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Archäologische Ausgrabungen auf dem Galgenberg nähern sich dem Ende / Spektakuläre Funde blieben aus

Scherben statt Schädel

Sonja Jenning / 22.09.2015, 05:49 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Die Ausgrabungsarbeiten auf dem Galgenberg stehen vor dem Abschluss. Die Ergebnisse blieben hinter den Erwartungen zurück - offenbar wurden auf dem Hügel jahrzehntelang Sand abgebaut und Schutt entsorgt, so dass wichtige Erdschichten fehlen, in denen archäologische Funde vermutet wurden.

Sandhügel und meterlange Gräben mit schnurgeraden Rändern durchziehen das Gelände auf dem Fürstenwalder Galgenberg an der Gartenstraße. In einem dieser Gräben - Fachleute nennen sie Sondagen - sind Sarah Schön (23) und Sophie Strich (24) damit beschäftigt, mit Kratzern - archäologischen Spezialwerkzeugen, die an kleine Maurerkellen erinnern - vorsichtig einzelne Bodenschichten freizulegen, die im gelben, märkischen Sand gut erkennbar sind.

Seit drei Wochen haben die jungen Frauen, die an der Frankfurter Europa-Universität Viadrina Kulturwissenschaften studieren, den Hörsaal gegen das Ausgrabungsprojekt eingetauscht. "Die Arbeit ist sehr interessant, man lernt die Abläufe einer Ausgrabung von der Planung bis zur Dokumentation kennen", sagen die Studentinnen. An Motivation fehlt es ihnen nicht: "Wir freuen uns über jede Scherbe und jeden Knochen, auch wenn der sich am Ende als Wurzel entpuppt."

Projektleiterin Marita Genesis ist sehr zufrieden mit ihrem jungen Ausgrabungsteam, zu dem auch Studenten des Archäologischen Instituts der Berliner Humboldt-Universität gehören. "Sie sind mit Elan dabei und helfen sich gegenseitig. Ich kann mich auf sie verlassen", sagt sie. Die Historikerin und Archäologin, die sich seit sieben Jahren mit Ausgrabungen an mittelalterlichen und neuzeitlichen Richtstätten beschäftigt, hat am 31. August mit den Untersuchungen in Fürstenwalde begonnen und große Hoffnungen in den hiesigen Galgenberg gesetzt. Überlieferungen deuten daraufhin, dass es sich um eine über längere Zeit genutzte Hinrichtungsstätte handelt. Pläne und Zeichnungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert zeigen einen dreischläfrigen Galgen, an dem bis zu drei Delinquenten gleichzeitig hingerichtet werden konnten. Die Wissenschaftlerin ging davon aus, dass auf dem bis heute unbebauten Gelände Überreste der Anlage, aber auch Skelette gefunden werden, die neue Erkenntnisse über die Anwendung der Todesstrafe und den Umgang mit den Körpern der Hingerichteten liefern.

Allerdings blieben die Funde hinter den Erwartungen der Archäologin zurück. "Seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat es offenbar große Erdbewegungen auf dem Gelände gegeben", hat Marita Genesis festgestellt: Sand wurde entnommen und Bauschutt entsorgt. "Dadurch fehlen Schichten, die möglicherweise Fundstücke enthielten." In diesem Zusammenhang seien vermutlich auch Knochen und Skelette verschwunden. "Aus Zeitungsberichten wissen wir nur von Skeletten, die 1910 bei Bauarbeiten in der Gartenstraße, also am fuße des Galgenberges gefunden wurden", bestätigt Museumsleiter Guido Strohfeldt.

Dennoch wird das Ausgrabungsteam die ehemalige Richtstätte am Freitag nicht mit leeren Händen verlassen: Spuren von zwei Pfosten des Galgens wurden entdeckt und dokumentiert. Hinzu kommen Scherben, deren typische gelbe Lasur zeigt, dass sie aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen, also der Zeit, in der die Hinrichtungsanlage hauptsächlich genutzt wurde. Der Nachweis von Einzelschicksalen bleibe weiter den schriftlichen Quellen überlassen, der konkrete Nachweis durch Skelettfunde sei nicht gelungen. Dennoch wird der Fürstenwalder Galgenberg einen Platz im Richtstättenkatalog des Landes Brandenburg erhalten. "Das Beispiel zeigt, dass wir uns bei der Aufnahme und Dokumentation von Bodendenkmälern beeilen müssen, bevor sie verschwunden sind", resümiert Marita Genesis.

Die Grabungstagebücher der Archäologin und der Studenten sind unter www.scilogs.de/abenteuer-geschichte nachzulesen.

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