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Diskussionsveranstaltung mit Geistlichen, Politikern und Medizinern über die Problematik assistierte Selbsttötung

Geteilte Meinung zur Sterbehilfe

Matthias Wagner / 19.09.2015, 06:38 Uhr
Eberswalde (MOZ) Vor dem Hintergrund der Gesetzesvorhaben zum Ausbau der Palliativmedizin und der Hospizarbeit entscheidet der Bundestag über vier verschiedene Anträge zur assistierten Selbsttötung. Vor dem Beschluss in Berlin diskutierte Eberswalde zum Thema.

Um sich ein Bild über Volkes Stimme und die tatsächliche Meinungslage zu machen, hatte der Bundestagsabgeordnete Stefan Zierke (SPD) am Donnerstagabend zu einer Diskussionsrunde in den Konferenzraum der Gesellschaft für Leben und Gesundheit (GLG) geladen. Als Podiumsgäste waren Pfarrer Albrecht Preisler, Pfarrer im Ruhestand Horst Ritter und der Mediziner Ralph Schrader anwesend. Stefan Zierke selbst übernahm die Moderation.

"Ich möchte einfach mal wissen, wie der allgemeine Barnimer zu diesem Thema steht", so Zierke. Die Podiumsgäste hatten dazu eine fest begründete Meinung. So tritt Albrecht Preisler für ein umfassendes Verbot der Beihilfe zum Suizid ein. Nach christlichem Verständnis sei der Tod nicht das Ende, sondern der Weg in Gottes Gegenwart, so der Geistliche.

Auch Horst Ritter sprach sich gegen eine ärztlich assistierte Selbsttötung aus. Wenn der Mensch fürsorglich und geborgen seinen letzten Weg antritt, wie es im Hospiz der Fall sei, dann trete der Wunsch zum Suizid in den allermeisten Fällen von selbst zurück, sprach Ritter aus seiner langjährigen Erfahrung in der Hospizarbeit.

Ralph Schrader, leitender Oberarzt für Strahlentherapie und Radioonkologie bei der GLG, wünschte sich jedoch eine grundsätzliche Straffreiheit und juristisch eindeutige Regelung, weil die Grenzen einer medizinischen Behandlung zum damit assoziierten Suizid in der Praxis oft fließend seien.

Unter den Gästen wurden im Laufe der Diskussion Stimmen laut, die Bedenken gegenüber einer Freigabe der Beihilfe äußerten. Wenn eine Tür geöffnet werde, dann sei sie offen und somit auch dem Missbrauch und dem Kommerz anheimgestellt.

Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Fantasie der Geschäftemacher keine Grenzen kennt, pflichtete Pfarrer Horst Ritter bei. Dennoch traten einige für ein uneingeschränktes Recht auf Selbstbestimmung des Todeszeitpunktes ein, wenn die Situation sich ergebe.

Ralph Schrader gab allerdings zu bedenken, dass kein Mediziner dazu gezwungen werden könne, eine entsprechende Assistenz zu übernehmen. Für sich selbst schloss er ein solches Verhalten aus.

Noch besteht in Deutschland weitgehend Rechtsunsicherheit über die Fragen, wer den entscheidenden Schritt tun und dem Leben ein Ende setzen darf. Für viele schwerkranke Menschen aber stellt sich die Frage, ob sie ohne Aussicht auf Genesung noch durch die Apparatemedizin am Leben gehalten werden wollen. Nach deutschem Strafrecht ist die Selbsttötung grundsätzlich nicht strafbar und mithin auch eine entsprechende Beihilfe nicht. Daher empfiehlt die Mehrheit des Deutschen Ethikrates: die Ärztekammern sollten einheitlich zum Ausdruck bringen, dass unbeschadet des Grundsatzes, dass Beihilfe zum Suizid keine ärztliche Aufgabe ist, im Widerspruch dazu stehende Gewissensentscheidungen in Ausnahmefällen zu respektieren sind. Hinsichtlich der organisierten Beihilfe zum Suizid spricht sich eine Mehrheit des Ethikrates aber für ein Verbot aus.

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