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Uckermark und Barnim bei deutschlandweitem Gehältervergleich unter dem Durchschnitt

Weniger Lohn für gleiche Arbeit

Ein Fensterputzer putzt die Fensterscheiben. Knapp acht Millionen Menschen in Deutschland müssen einer Studie zufolge mit einem Niedriglohn von weniger als 9,15 Euro brutto pro Stunde auskommen.
Ein Fensterputzer putzt die Fensterscheiben. Knapp acht Millionen Menschen in Deutschland müssen einer Studie zufolge mit einem Niedriglohn von weniger als 9,15 Euro brutto pro Stunde auskommen. © Foto: picture alliance / dpa
Oliver Schwers / 12.09.2017, 18:43 Uhr - Aktualisiert 13.09.2017, 09:29
Angermünde/Schwedt (MOZ) Die Uckermark kommt von ihrem schlechten Image nicht weg: Wer hier lebt, verdient deutlich weniger als in den meisten Regionen Deutschlands. Der durchschnittliche Bruttolohn liegt bei nur 2251 Euro. Das sind 750 Euro weniger als in Berlin.

Die Region im Nordosten Deutschlands ist abgehängt vom Bundesstandard. 27 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung bekommen Arbeitnehmer hierzulande empfindlich geringere Löhne als im Westen der Republik oder in der Hauptstadt. Auch an den Brandenburger Durchschnittslohn von 2416 Euro reichen viele Beschäftigte aus der Uckermark nicht heran. Im Barnim sieht es trotz der Nähe zu Berlin erstaunlicherweise auch nicht viel besser aus. Das Durchschnittsbrutto liegt bei 2318 Euro.

Kein Wunder also, dass die Zahl freier Stellen in den Kreisen Uckermark und Barnim mittlerweile auf 2067 angewachsen ist. Denn Arbeitnehmer mit einem gefragten Abschluss bekommen anderswo für den gleichen Job wesentlich mehr Geld als in der Heimat. Das nutzen vor allem Menschen aus dem Bernauer Raum durch kurze S-Bahn-Verbindungen in die Hauptstadt. Doch nicht jeder kann und will sich in das Pendlerheer einreihen.

Eine Altenpflegerin verdient in Brandenburg um die 2283 Euro. In Berlin sind es schon 2528. In Baden-Württemberg zahlen die Arbeitgeber im Mittelwert 2937 Euro. Noch extremer ist die Kluft zwischen Ost und West bei akademischen Abschlüssen. Allerdings zeichnet sich die Uckermark im ostdeutschen Vergleich gerade hier durch bessere Gehälter als der Barnim aus. Durchschnittlich bekommt ein Angestellter mit hoher Ausbildung fast 4000 Euro brutto, was beinahe schon dem Brandenburger Mittel entspricht. Im Barnim sind es 3782 Euro.

In beiden Landkreisen verdienen Frauen etwas mehr Geld als Männer - auch das ein gesamtostdeutsches Phänomen. Die Zahlen hat die Bundesarbeitsagentur in ihrem Entgeltatlas veröffentlicht. Sie zeigen das weiterhin existierende Lohngefälle zwischen vielen Regionen Deutschlands.

Warum die Uckermark bei Löhnen und Gehältern hintenan steht, kann die Arbeitsagentur nicht begründen. Von "betriebswirtschaftlichen Entscheidungen", spricht Petra Röhlinger-Hissnauer, Chefin der Eberswalder Agentur.

Wie will eine Region mit solchen Zahlen künftig ihren Nachwuchs sichern? "Es gibt auch andere Faktoren wie zum Beispiel Kinderbetreuung für Arbeitnehmer, ein Diensthandy oder einen Zuschlag für Mobilität. Manche Arbeitgeber organisieren sogar eine Fahrdienst zur Arbeit. Motivierend können auch Arbeitszeitmodelle sein." Das Jobcenter Uckermark sieht ein inzwischen generell besseres Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern in den Firmen. Auch so lassen sich Leute dauerhaft binden.

Doch das anhaltend hohe Lohngefälle hat noch eine zweite wesentliche Auswirkung auf das Wirtschaftsleben der Region: Die Kaufkraft ist spürbar niedriger als andernorts. Darunter wiederum leiden Einzelhandel, Handwerk oder Baubranche. Denn wo kein Geld verdient wird, kann auch keins ausgegeben werden. Und so kann eben selbst der Handwerksmeister seinen Leuten nur weniger zahlen - ein Teufelskreis.

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Willi Bald 13.09.2017 - 07:34:57

Eine Aneinanderreihung von statistischen Zahlen

die jedermann selbst finden kann. Ist typisch MOZ. Ursachenforschung "Null" : Nach der Wende gab es die Wegzugprämie. Folge war, gute junge Arbeitskräfte verließen unsere Region. Heute bemüht man sich mit dem roten Teppich Leute zurück zu holen. Wer könnte zurück wollen bei diesem Lohnniveau. Schon vor Jahren warb die rot/rote Landesregierung um Investoren mit dem Hinweis einen Standortvorteil zu bieten: geringe Löhne. Noch vor einigen Monaten äußerte sich der Schwedter SPD- BM zur Ansiedlung von Zalando und Amazon auf polnischem Gebiet: das wäre bei uns schlecht möglich gewesen bei unserem Lohngefüge und unseren Naturschutzbehörden. Also Herr Oliver Schwers , ich schließe aus meinen Erfahrungen, dass die Probleme hausgemacht sind. Deshalb sollte man sie auch benennen.

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