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S-Bahn für Bürgermeisterkandidaten kaum ein Thema

Pendler sind auf eine schnelle Verbindung angewiesen: Der Verkehr auf der Schiene ist bedeutsam.
Pendler sind auf eine schnelle Verbindung angewiesen: Der Verkehr auf der Schiene ist bedeutsam. © Foto: MZV/Rachner
bk / 16.09.2015, 22:15 Uhr - Aktualisiert 09.02.2016, 14:31
Falkensee (MZV) In einem Punkt sind sich alle fünf Falkenseer Bürgermeister-Kandidaten beim Thema einig: Eine S-Bahn-Verlängerung bei gleichzeitigem Wegfall der Regionalbahn-Angebote, wie es Berlins S-Bahn-Chef Peter Buchner ins Gespräch gebracht hatte, soll es nicht geben. Das ist ein Ergebnis der Kandidaten-Befragung durch das Aktionsbündnis PRO Regionalverkehr Osthavelland, das in Falkensee unter anderem vom Bürgerverein Finkenkrug mitgetragen wird. Auch der Ausbau der Regionalbahn-Strecke durch ein drittes oder viertes Gleis stößt auf große Sympathie. Allerdings zweifeln einige Kandidaten hier an der Umsetzbarkeit.

Ein klares Ja zum Regionalbahn-Ausbau, wie ihn unter anderem der Deutsche Bahnkundenverband vorschlägt kommt von den Herausforderinnen Ursula Nonnemacher (Grüne) und Barbara Richstein (CDU). "Ich stimme mit diesen Vorschlägen völlig überein", schreibt Nonnemacher. "Die Berliner S-Bahn ist ein vorzügliches Verkehrsmittel für Berlin, aber für das Havelland ist sie aus vielen Gründen ungeeignet."

"Dieser Vorschlag ist unbedingt zu unterstützen!", auf diese Weise könnte der Regionalverkehr unabhängiger vom Fernverkehr werden, äußert sich Richstein ebenfalls überzeugt. Auf diese Weise ließe sich "die Regionalbahn weniger verspätungsanfällig machen" und dies böte vielleicht sogar die Möglichkeit die Taktung zu verbessern. "Ein Gewinn für alle, die regelmäßig in die Berliner Innenstadt fahren und auf eine schnelle, komfortable Verbindung angewiesen sind", lautet Richsteins Fazit für den Regionalbahnausbau.

Deutliche Zustimmung kommt aber auch von Amtsinhaber Heiko Müller (SPD), der in der Vergangenheit wiederholt zumindest für ein Offenhalten der S-Bahn-Variante eingetreten war. "Wenn es gelänge, die Bahnstrecke zwischen Nauen und Bahnhof Spandau viergleisig auszubauen, so würde ich das sehr begrüßen", antwortet nun auch Müller auf die entsprechende Frage. Gleiches gelte auch für einen dreigleisigen Ausbau, wenn dies fahrplantechnisch sinnvoll wäre. Die S-Bahn erwähnt Müller in seinem Schreiben zumindest aktuell überhaupt nicht mehr.

"So gut wie keine Aussicht", einen Regionalbahn-Ausbau zu erreichen, sieht dagegen Norbert Kunz (Linke), der aber auch die Regionalbahn setzen würde, falls dies "wider Erwarten doch gelingen" sollte.

Von "einer Wunschvorstellung" spricht Andreas Breinlich (AfD). Breinlich und Kunz machen sich auch Sorgen, dass es bei mehr Gleisen auch mehr Güterverkehr und damit mehr Lärm geben könnte. Zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen mahnt für den Fall eines Streckenausbaus auch Müller an.

Scharfe Töne gibt es zum Buchner-Plan, der einen S-Bahn-Ausbau laut Interview-Äußerungen des S-Bahn-Chefs eine Verlängerung der S-Bahn bis Nauen, im Gegenzug aber die Streichung aller Regionalbahnen und möglicherweise sogar des RE-Halts in Falkensee vorsieht. "Grober Unfug" schreibt dazu Kunz. "Wer darüber ernsthaft nachdenkt, handelt an den Interessen der Menschen im Osthavelland vorbei", kommt auch von Richstein klare Ablehnung. Er halte das in dieser Form "für falsch" und er gehe davon aus, dass dies "nicht umgesetzt wird", schreibt auch Müller.

"Der schnellere Regionalverkehr darf nicht eingeschränkt oder gar abgeschafft werden", stellt auch Nonnemacher klar. Dagegen werde die S-Bahn "mit ihren längeren Fahrzeiten die Menschen nicht überzeugen können, vom Auto auf die Bahn umzusteigen".

Als S-Bahn-Befürworter outet sich dagegen Breinlich, allerdings will selbst er auf RB und RE nicht verzichten: "Ich halte die S-Bahn als Ergänzung zur Regionalbahn für sehr geeignet."

Auf die Frage nach sonstigen Ideen für Verbesserungen kommen mehr oder weniger ausführliche Wunschlisten der Kandidatinnen und Kandidaten. Richstein ist wichtig, "dass von allen Falkenseer Bahnhöfen mindestens dreimal pro Stunde eine Verbindung nach Berlin besteht" - und zwar durchgebunden bis in die City und nicht mit Spandau als Endbahnhof.

Eine engere Taktung wünscht auch Nonnemacher, zudem sollte "gerade in den Randzeiten, also am späten Abend und an den Wochenenden" auch "die Regionalbahn regelmäßiger und länger fahren".

Nicht nur nach der Reisezeit schauen will Müller: Attraktivität umfasse "auch solche Aspekte wie den Takt, die Fahrzeiten über Nacht, das Sitzplatzangebot, die Bequemlichkeit und die bereitgestellte Gesamtkapazität". Müller nennt als Ziel einen RB-Takt alle 20 Minuten und zusätzlich den Regionalexpress. Sogar einen Viertelstundentakt in den Spitzenzeiten wünscht Breinlich.

Kunz schlägt neben einem 20-Minuten-Takt und schnellen Verbindungen, was "unter den heutigen Bedingungen" nur die Regionalbahn erfüllen könne, grundsätzlich aber auch "eine Express-S-Bahn". Außerdem möchte er für die Zeit nach dem letzten Zug einen zusätzlichen Nachtbus für Jugendliche. Zusätzlich genannt werden von den Bewerberinnen und Bewerbern als Wünsche auch mehr Park-and-Ride-Angebote, zusätzliche Fahrradstellplätze und eine bessere Vertaktung von Bahn und Bus inAllseits als unzureichend wird das ÖPNV-Angebot zwischen Falkensee und Potsdam eingeschätzt. Da bestehe Handlungsbedarf.

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