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Cottbuser Rad-Sprinterin holt sieben internationale Titel in einem Jahr / Bundestrainer Jörg Winkler vor 100. Medaille

„Ein Talent wie Emma Hinze gibt es nicht alle Tage“

Jürgen Leibner / 18.09.2015, 09:34 Uhr
Von Jürgen Leibner

Frankfurt (Oder) (MOZ) Sie ist ohne Frage eines der größten Talente, das der deutsche Bahnradsport in der jüngsten Vergangenheit hervorgebracht hat: Emma Hinze. Die Sprinterin vom RSC Cottbus hat in diesem Jahr bei den großen internationalen Meisterschaften der Junioren an Titeln und Medaillen abgeräumt, was nur abzuräumen war. Dreimal Gold bei den Weltmeisterschaften in Astana und sogar viermal Erste während des
Europachampionats in Athen.

„Die Erfolge, die Emma
herausgefahren hat, sind grandios“, schwärmt selbst Junioren-Bundestrainer Jörg Winkler. „So ein Talent gibt es nicht alle Tage. Da wächst eine richtig gute Sprinterin heran.“ Wie gut, das belegen beispielsweise die Zeiten, die sie bei der WM auf die kasachische Piste zauberte. Mit Pauline Grabosch aus dem anhaltinischen Osterweddingen pulverisierte sie im Teamsprint über 500 Meter die Weltrekordmarke regelrecht. „Als erste Juniorinnen blieben sie unter der 34-Sekunden-Marke. Ihr Bestwert von 33,889 Sekunden ist phantastisch für diesen Altersbereich. Das schaffen manche Frauen-Teams nicht.“

Winkler ist froh, dass mit Hinze und Grabosch, die zudem Junioren-Weltmeisterin im 500-Meter-Zeitfahren wurde, jetzt zwei junge Damen auf einem guten Weg sind, endlich die Lücke hinter den Olympiasiegerinnen Kristina Vogel und Miriam Welte zu schließen. „Das ist wichtig, denn fällt eine der beiden Top-Sprinterinnen aus, platzt das gesamte Frauen-Team für Rio“, erklärt Winkler. Emma Hinze wäre eine Option als möglicher Ersatz.

Noch allerdings ist es für die Abiturientin, die am Donnerstag
ihren 18. Geburtstag feiert, ein Stück bis zur Klasse der Weltmeisterin aus Erfurt. „Aber der Abstand zu Vogel wird kleiner“, weiß Winkler. „Auf jeden Fall fährt sie jetzt schon auf einem höheren Leistungsniveau als
Vogel in diesem Alter.“

Die Entwicklung der gebürtigen Hildesheimerin ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass sie erst vor zwei Jahren zum Sprint gekommen ist. „2015 hat sie einen großen Sprung gemacht“, sagt der Bundestrainer. Was auch mit ihrem Wechsel Anfang des Jahres von Kaiserslautern an die Sportschule Cottbus zu tun hat. „Hier sind die Bedingungen einfach besser“, betont Emma Hinze. „An meiner alten Schule wurde zu wenig Rücksicht auf den Sport genommen. Das hat nicht gepasst. In Cottbus habe ich alles vor der Haustür: das Internat, die Radrennbahn, und bis nach Frankfurt ist es auch nicht weit.“

Künftig wird sich Emma Hinze allerdings nicht mehr mit Gegnerinnen ihres Alters messen. Mit dem Wechsel zu den Frauen kommen völlig neue, höhere Anforderungen auf sie zu. Und Erfolge wird es zunächst auch nicht mehr in dieser großen Zahl wie bisher geben. „Davor habe ich aber keine Angst“, sagt die junge Frau mit den langen blonden Haaren selbstbewusst. Beim Weltcup im Januar in Hongkong wird sie erstmals auf die „Großen“ ihrer Zunft treffen. „Darauf freue ich mich schon.“

Jörg Winkler ist überzeugt davon, dass Emma Hinze in die Fußstapfen einer Kristina Vogel treten kann. Das wäre für den Junioren-Bundestrainer einmal mehr eine Bestätigung seiner seit Jahr und Tag vorzüglichen Arbeit. Bereits 92 internationale Medaillen hat der Radsport-
Experte aus Frankfurt (Oder) mit seinen Schützlingen gewonnen, 20 davon sind WM-Titel. Damit dürfte der 62-Jährige deutschlandweit und sogar darüber
hinaus einer der erfolgreichsten Nachwuchstrainer sein – wenn nicht der erfolgreichste überhaupt. Angefangen vom Frankfurter Michael Hotzan 1978 mit WM-Silber über die dreifache Weltmeisterin Kathrin Freitag und Daniela Claußnitzer bis hin zu Kristina Vogel und Stefan Bötticher, die jetzt bei den Erwachsenen das Niveau bestimmen, führte er eine Unzahl von Athleten zum Erfolg. „Die Arbeit der Heimtrainer vor Ort ist dabei allerdings nicht zu vergessen“, will Winkler den Lorbeer nicht für sich allein in Anspruch nehmen. „Die 100 möchte ich noch schaffen, dann kann ich aufhören.“ Ein lohnendes Ziel, auch wenn Talente wie eine Emma Hinze nicht jedes Jahr bereitstehen.

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