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Das von der Stadt verwaltete Gebiet veränderte in den vergangenen 200 Jahren mehrfach seine Struktur und Größe

Frankfurts Weg zur Selbstständigkeit

Johann G. Lehmann: Ab 1816 OB in Frankfurt
Johann G. Lehmann: Ab 1816 OB in Frankfurt © Foto: Stadtarchiv
Ralf-Rüdiger Targiel / 26.08.2015, 07:30 Uhr - Aktualisiert 08.02.2016, 15:20
Frankfurt (Oder) (MOZ) Das Jahr 1815 - heute vor 200 Jahren - markierte einen Neubeginn fürDie Verlegung der neumärkischen Landes-Kollegien bildete die Grundlage für die stete Entwicklung der Stadt für weit mehr als ein Jahrhundert. Im zweiten und letzten Teil blickt Stadthistoriker Ralf-Rüdiger Targiel auf die Zeit bis 1990.

Nach dem Friedensschluss 1815 sollte in Preußen die seit längerem diskutierte Verwaltungsreform in Angriff genommen werden. In dem nach dem Wiener Kongress erweiterten Staatsgebiet wurde mit der "Verordnung vom 30. April 1815 wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden" eine einheitliche Gliederung von Provinzialebene (zehn Provinzen), Regional- (je zwei bis drei Regierungsbezirke, insgesamt 25) und Lokalebene (Kreise) gebildet. Für die Provinz Brandenburg wurden die drei Regierungsbezirke Berlin (bald wieder aufgelöst), Potsdam (zugleich Provinzhauptstadt) und Frankfurt bestimmt, wobei Frankfurt die Regierung für die Neumark und die Niederlausitz bildete. Nach dem Vorschlag des für den Frankfurter Regierungsbezirk ernannten Organisationskommissars Dr. Friedrich Ludwig August von Wißmann wurde der Bezirk in 18 Kreise, die sich westlich der Oder bis zu den Landkreisen Luckau, Lübben, Cottbus, Lebus, und östlich bis zu den Kreisen Arenswalde, Friedeberg und Züllichau erstreckten, eingeteilt.

Als Sitz für den Landrat des Kreises Lebus, Dr. Johann Gottlieb Lehmann, wurde Frankfurt bestimmt. Frankfurt selbst war nicht Teil des Lebuser Kreises. Es bildete - entsprechend der Vorgabe, dass große Städte mit ihrer Umgebung einen eigenen Kreis bilden sollten - einen eigenen Kreis, wozu Teile des alten Sternberger Kreises mit Rosengarten und Lossow sowie den einstigen Kämmereidörfern der Stadt, Kliestow, Booßen, Tzschetzschnow und Teile des alten Lebuser Kreises in den Kreis Frankfurt einbezogen wurden. Die landrätlichen Geschäfte sollten dem Frankfurter Polizeidirektor obliegen. Von Wißmann schlug der Stadt vor, die Stelle des Landrats-Polizeidirektors mit der des Stadtoberhauptes zu vereinigen, lockte dabei auch mit einem Gehaltszuschuss. In einer vorläufigen Stellungnahme sagte der Frankfurter Magistrat zu, womit Oberbürgermeister Karl Heinrich Endell wohl noch diese polizeiliche Funktion ausübte. Eine endgültige Stellungnahme zu dieser Frage ließ auf sich warten.

Inzwischen hatte Endell seinen Abschied genommen und die Stadtverordnetenversammlung wählte als seinen Nachfolger den bisherigen Landrat des Kreises Lebus, Johann Gottlieb Lehmann. Die Stadtverordnetenversammlung wollte am Ende nicht das Amt des Stadtoberhaupts an den Staat verlieren und lehnte am 23. November 1816 - mit 31 zu 15 Stimmen - die Vereinigung der Ämter ab. Die Folge war, dass von Wißmann im April 1817 einen staatlichen Polizeidirektor mit landrätlichen Funktionen einsetzte. 1823 aber erhielt die Stadt die Polizeifunktion zurück und wurde direkt der Regierung unterstellt.

Der Landkreis Frankfurt bestand nur ein Jahrzehnt. 1827 wurde er wieder aufgelöst. Den Landbezirk trennte man von der Kreisstadt Frankfurt ab und ordnete ihn dem Kreis Lebus (später teilweise dem Kreis Sternberg) zu. Wie es in der dazu am 6. Oktober 1826 in Frankfurt erlassenen Verordnung heißt, sollte der "dadurch erweiterte Lebuser Kreis...seinen bisherigen Namen "Lebuser Kreis' ferner beibehalten, und das Kreis-Bureau im hiesigen Orte errichtet werden, wo auch das gesammte Personal des landrätlichen Amtes seinen Wohnsitz nehmen wird." Erst 1863 unter Landrat von der Marwitz wurde der Sitz des Kreises Lebus nach Seelow verlegt. Weiter bestimmte die Verordnung: "Bei der früher schon getroffenen Bestimmung, nach welcher der hiesige Magistrat unter der unmittelbaren Aufsicht der unterzeichneten Regierung steht, wird es auch ferner verbleiben."

Die eigentliche Stadt Frankfurt bildete fortan einen selbstständigen Stadtkreis, dessen Fläche sich durch die steten Eingemeindungen bis 1945, die Abtrennung der östlich der Oder gelegenen Stadtteile infolge des Potsdamer Abkommens und schließlich die Eingemeindungen in den Jahren 1947, 1972 und 1973, ständig veränderte. 1950 verlor Frankfurt vorübergehend die Kreisfreiheit, wurde dafür aber Kreisstadt eines von 1950 bis 1952 bestehenden Kreises Frankfurt (Oder). Im Jahr darauf erhielt sie die Kreisfreiheit zurück und wurde zugleich Bezirkshauptstadt des bis 1990 bestehenden Bezirkes Frankfurt (Oder).

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