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Rätselraten um Wasserverlust

Auf dem Trockenen: Wo sonst Wasser war., genehmigen sich diese zwei Frauen eine Pause im Schatten
Auf dem Trockenen: Wo sonst Wasser war., genehmigen sich diese zwei Frauen eine Pause im Schatten © Foto: MOZ Gerd Markert
Uwe Spranger / 31.08.2015, 19:29 Uhr
Strausberg (MOZ) Der Straussee hat in den vergangenen Wochen Etliches an Wasser verloren. Wissenschaftler weisen indes Spekulationen zurück, der Pegelrückgang hänge mit dem im vorigen Jahr in Betrieb gegangenen neuen Wasserwerk Spitzmühle zusammen.

Das Freibad am Fichteplatz hat den niedrigen Wasserstand zum Anlass genommen, die Saison nicht in den September zu verlängern. Bei der Fähre ist der Zustieg schon problematisch. Und die Drachenbootsportler im Kulturpark müssen zum wiederholten Mal ihren Einstieg verändern.

Das gravierende Sinken des Wasserspiegels lässt Raum für Spekulationen über die Ursachen. Dass es in diesem Jahr im Winter kaum Schnee und in den vergangenen Monaten nur geringe Niederschlagsmengen gegeben hatte, ist zwar den meisten bewusst, jedoch glauben viele nicht, dass dies die alleinige Ursache sein soll. Der See habe nur wenig überirdische Zuläufe, werde vielmehr von unterirdischen Quellen gespeist, erzählt ein Strausberger. Die könnten nicht mehr so üppig sprudeln, weil der Wasserverband Strausberg-Erkner seit Frühjahr 2014 permanent aus den Brunnen am Spitzmühlenweg fördere.

Nicht zum ersten Mal wird das Absinken des Pegels im Straussee mit anderen Ursachen als klimatischen in Verbindung gebracht. Die Beregnung vom Golfpark Wilkendorf war schon in Verdacht geraten. Auch Sprengungen von Altmunition. Die könnten Schichten verletzt haben, so eine Vermutung. Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung Müncheberg (ZALF) hatte bereits 2010 im Auftrag der Stadtverwaltung eine Studie vorgelegt. "Wir konnten damals keinen Zusammenhang zwischen den beobachteten Seespiegelschwankungen und der Förderung der Wasserwerke nachweisen", erinnert sich Prof. Dr. Gunnar Lischeid vom ZALF. Die Wasserentnahme des WSE erfolge in einem tieferen Grundwasserstockwerk, das von den Seen durch eine mächtige Stauschicht getrennt sei. Bei der Eröffnung des Wasserwerks war von 80 Metern Brunnentiefe die Rede. Auch andere von Menschen gemachte Aktivitäten wie Wasserentnahme für den Golfplatz oder die Kampfmittelräumung hätten keine nachweisbaren Effekte ergeben. Neben klimatischen Ursachen seien lediglich Folgen der Abfluss-Steuerung erkannt worden.

Der Straussee habe, wie alle größeren Seen der Region, Kontakt zum Grundwasser des oberen Grundwasserleiters, der in trockenen Jahren relativ schnell auf verringerte Grundwasserneubildung reagiert. "Seespiegeländerungen um bis zu einen Meter und mehr pro Jahr sind durchaus möglich. Die Größe des Sees spielt dabei fast keine Rolle", erläutert der Wissenschaftler. Für Laien schwer verständlich sei die Tatsache, dass benachbarte Seen oft unterschiedlich stark auf die veränderten klimatischen Bedingungen reagieren, große manchmal stärker als benachbarte kleine. Studien des Geoforschungszentrums Potsdam hätten bestätigt, dass das kein neues Phänomen, sondern schon seit mehreren Jahrtausenden eher der Normalfall in unserer Region sei. Ausschlaggebend seien die hydrologischen Verhältnisse im Einzugsgebiet des jeweiligen Sees, vor allem die Beschaffenheit und die Mächtigkeit der Bodenschichten über dem Grundwasserkörper. Diese können sich auch bei benachbarten Seen deutlich unterscheiden.

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Andreas Hinz 21.09.2015 - 18:01:04

Bäume werden trotzdem gebraucht

Das ist schon richtig, dass unter Wald weniger neues Grundwasser gebildet wird. Und ja: Die über Wald gebildeten Wolken regnen sich etliche Kilometer später erst ab. Die von Spreefreund genannten Maßnahmen zum Wasserrückhalt sind gut. Aber bei zurückgehenden Baumbeständen werden wir nur noch im Winter Regen haben. Ich vermute sogar, dass die seit 2011 abgeschaffte Baumschutzverordnung mit eine Ursache für die geringer werdenden sommerlichen Niederschläge ist. Dann wäre die Trockenheit von der Landesregierung verursacht und die kann durch Wiedererlass der Baumschutzverordnung langfristig wieder für mehr Regen im Land sorgen. Das müsste aber bald passieren, bevor in den Städten und Dörfern nur noch Rasen wächst und die letzten Bäume gefällt sind.

