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Letschiner Schule für ihre Berufsorientierung geehrt

Freuen sich über die Auszeichnung: von der Letschiner Schule Elternvertreter Dirk März (li), Berufseinstiegsberaterin Ulrike Wagner (3.v.l.), Schüler Yannik März (4.v.l.) und Lehrer Axel Schwank (Mi.) sowie debeka-Büroleiterin Kerstin Lenz (2.v.r.).
Freuen sich über die Auszeichnung: von der Letschiner Schule Elternvertreter Dirk März (li), Berufseinstiegsberaterin Ulrike Wagner (3.v.l.), Schüler Yannik März (4.v.l.) und Lehrer Axel Schwank (Mi.) sowie debeka-Büroleiterin Kerstin Lenz (2.v.r.). © Foto: Kerstin Bechly
Kerstin Bechly / 11.09.2015, 13:49 Uhr - Aktualisiert 11.09.2015, 15:02
Letschin (MOZ) Seit Jahren zeichnen die Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg, die Handwerkskammer Frankfurt (Oder) Region Ostbrandenburg und das Netzwerk Zukunft Unternehmen und Schulen für ihre vorbildliche Berufs- und Studienorientierung aus. In diesem Frühjahr wurden 18 Firmen und 12 Schulen aus Ostbrandenburg mit einem Zertifikat geehrt, das vier Jahre gilt. Darunter die Letschiner Schule (Grund- und Oberschule) und das Debeka-Servicebüro Seelow. Beide Seiten kooperieren seit Jahren miteinander.

An der Letschiner Schule erfährt die Berufsorientierung seit etwa neun Jahren einen höheren Stellenwert. Damals wurde ein Curriculum für das Fach Wirtschaft-Arbeit-Technik (WAT) erstellt und für die Klassenstufen 7 bis 10 mit Schwerpunkten untersetzt. Seitdem wird es mit Leben erfüllt und weiterentwickelt.

Hohe Wertigkeiten

"Für die Siebt- und Achtklässler bildet das Praxislernen den Schwerpunkt, anfangs im ÜAZ Wriezen und beim bbw in Frankfurt (Oder), inzwischen beim bbw und bei der Handwerkskammer in Hennickendorf. Die Neunt- und Zehntklässler sollen ihr Augenmerk auf das jeweils zweiwöchige Praktikum legen", beschreibt Berufseinstiegsberaterin Ulrike Wagner. Der Zukunftstag, die Arbeit mit dem Berufswahlpass, das Kennenlernen von Internet-Plattformen zur Berufsorientierung, die Beschäftigung mit Berufsbildern und PC-Programmen sowie die Mitarbeit in einer Schülerfirma und in berufsfeldbezogenen Arbeitsgemeinschaften erfahren darüber hinaus ein hohe Wertigkeit genauso wie der Besuch von Ausbildungsmessen und die praktische Beschäftigung mit Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen. Ebenso werden Schüler animiert, sich am Schülerstipendium des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft zu beteiligen. Dabei hospitieren sie in einer Firma und erstellen über diese Zeit eine Präsentation. Im zurückliegenden Schuljahr nutzten im Landkreis Märkisch-Oderland drei Schüler der Letschiner Schule das Schülerstipendium, alle anderen Teilnehmer waren Gymnasiasten.

Kleinarbeit und Ausdauer

"Diese ganze Arbeit setzt seitens der Lehrer, allen voran Jörg Masche als verantwortliche Lehrkraft, mühevolle Kleinarbeit, Beharrlichkeit und Ausdauer voraus", umschreibt Axel Schwank, Klassenlehrer einer Zehnten, den Aufwand. Und meint damit nicht nur die Arbeit mit den Schülern, sondern auch die Gewinnung von Partnern, von denen es im Rahmen von Projekten mittlerweile eine ganze Reihe gibt: neben der Agentur für Arbeit, der IHK und der Handwerkskammer sind das Krankenkassen, die Arbeitsinitiative Letschin, die Stiftung Bildendes Handwerk Südost, das bbw und rund 40 Firmen in der Region.

Aber dieser Aufwand lohnt: "Wir haben einen großen Pool an Praktikumsbetrieben. Und es kommt immer wieder vor, dass Firmen in der Schule oder bei der Agentur für Arbeit anrufen und bei uns nach Lehrlingen suchen", erzählt Ulrike Wagner.

