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Festakt eröffnet Feierlichkeiten zur Verleihung des Stadtrechts an Biesenthal im Jahre 1351 / Zwei neue Ehrenbürger ernannt

Lobeshymnen auf eine 700-Jährige

Sabine Rakitin / 05.09.2015, 03:45 Uhr
Biesenthal (MOZ) Mit einem Festakt für geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft leiteten die Biesenthaler am Donnerstagabend die Feierlichkeiten zu 700 Jahren Stadtrecht ein.

Kathrin Schneider wunderte sich. Der Infrastrukturministerin des Landes Brandenburg war die Schirrmherrschaft über das dreitägige Fest zu 700 Jahren Stadtrecht für Biesenthal angetragen worden. Den Grund dafür konnte sie sich zunächst nicht erklären. Außer gelegentlichen Besuchen in einem Reiterhof während ihrer Studienzeit habe sie eigentlich keine Berührungspunkte mit der Stadt, erzählte die aus der Lausitz stammende Sozialdemokratin am Donnerstagabend. In ihrer Not habe sie sich dann im Ministerium den Schriftverkehr mit Biesenthal geben lassen und einen sehr netten Brief von Bürgermeister Carsten Bruch (CDU) gefunden. Da sei ihr klar geworden, worum es gehe: "Um den Radweg von Wullwinkel nach Biesenthal", erkannte die Ministerin folgerichtig.

Nun, die Hoffnung, die die Biesenthaler mit Schirmherrin Schneider verbanden, erfüllte sich nicht. Die Ministerin brachte keinen Bescheid zum Bau des Radweges mit. Vielmehr verkündete sie ihnen das, was die schon länger wissen: Die Planung des Radweges ist fertig. Sie lasse in ihrem Hause zurzeit mehrere Projekte prüfen, um festzustellen, ob es eines Planfeststellungsverfahrens bedürfe. Der Radweg Wullwinkel-Biesenthal gehöre zu diesen Projekten. Wenn sie wisse, was damit sei, gebe sie der Stadt als erstes Bescheid. "Wenn kein Planfeststellungsverfahren notwendig ist, wird der Radweg sehr schnell gebaut, wenn eins notwendig ist, dauert es mindestens ein Jahr", sagte Kathrin Schneider. Was die Biesenthaler ihr voraus haben: Sie wissen, dass es ein Planfeststellungsverfahren geben muss, weil einige Grundstücksangelegenheiten im Zusammenhang mit dem Bau des Radweges nicht geklärt sind.

Dennoch: Vermiesen ließen sich die Biesenthaler ihr Fest nicht. Schirmherrin Schneider erhielt sogar ein Geschenk. Die Bündnisgrüne Stadtverordnete Heike Müller überreichte ihr augenzwinkernd einen aus Teig gebackenen Radweg.

Die Reihe der Gratulanten, die ihre Glückwünsche loswerden wollten, war lang. Bürgermeister Carsten Bruch (CDU) ließ die Geschichte der Stadt kurz Revue passieren, um sodann auf die letzten 25 Jahre näher einzugehen. "Aus dem Grau der Vorwendezeit hat Biesenthal dank zahlreicher Investitionen der Stadt, der Wirtschaft und der engagierten Bürgerschaft eine lebendige, naturverbundene und blühende Entwicklung genommen", stellte er fest. Mit 5672 Einwohnern leben in der Stadt immerhin 170 Menschen mehr als noch vor zehn Jahren. Damit hebt sich Biesenthal von vielen anderen Kleinstädten ab, die nicht selten unter dem Wegzug ihrer Bewohner leiden, mindestens aber unter einer Stagnation der Einwohnerzahl. Wirtschaftlich breit aufgestellt, mit drei sehr guten Kitas und einer hervorragenden Grundschule und nicht zuletzt mit sich ehrenamtlich stark engagierenden Bürgern sei Biesenthal eine liebens- und lebenswerte Stadt vor allem für junge Familien mit Kindern geworden, ist Carsten Bruch - ein Sohn der Stadt - überzeugt.

"Die letzten 25 Jahre haben Biesenthal gut getan", findet auch Barnims Landrat Bodo Ihrke (SPD). "Wir als Landkreis stehen an Ihrer Seite und unterstützen Sie", versicherte er. "Die Stadt bewegt sich in die Zukunft und sie hat damit eine Zukunft", bescheinigte Landtagsabgeordnete Britta Müller (SPD) den Biesenthalern mit Blick auf den Hersteller von E-Bikes, der sich in der Stadt niedergelassen hat. Friedhelm Boginski (FDP), der Bürgermeister von Eberswalde, lobte: "Es ist eine wunderschöne Stadt geworden. Wenn alle Städte hier im Barnim eine solche Entwicklung nehmen, können wir alle nur davon profitieren". Und Alt-Bürgermeister Thomas Kuther wünscht sich: "Mach weiter so, Du alte, schöne und doch junge Stadt!"

Darum ist Bürgermeister Carsten Bruch nicht bange. Solange es engagierte Bürger wie Gertrud Poppe gibt. Die Ortschronistin hat "maßgeblichen Anteil an der Neugründung des Heimatvereins Biesenthal und der Einrichtung der Heimatstube, für die sie sich in ganz besonderem Umfang engagiert", würdigt er die 80-Jährige - und verleiht ihr die Ehrenbürgerschaft der Stadt Biesenthal. Auch sein Amtsvorgänger André Stahl bekommt "in Würdigung herausragender Verdienste" das Ehrenbürgerrecht verliehen. Mit dem Ehrenzeichen der Stadt werden Pfarrer Johannes Ruhl, Manfred Schulz, Jörg Stier und Sieglinde Thürling geehrt.

Mehr von den dreitägigen Festlichkeiten zu 700 Jahre Stadtrecht Biesenthal, darunter von der Eröffnung der neuen Ausstellung in der Heimatstube, lesen Sie in unserer Montagausgabe.

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