Spreefreund 21.09.2015 - 11:42:18

Die Grundwasserneubildung...

ist unter Wald allerdings geringer als unter allen anderen Landnutzungsformen. Eine weitere Aufforstung des bereits überdurchschnittlich stark bewaldeten Brandenburgs ist also keine Lösung. Die von Wäldern aufsteigende Luftfeuchtigkeit kommt ganz wo anders als Regen herunter. Vielmehr sollte man dafür Sorge tragen, dass das Wasser der Fließgewässer wieder länger in der Landschaft verbleibt und die tiefen Wasserreserven aufgefüllt werden/bleiben. Das kann durch das Öffnen der Altarme, reduzierte Entkrautung, oder anderweitige entschleunigung der Fließwässer geschehen. Das hören aber Anwohner solcher Gewässer wiederum ungern (Stichwort BI Müggelspree). Meine Meinung dazu: Gemeinwohl über Individualwohl.

Andreas Hinz 01.09.2015 - 23:10:27

Wasserableitung und zu wenig Bäume sind die Ursache

Die Wasserwerke haben eher Einfluss auf das Fredersdorfer Mühlenfließ als auf den Straussee, sie liegen nämlich südlich seines Quellgebietes. Die Auswirkungen dürften aber mit einigen Jahren Verzögerung eintreten, denn die Tiefbrunnen liegen einige Etagen tiefer als der oberste Grundwasserleiter. Der Rückgang des Straussees hat wahrscheinlich eine andere regionale Ursache. Nach den meteorologischen Aufzeichnungen gehen die sommerlichen Niederschläge seit 1930 langsam aber stetig zurück, also mit einigen Jahren Verzögerung nach der Ausdehnung von Berlin. Zunächst wurden Felder z. B. in Lichtenberg bebaut, stückweise ging das weiter bis an die heutige Grenze. Die Rieselfelder wurden still gelegt, die zunehmende Chemisierung der Abwässer konnte nicht mehr in unseren Böden gelassen sondern musste abgeleitet werden. Die Problemgifte sind damit zwar weg in die Weltmeere, das Wasser fehlt aber auch in der Region, der oberste Grundwasserleiter geht langsam aber stetig zurück. In den Plattenbauten wird kein Regenwasser mehr versickert, die Hochäuser würden sonst im Morast versinken. Auch dieses Wasser fehlt. Bäume in den Neubaugebieten bleiben kümmerlich wie große Bonsai und verdunsten kaum noch Wasser. Die Niederschlagsbildung entfällt über der trockenen Wüste Berlin. Ankommende Regenfronten werden durch die warmen trockenen Aufwinde aufgelöst, nur noch im Winter kommt genügend Regen auch östlich der Hauptstadt an. Bei der Hauptwindrichtung aus Südwesten ist vor allem die Fläche des Blumenthaler Waldes betroffen. Von dieser Fläche gehen Flüsse in alle Richtungen ab, u.a. wird auch der Ihlandsee und eben der Strausse von dort versorgt. Aber es kommt nicht mehr genug Regen an. Was wir jetzt erleben, ist erst der Anfang. Wenn wir keine wirksamen Maßnahmen ergreifen, sehe ich den Blumenthalwald noch in diesem Jahrhundert zu einer Waldsteppe werden, in der nur noch robuste Baumgruppen überleben. Was wir brauchen, sind viele Bäume in Berlin und im Umland und große Grünflächen mit so reichlichem Bewuchs, dass aus ihnen genügend Wasser für die Niederschlagsbildung aufsteigt.

DEMOKRAT 01.09.2015 - 20:45:26

Strausseepegel sinkt weiter

Da ist wohl auf Dauer nichts mehr zu retten... Auf alle Faelle freut es die Bader, Schwimmer, Camper und Lagerfeuerfreunde am neuen WESTSTRAND Jenseits des Sees, also Waldseite. Da ist Mallorca gar nichts dagegen. Massentourismaus auf dem Vormarsch. Die Stadt müsste nur mal aufwachen, langsam DIXI-Klos platzieren und auch Müllkaesten. Wir freuen uns auf den Ansturm 2016, da muesste das Freibad langsam dicht machen, da alternativlos.

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