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Brandanschläge lassen Helfer zusammenrücken

Es war Brandstiftung: Experten des Landeskriminalamtes sichern am ausgebrannten Campingbus von Mitgliedern des Neuhardenberger Willkommenskreises Spuren.
Es war Brandstiftung: Experten des Landeskriminalamtes sichern am ausgebrannten Campingbus von Mitgliedern des Neuhardenberger Willkommenskreises Spuren. © Foto: Ines Rath/MOZ
Ines Rath / 20.09.2015, 20:50 Uhr
Neuhardenberg (MOZ) In der Nacht, bevor die Teilnehmer der Tour de Tolerance durch Neuhardenberg gefahren sind, haben fremdenfeindliche Kriminelle die Fahrzeuge von zwei Mitgliedern des Willkommenskreises aus dem Ort angezündet. Die engagierten Helfer erfahren eine Welle von Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.

Hilde Nies-Nachtsheim hat Freitagnacht gegen 3 Uhr Stimmen und einen Knall gehört. Sie dachte schlaftrunken, das sei aber ein spätes Feuerwerk - bis sie den Feuerschein durch das Fenster sah: Der Campingbus in der Auffahrt stand in Flammen. Angezündet offenbar von Rechtsextremen, denen der Willkommenskreis Neuhardenberg (Märkisch-Oderland) ein Dorn im Auge ist.

In dem Kreis haben sich 18 Frauen und Männer zusammengeschlossen, die den Bewohnern der örtlichen Flüchtlingsunterkunft seit fast zwei Jahren ehrenamtlich zur Seite stehen. Indem sie Deutschunterricht erteilen, bei Fahrten helfen oder Angebote für die Freizeitgestaltung machen. Hilde Nies-Nachtsheim und ihr Mann Horst gehören zu den Aktivsten in dem Verein. Sie wohnen in unmittelbarer Nähe der Flüchtlingsunterkunft.

Doch die Rentner sind nicht die einzigen Opfer des Brandanschlags: "Als ich den Feuerwehr-Notruf gewählt habe, hieß es, die Neuhardenberger Wehr sei schon im Einsatz, es komme gleich Verstärkung", berichtet Hilde Nies-Nachtsheim. Bevor nämlich der Mob ins Neuhardenberger Neudorf zu Nachtsheims gekommen war, hatten sie sich Sabine Töpfer als Ziel auserkoren.

Das Auto der Linken-Abgeordneten im Gemeindeparlament und Vorsitzenden der Ortsgruppe der Volkssolidarität stand vorm Haus an der Ortsdurchfahrt, der Karl-Marx-Allee. Der kleine, rote Opel Corsa ist, wie Nachtsheims Campingbus, völlig ausgebrannt. Auch Sabine Töpfer engagiert sich im Willkommenskreis. Und sie ist Mitarbeiterin des Internationalen Bundes (IB), der die Neuhardenberger Flüchtlingsunterkunft betreibt.

Es sei klar vom "Heranführen einer fremden Zündquelle" auszugehen, erklärte Candy Schmiedeke am Sonnabend. Seelows Stadtbrandmeister war als Chefermittler der Kriminalpolizei der Direktion Ost vor Ort. Er hatte Spezialisten des Landeskriminalamtes angefordert, die Spuren an allen drei beschädigten Fahrzeugen sichergestellt haben. Denn auch der rote Multivan, der vor dem Campingbus auf Nachtsheims Auffahrt stand, wurde in Mitleidenschaft gezogen.

"Im Grunde weiß ich, wer das war", sagt Hilde Nies-Nachtsheim unter Tränen. Wes Geistes Kind die Jugendlichen sind, auf deren Spuren nun der Staatsschutz ist, das zeigen die Aufkleber, die in der Freitagnacht an Haustüren und Laternenmasten in Neuhardenberg angebracht worden sind. Flüchtlinge seien nicht willkommen, hieß es auf ihnen.

Doch es scheint, als würden die Fremdenfeinde das Gegenteil von dem erreichen, was sie wollen: "Wir stehen als Gemeindevertretung hinter den Mitgliedern des Willkommenskreises", sagt Neuhardenbergs amtierender Bürgermeister Dietmar Zimmermann und versichert den Ehrenamtlern volle Unterstützung.

