der drei Musiker aus drei verschiedenen Kontinenten spielen. Dahinter der Gedenkort "Wachsen mit Erinnerung": Eine mehr als mannshohe graue Mauer, die dort aufragt, wo früher einmal die Synagoge von Eberswalde gestanden hat. Sie umschließt einen Innenraum, in dem sich noch junge Bäume in die Höhe schieben. Ältere und weitaus größere Bäume ragen im Hintergrund auf und geben den Blick frei auf ein anderes Gotteshaus, das nach wie vor intakt ist: die Maria-Magdalenen-Kirche.

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Dort, im Hof der Stadtkirchengemeinde, gleich gegenüber der Kirche, ist am Freitag die zehnte Auflage der Gartenkonzerte eröffnet worden: ein frischer Spätsommerabend, mehr als 100 Gäste, farbig erleuchtete Bäume, dazu authentischer Samba ohne Pop-Spielerei von Zé Berlin.

Einen Tag später der Umzug Richtung Goethestraße, zum ehemaligen Standort der Synagoge, die 1938 zerstört worden ist. Seit zwei Jahren markiert eine Gedenkstätte diesen Platz. Die Gartenkonzerte dorthin zu bringen, ist ein Versuch, den Ort im Bewusstsein der Eberswalder stärker zu verankern. So fasst es Kulturamtsleiter Stefan Neubacher, der die Stadt als Veranstalter vertritt, kurz vor Beginn des Auftritts in Worte. "Wir haben den Anspruch, einen lebendigen Gedenkort zu schaffen." Am Sonnabend, zur Guten-Morgen-Eberswalde-Zeit um 10.30 Uhr, ist das gelungen. Mehr als 150 Besucher sind gekommen, die Atmosphäre ist entspannt. Noch als Senimile bereits auf der Bühne stehen und spielen, suchen sich einige Gäste einen Platz. Andere sind einfach Passanten, die auf einige Songs vorbeischauen und dann wieder ihres Weges ziehen.

Die Band macht es ihnen leicht, einen Draht zu ihrer rhythmusgeprägten Musik zu finden. Zwar lassen die peruanische Percussionistin Laura Robles, Sänger und Multiinstrumentalist Moussa Coulibaly aus Burkina Faso und der Berliner Bläser Uli Kempendorff viel Raum für Improvisationen. Doch die geraten nie so schräg, als dass sie die Besucher vergraulen könnten, die mit Stilen wie Free Jazz vielleicht nichts am Hut haben.

Dabei ist Jazz für das Trio, das in dieser Konstellation das erste Mal auftritt, nur ein Einfluss unter vielen. Laura Robles über die Entstehung des Sounds: "Ich spiele meine Folklore, Moussa spielt seine Folklore und es funktioniert einfach." Schwerer habe es da Uli Kempendorff, seinen Jazz mit dem Rest in Einklang zu bringen. "Doch es ist gut, dass ein drittes Element dazukommt."

Drei Musiker, drei Kontinente, drei Stilrichtungen - und das Ganze an einem Ort, der ans Erbe des Nationalsozialismus erinnert. Mutig, aber durchaus schlüssig; auch ohne dass die Band ihrer Musik einen Schuss jüdischer Folklore verpasst. "Wir haben uns bewusst gegen einen Klezmer-Einschlag entschieden", sagt Organisator Udo Muszynski. Der weltoffene Sound von Senimile, im Programmheft fälschlicherweise als Geminile angekündigt, verleihe der Gedenkstätte eine neue Ebene.

So beeinflussen sich Musik und Veranstaltungsort gegenseitig. Ganz so, wie es die Festivalreihe beabsichtigt - auch beim abschließenden Konzert am späten Sonntagnachmittag, als Onom Agemo & The Disco Jumpers die runderneuerte Alte Badeanstalt am Finow-Kanal wachküssen.

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