Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ex-Profi boxt mit den ESV-Talenten

Am Sandsack: Danilo Häußler und Sohn Matti trainieren beim Frankfurter ESV zwei- bis dreimal in der Woche.
Am Sandsack: Danilo Häußler und Sohn Matti trainieren beim Frankfurter ESV zwei- bis dreimal in der Woche. © Foto: Jörg Kotterba
Jörg Kotterba / 16.09.2015, 04:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Was macht eigentlich... - Die MOZ hat Sportprominenz von einst, die Frankfurts Club- oder Vereinsfarben trugen, besucht. Im dritten Teil stellen wir Danilo Häußler vor. Die Serie erscheint in loser Folge.

Uwe Köppen ist stolz wie Bolle. Der Oldie-Keeper vom 1. FC Frankfurt ist nicht nur in Fußballkreisen bekannt. Er hat als Sportlicher Leiter beim Eisenbahnersportverein (ESV) auch im Boxen das Sagen. Und da gelang ihm vor einen Jahr der große Coup: Er holte Danilo Häußler, 2001 Profi-Europameister im Supermittelgewicht, in die alte Kamieth-Halle, dem Zuhause der ESV-Boxer seit 1993.

Der Hintergrund: Häußlers Sohn Matti, jetzt elf Jahre alt, ist einer der talentierten Nachwuchsboxer am hiesigen Landesstützpunkt und nach Auskunft von Uwe Köppen "ein echtes Talent." Köppen stolz: "Die positive Entwicklung der jungen Athleten liegt uns sehr am Herzen. Gemeinsam mit den gestandenen Landestrainern Roland Köber und Bernd Rosomkiewicz versuchen wir, den Frankfurter Box-Nachwuchs weiter zu fördern."

Und mit Blick auf seinen "neuen" Trainer Danilo Häußler fügt Köppen an: "Ich bin von unserer Erfolgsgeschichte überzeugt. Mit der geballten Trainerkompetenz wird es uns gelingen, die Nachwuchsförderung der traditionellen Boxstadt Frankfurt zu verbessern und den ESV zu stärken. Wichtig ist es, die Sichtung in den Schulen zu verbessern, um somit mehr interessierte Kinder und Jugendliche für den Boxsport zu gewinnen."

Danilo Häußler, am 13. Juli vor 40 Jahren in Schwedt geboren, kam mit 14 an die Frankfurter Sportschule. Auch er - wie heute Matti - war ein echtes Talent. Häußler gewann als Amateur 80 Kämpfe bei 16 Niederlagen und drei Unentschieden. Auch der Junioren-Vize-EM-Titel von 1993 steht auf der Visitenkarte seiner Amateur-Karriere.

Drei Jahre später wurde er bei der Deutschen Meisterschaft in Riesa Zweiter. Er boxte unter anderem für den UBV 48 Schwedt in der 2. Bundesliga und für Boxring Brandenburg Frankfurt in der 1. Bundesliga. Von der Öffentlichkeit weitestgehend unbeachtet, arbeitete Häußler nach seinem Wechsel zu den Profis am Aufbau seiner Karriere. Sein "Nest" fand er im Sauerland-Stall und im Profi-Gym von Manfred Wolke.

Im Jahr 2000 gewann er mit einem Punktsieg über Patrick Pipa die Deutsche Meisterschaft im Supermittelgewicht. Ein Jahr später, am 27. Januar 2001, bekam Häußler die Chance, gegen Andrei Schkalikow (Russland) um den Titel eines Europameisters zu boxen. Trotz eines Niederschlags gewann er den Gürtel knapp nach Punkten und empfahl sich als Nachfolger der populären Ex-Profis Henry Maske und Axel Schulz. Den Titel konnte er anschließend sechsmal verteidigen, verlor ihn jedoch schließlich am 4. Oktober 2003 durch eine deutliche Punktniederlage an den Dänen Mads Larsen.

Nach 34 Profikämpfen, davon 29 Siegen, beendete Häußler Ende Oktober 2008 seine Boxkarriere. Vor zwei Jahren kickte Vater Häußler noch in der Kreisklasse-Mannschaft von Union Booßen II. Und Sohn Matti bei der E-Jugend des 1. FC Frankfurt. "Doch Matti drängelte und drängelte. Er wollte Boxer werden. Ein einstiger Faustkämpfer hat da nicht ein einziges Argument gegen diesen Wunsch", meinte Danilo Häußler lachend.

Durch Uwe Köppen, der ebenso drängelte und drängelte, kamen Vater und Sohn zum ESV. "Ja, Uwe hat mich tatsächlich gelöchert, ich solle doch als Nachwuchstrainer anfangen. Er hat mich überredet. Ich habe diesen Schritt nie bereut."

Jetzt hat Häußler die Fünf- bis 14-Jährigen zwei- bis dreimal die Woche unter seinen Fittichen. "Zeitlich ist das gut zu packen. Ich bin Familienhelfer im Kinderheim Rosengarten. Eine Arbeit, die mir viel Freude bereitet. Ich fahre morgens mit einem Lächeln zum Job." Der Frankfurter Verein betreut Kinder, Jugendliche und junge Familien und gibt mobile Erziehungshilfen.

Zum Training in der alten Kamieth-Halle werden die beiden Häußler-Boxer oft von Laura und Luisa begleitet. Das Zwillingspaar ist jetzt Fünf - "und Luisa acht Minuten älter", ergänzt Danilo Häußler. Man spürt, dass er nicht nur stolz auf seinen Matti, sondern auch auf die beiden quirligen jungen Damen ist.

Ab dem neuen Schuljahr werden übrigens beim ESV neben dem erfolgreichen Nachwuchstraining im olympischen Boxen auch Boxen, Kickboxen und Mixed Martial Arts für Jugendliche und junge Erwachsende angeboten. Uwe Köppen: "Ziel des ESV ist es, im Boxgym weitere Kampfsportarten zu integrieren."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG