Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Flüchtlingsansturm: Impfstoff wird zur Mangelware

Angesichts des Flüchtlingszustroms in Brandenburg kommen die Hersteller mit der Lieferung von Impfstoffen nicht mehr hinterher.
Angesichts des Flüchtlingszustroms in Brandenburg kommen die Hersteller mit der Lieferung von Impfstoffen nicht mehr hinterher. © Foto: dpa
30.09.2015, 20:15 Uhr
Potsdam (MOZ) Angesichts des Flüchtlingszustroms in Brandenburg kommen die Hersteller mit der Lieferung von Impfstoffen nicht mehr hinterher. Auch der öffentliche Gesundheitsdienst stößt an seine Grenzen.

Wie das Gesundheitsministerium in Potsdam bestätigt, gebe es Engpässe bei Impfungen gegen Diphterie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis sowie Typhus und Polio. Sie seien darauf zurückzuführen, dass die Impfstoffherstellung auf wenige Hersteller beschränkt sei, und der französische Lieferant Sanofi mit den Bestellungen überfordert sei, heißt es aus Potsdam. "Wenn die Nachfrage stärker steigt als vom Hersteller vorausgeplant, kommt es zu Engpässen", sagt Ministeriumssprecherin Marina Ringel. Es könne nur bei den Herstellern dafür geworben werden, die Produktion zu erhöhen. Allerdings benötige die Impfstoffherstellung aufgrund der komplizierten Herstellungsprozesse etwa drei Monate Vorlauf. Überfordert sind nach Aussagen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin nicht nur die Hersteller, sondern auch die Gesundheitsbehörden. "Der Gesundheitsdienst muss personell entsprechend ausgestattet sein, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen", sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. "Der öffentliche Gesundheitsdienst stößt gerade in Flächenländern an seine Grenzen, weil es zu wenige Ärzte gibt", bestätigt Johannes Nießen, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD). "Es ist aber wichtig, die Flüchtlinge auf TBC, Malaria, Masern, Windpocken und Mumps zu untersuchen, denn wenn so ein Fall auftritt, muss die Einrichtung zwei Wochen geschlossen werden - was wir uns derzeit aber absolut nicht leisten können", sagt Nießen. Nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums bestehe in den Flüchtlingsunterkünften aufgrund der räumlichen Enge aktuell vor allem die Gefahr von Infektionskrankheiten wie Erkältung und Durchfall. "Die Empfehlungen zur seit September laufenden Grippeschutzimpfung gelten für Flüchtlinge genauso wie für die eigene Bevölkerung", betont die RKI-Sprecherin. Das Institut arbeite derzeit an Impfempfehlungen für Flüchtlinge, die den Gesundheitsdiensten zur Verfügung gestellt werden sollen.

Unterdessen werden in Brandenburg Unterkünfte immer knapper. Trotzdem müssen in den nächsten zehn Tagen nach Angaben des Brandenburger Innenministeriums mindestens 4000 weitere Flüchtlinge aufgenommen werden. Über die Verteilung neu ankommender Flüchtlinge werde ständig mit dem Bund gesprochen. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums verwies darauf, dass die Verteilung nach wie vor nach dem länderübergreifenden Königsteiner Schlüssel erfolge. Dazu habe sich kürzlich auch Ministerpräsident Dietmar Woidke ausdrücklich bekannt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG