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Symbol der Zivilcourage

Gemeinsam für das Gedenken: Vor der Kita "Mischka" wurde am Sonnabend eine Gedenkstele zu Ehren der Familie Ziegler enthüllt. Mitglieder der Familie, Vertreter der Politik und der leitende Künstler haben in einzelnen Reden die Zivilcourage gewürdigt.
Gemeinsam für das Gedenken: Vor der Kita "Mischka" wurde am Sonnabend eine Gedenkstele zu Ehren der Familie Ziegler enthüllt. Mitglieder der Familie, Vertreter der Politik und der leitende Künstler haben in einzelnen Reden die Zivilcourage gewürdigt. © Foto: Sophie Schade
Sophie Schade / 14.09.2015, 04:25 Uhr
Glienicke (MZV) Vor der Kita "Mischka" in Glienicke wurde am Sonnabend eine Gedenk-stele enthüllt. Sie soll an die Familie Ziegler erinnern, die in diesem Gebäude von 1943 bis 1945 die Jüdin Selma Weissbrod versteckt hat. Der Entwurf für die Stele stammt aus der Feder von Matthias Jankowiak vom Künstlerstammtisch Glienicke.

Heute ist das Gebäude der Kita "Mischka" am Glienicker Dorfteich ein Ort, an dem Kinder unbeschwert spielen und lernen dürfen. Doch diese Unbeschwertheit gehörte nicht immer zu dem großen, hellen Haus. Während des Zweiten Weltkrieges wohnte die Familie Ziegler in diesen Räumen. Da sie die schlechte wirtschaftliche Situation nach dem Ersten Weltkrieg am eigenen Leib zu spüren bekam, fand sie schnell Zugang zu linken politischen Idealen und blieben diesen auch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten treu. So musste die Familie nicht lange überlegen, wie sie handeln soll, als sie die Jüdin Selma Weissbrod kennenlernt. Deren einzige Möglichkeit, dem sicheren Tod in einem der Konzentrationslager zu entgehen, war das Abtauchen in die Illegalität.

Familie Ziegler versteckte sie bis nach Ende des Zweiten Weltkrieges und retteten ihr damit das Leben, wenngleich es einige brenzlige Situationen gab, in denen die Untergetauchte fast entdeckt worden wäre. Als sie nicht mehr im Untergrund leben musste, wanderte sie nach Israel, dann verlieren sich ihre Spuren.

Anfang des Jahres wurde in der Gemeindevertretung der Beschluss gefasst, dass an diesem Ort in Form einer Gedenktafel ein Zeichen für die Familie Ziegler gesetzt werden soll. Das Anliegen wurde an den Künstlerstammtisch herangetragen.

Matthias Jankowiak war es schließlich, der anstelle einer Tafel eine Stele entwarf. "Beim Material haben wir uns für unbearbeiteten Stahl entschieden. Dieser wird seine Farbe unter Einfluss der Witterung verändern", so der Künstler zum das Konzept, das hinter der Stele steckt. "Ich halte das für eine sehr schöne Form des Gedenkens. Denn es geht darum, bei all dem Wandel, der in einer Gesellschaft passiert, nicht zu vergessen". Die monolithische Form der Gedenkstele sei zudem symbolhaft für die Standhaftigkeit, welche die Familie Ziegler an den Tag gelegt hat.

Der Knackpunkt im Konzeptionsprozess war laut Jankowiak die mit Glas hinterlegte Inschrift. "Wir haben den Text oft umgeschrieben. Außerdem hatte ich eigentlich eine Davidstern vorgesehen, doch diese Symbolik schien mir letztendlich nicht angebracht, da die Familie Ziegler nicht aus religiösen Motiven gehandelt hat." An der Spitze steht nun das Wort "mutig". Alle Beteiligten waren sich einig, dass dieses Adjektiv auf Karl, Frieda und Karl-Heinz Ziegler zutraf. Einstimmig war außerdem der Appell an die heutige Gesellschaft, in Zeiten der Flüchtlingsdebatte zu prüfen, wie es um die eigene Zivilcourage bestellt ist.

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