"Wir lassen uns als Willkommenskreis nicht einschüchtern und werden mit noch mehr Kraft weitermachen", erklärt Gemeindevertreter Mario Eska (Linke).Sein Verein habe am Wochenende "in vielen Mails und Anrufen unglaublich viel Mitgefühl, Ermutigung und viele Hilfsangebote erfahren", so Eska dankbar.

Zu Nachtsheims sind am Sonnabend immer wieder Flüchtlinge herübergekommen, um zu trösten und zu ermutigen. "Ich bin nur froh, dass euch nichts passiert ist", sagt Hilde Nies-Nachtsheim zu einem Somalier, der sie in den Arm genommen hat.

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Freie Meinungsäußerung zu Eska 21.09.2015 - 21:56:30

FAST FASSUNGSLOS

Was laufen in Neuhardenberg nur fürMenschen herum, die die unausweichlicheWillkommenskultur zelebrieren. Da glauben einige tatsächlich, das mit der Hilfe alles gut wird. Die Tatsachen, wie Flüchtlinge unseren Staat interpretieren, sieht leider anders aus. Die Medien werden ganz zögerlich wach. Wir brauchen die Flüchtlinge, was sonst. Was wäre, gäbe es nicht die aufopferungsvollen Helfer, die gerne im Mittelpunkt stehen. Noch stehen jetzt 4 Kommentare. Es wird fleissig gelöscht, weil das in der Demokratie so sein muss. Ist alles beleidigend. Weiter so, ein Großteil der Bevölkerung sieht das anders. Die Definition Flüchtling ist das Entscheidende.

HARZ IV Betrüger 21.09.2015 - 10:22:01

Mario Eska immer gerne bei der MOZ

Zitat T-Online "02.12.2013 - Nach dem Rücktritt des wegen Sozialbetrugs verurteilten Bürgermeisters von Neuhardenberg, Mario Eska, muss die Gemeindevertretung ..." Findet die MOZ keine seriöse Berichterstatter. Sozialbetrüger glaube ich nun mal nicht! Weil was stimmt und was nicht ?!? Aber Eska wollte sicher nur dieses kapitalistischen "Drecksstaat" schädigen und ist gar nicht kriminell...

Mario Eska 20.09.2015 - 23:00:01

Antwort auf einen mittlerweile wohl zurecht gelöschten Kommentar

Es tut mir leid, Herr oder Frau "A.MERKLE-SCHÄUBI VON ZUNDERN", ich verstehe nicht was Sie meinen. Ich bin ein einfacher Mann und habe nicht studiert, ich bin nur gut erzogen. Wenn es wichtig ist, dann erklären Sie mir bitte wie das mit dem Jahr 1989 gemeint ist. Es interessiert mich wirklich. Aber richtig, wir haben sehr viel Solidarität in den letzten beiden Tagen erfahren, denn es gibt tatsächlich sehr viele Menschen, welche Menschen einfach nur als Mensch sehen. Sie sind ja wohl anders. Sie schreiben, "nicht alles ist willkommen". Da es sich bei den Flüchtlingen um Menschen handelt, müssten Sie schreiben, "nicht alle sind willkommen". Richtig, ein Brandanschlag gehört sich nicht. Schade, dass Sie dies in Ihren nächsten Worten in Frage stellen. Nicht richtig ist, dass niemand am Leib angegriffen wurde. Ein brennendes Fahrzeug mit Propangasflaschen an Bord (bei einem Campingbus üblich) ist eine deutliche Gefahr für die wenige Meter vom brennenden Fahrzeug entfernt im Haus schlafenden Menschen. Wenn diese so angegriffenen Menschen sich nun in der selben Form erwehren würden, welche Sie als tolerierbares Mittel der "Gegenwehr" (wogegen eigentlich??) , welche Spirale der Gewalt würde das in unserem Land auslösen? Sie riskieren mit Ihrer Haltung einen Bürgerkrieg, vor dem Sie höchstwahrscheinlich flüchten müssten. Wohin?!! Und wie würden Sie in dem Land, in welches Sie flüchten, empfangen werden? Vielleicht müssen Sie dies wirklich erst am eigenen Leibe erfahren, um von Ihrem hohen deutschen Ross zu steigen.

Egal 20.09.2015 - 21:27:33

Unglaublich

nfc

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