Firmen suchen Kontakt

Was aber macht die praktische Berufsorientierung im Einzelnen aus? Da ist zum Beispiel, "dass wir im Ort mit der Kita, der Grund- und Oberschule schon einen Bildungscampus haben. Und viele Betriebe mit Betriebsbesichtigungen bereits den Kontakt zu Kita-Kindern herstellen", nennt Elternvertreter Dirk März eine Voraussetzung. Die enge Zusammenarbeit der Schulformen findet unter anderem in der gemeinsamen Teilnahme der Sechst- und Siebtklässler am Zukunftstag ihren Ausdruck, so Ulrike Wagner. "Zu nennen sind auch die überbetrieblichen Möglichkeiten im bbw Frankfurt (Oder), in der Bildungsstätte des Handwerks in Hennickendorf und die vielen Betriebspraktika. Die Schüler lernen Berufe kennen, aber auch ihre Stärken und Schwächen und erfahren so: Was passt zu mir und was nicht", setzt Dirk März fort. Davon profitierte auch sein Sohn Yannik, dem die praktische Ausbildung - zuletzt vor den Ferien in der CVJM-Kita in Seelow -, klar machte, dass er gern in den sozialpädagogischen Bereich möchte. "Aber erst will ich möglichst am Oberstufenzentrum das Abitur machen und dann Sozialpädagogik studieren", so der 15-Jährige. Ungeachtet dessen profitierte der Zehntklässler von der Bewerbungswoche zum Anfang dieses Schuljahres. Diese modular gestaltete Woche umfasste unter anderem das Erstellen eines Bewerbungsschreibens, einen Bewerbercheck bei der IHK und die Beschäftigung mit Umgangsformen. Vorstellungsgespräche sind auch integriert - als Training oder gleich "ernst". "Aus diesen Kontakten sind schon einige Ausbildungsvereinbarungen mit landwirtschaftlichen Betrieben, Krankenkassen und der Sparkasse entstanden oder wurden zumindest Bewerbungsunterlagen mitgenommen", ist Axel Schwank sichtlich stolz.

Echtzeitbewerbung

In das Bewerbertraining brachte sich das Debeka-Servicebüro Seelow erstmals 1999 ein, fortan unregelmäßig, seit einigen Jahren aber sehr aktiv. "Wir lassen die Schüler Echtzeitbewerbungen schreiben und simulieren ein Vorstellungsgespräch. Sie bekommen von einer Jury, in der kein Lehrer sitzt, gleich ein Feedback. Es ist faszinierend, wie ernst die Schüler das nehmen", freut sich Büroleiterin Kerstin Lenz. Überdies erfahren die Schüler, was für sie nach der Schule noch wichtig ist, bei welcher Krankenkasse sie sich anmelden müssen, wie sich der Status bei Beamten ändert, welche Versicherungen braucht man, welche nicht. "Mit diesen Fragen haben sich die Jugendlichen meist noch nicht beschäftigt", so Kerstin Lenz.

Das Bewerbungsgespräch hat auch Yannik März sicherer gemacht: "Man achtet mehr auf seine Umgangsformen, weiß, welche Fragen man stellen kann und wie man fragt".

Berufswahlpass

Wenn es um die Berufsorientierung in Letschin geht, fällt immer wieder der Begriff "Berufswahlpass". Er hilft Schülern von der 7. Klasse bis zum Schulabschluss unter anderem bei der beruflichen Orientierung und dem Ermitteln ihres persönlichen Stärkeprofils. Er ist geeignet, den Weg zur Berufswahl zu dokumentieren und ermöglicht es Eltern, Lehrkräften, der Berufsberatung und Betrieben, die Jugendlichen auf ihrem Berufsfindungsweg zu unterstützen. Vater Dirk März ist davon begeistert, bietet der Pass doch Eltern eine direkte Art, die Berufsorientierung des eigenen Kindes zu begleiten. "Was ich zum Beispiel gut finde, sind die Selbst- und Fremdeinschätzungen und dass dort alle Praktika und außerschulischen Aktivitäten aufgeführt sind. So können sich die Firmen bei der Bewerbung eines Schülers einen umfassenden Eindruck verschaffen. Als Elternteil hat man über alle Aktivitäten einen guten Überblick." Und der Schüler habe in der 10. Klasse alle Unterlagen parat, wenn er sich bewerben will, ergänzt Ulrike Wagner.

Der Berufswahlpass ist in Letschin aber nicht die einzige Form, in der Eltern in die Berufsorientierung einbezogen werden. Sie haben in Lehrern feste Ansprechpartner und können jederzeit selbst bei Praktika hospitieren. Zu Elternversammlungen kommt die Betreuerin Silvia Bauch von der Agentur für Arbeit aus Seelow gern auch in die Schule. Und nicht zuletzt sind Eltern, wenn es beruflich klappt, gern gesehene Kooperationspartner.

www.netzwerkzukunft.de

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