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Nach zwei Insolvenzen innerhalb von zwei Jahren beginnt mit einer Auktion der Ausverkauf der MSO Oderberger Stahlbau GmbH

Industrie-Tradition unterm Hammer

Sven Klamann / 01.10.2015, 03:45 Uhr
Oderberg (MOZ) Der Ausverkauf der MSO Oderberger Stahlbau GmbH hat begonnen - mit einer Auktion, bei der am Mittwoch 746 Positionen unter den Hammer kamen. Es dauerte bis in den Abend, das bewegliche Inventar zu versteigern.

Im seit der Wende sonst meist gespenstisch leeren ehemaligen Speisesaal herrscht Gedränge. Fast jeder Stuhl ist besetzt. Die mehr als 100 zum Mitbieten Entschlossenen und die Beobachter schauen auf Frank Ehlert aus Potsdam und seine Mitarbeiter. Der Auktionator blickt abwechselnd freundlich in die Menge und angestrengt auf den aufgeklappten Computerbildschirm, den er vor sich auf dem Tisch platziert hat. So kann er die Internetseite seines Unternehmens im Auge behalten, auf der Interessenten online mitsteigern.

Die Auktion ist das zumindest vorerst letzte Kapitel der Geschichte eines wirtschaftlichen Niedergangs, der im Juli zur zweiten Insolvenz innerhalb von zwei Jahren geführt hatte. Das Ende des 1927 als Reparaturwerft gegründeten Betriebes rückt in greifbare Nähe.

"Uns ist durchaus bewusst, das wir dazu beitragen, einen Traditionsstandort zu Grabe zu tragen", sagt Ina Hölzel, die als Mitarbeiterin des Auktionshauses Bieterkarten austeilt und Fragen beantwortet. Doch die Versteigerung sei schließlich vom Insolvenzverwalter in Auftrag gegeben worden, um Gläubiger zu befriedigen und ausstehende Gehälter zahlen zu können.

Derweil beginnt Frank Ehlert mit der Auktion - und erklärt zunächst, dass alle ersteigerten Waren erst nach Wochenfrist in das Eigentum des Meistbietenden übergehen. "Der Noch-Eigentümer hat das Recht, für jede Position im Nachhinein ein höheres Angebot abzugeben", sagt der Potsdamer. Aber dies werde kaum passieren. Es gibt noch einen weiteren Vorbehalt: Bei manchen Computern, Schränken und Maschinen sei eine Übernahme erst zum Anfang November möglich, weil sie noch für die auslaufende Produktion gebraucht würden.

Die Versteigerung läuft reibungslos. Das niedrigste Mindestgebot beläuft sich auf drei Euro für eine Sortimentsbox mit Schrauben und Dübeln, das höchste auf 25 000 Euro für eine Krananlage mit einer Traglast von bis zu 60 Tonnen. Nicht jede Position stößt auf Interesse. Geboten wird in Zwei-Euro- oder Fünf-Euro-Schritten.

Zu denen, die nicht ein einziges Mal ihre Hand heben, gehört Uwe Neumann aus Hohensaaten, der 1982 im damaligen VEB Schiffswerft Oderberg gelernt hat und sich noch gut an Zeiten mit bis zu 400 Mitarbeitern erinnern kann. "Was hier abläuft, tut schon weh", sagt der Maschinen- und Anlagenmonteur und meint nicht nur die Auktion. Er hat seine Arbeit im Dezember 2014 verloren. Für seinen Ex-Kollegen Olaf Gädeke kam die Kündigung wie für die meisten der zuletzt knapp 90 Beschäftigten zum Juli dieses Jahres. "Auf dem Betriebsgelände haben höchstens noch zehn Leute damit zu tun, Schrott zu verwerten", berichtet der Gabelstaplerfahrer aus Hohensaaten.

Der Auktionator versteht sein Handwerk. Eine elektronische Tafel, die zehn Euro kosten sollte, schlägt er für 55 Euro los, ein Apple-Smartphone statt für 55 Euro für 85 Euro. Bei jedem Zuschlag klopft Frank Ehlert mit dem Hammer auf den Tisch.

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