Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Großmutzer sind stolz auf das eigene Dorf

Das macht Spaß: Vor allem die Kinder freuen sich, mit den bunten Lampions durchs Dorf zu laufen.
Das macht Spaß: Vor allem die Kinder freuen sich, mit den bunten Lampions durchs Dorf zu laufen. © Foto: Sabine Slatosch
Sabine Slatosch / 05.10.2015, 03:55 Uhr
Großmutz (MZV) Mit einem Fackelumzug durchs Dorf und einem zünftigen Lagerfeuer feierte Großmutz den Tag der Deutschen Einheit. Viele Lichter, allen voran das Löschfahrzeug der örtlichen Feuerwehr, bewegten sich zwischen den Häuserreihen zunächst nach West-Großmutz und dann nach Ost-Großmutz, um sich anschließend auf dem Platz hinter dem Gemeindehaus und dem Gerätehaus zu vereinen. Dort, in geselliger Runde, vergnügten sich Dorfbewohner und Gäste.

Begleitet wurde die Lichterschlange von Kinderliedern, die aus den Lautsprechern des Fahrzeugs erklangen, und etliche Einwohner aus ihren Stuben lockten. Die vielen Kinder mit ihren bunten Lampions dachten freilich noch nicht über den Anlass des abendlichen Treibens nach. So wie sich auch Norman Krause in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung als Knirps einfach nur an dem bunten Umzug erfreute. Er wurde 1990 geboren und ist nun ebenso alt wie das geeinte Deutschland. Von der Zeit davor weiß er, dass es eine Mauer gab und dass keiner so richtig raus konnte. Und von den älteren Leuten erfuhr er, dass es in der DDR sozial besser gewesen sein soll, weil es keine Arbeitslosigkeit gab und mehr Zusammenhalt. Wie es heute ist in Großmutz, findet der Elektriker gut: "Ich würde nie von hier wegziehen." Mit zehn Jahren trat er der Jugendwehr bei und tauschte beim traditionellen Umzug den Lampion gegen eine Fackel. Nun schürte er als Feuerwehrmann gemeinsam mit seinen Kameraden das stattliche Feuer.

Seit 25 Jahren sind Fackelumzug und Fest unter freiem Himmel Tradition im Dorf. Am 3. Oktober 1990 pflanzten fünf Großmutzer zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Heinz Bolte am Dorfanger eine Eiche zum Gedenken an die Wiedervereinigung. Manfred Augner war dabei und ist seit vielen Jahren Ortsvorsteher von Großmutz. "Das Dorf hat sich super entwickelt in den 25 Jahren", sagt er. In seiner Amtszeit entstanden unter anderem ein neuer 2,4 Kilometer langer Gehweg, der Radweg nach Löwenberg und das Gerätehaus der Ortswehr. Alle Häuser sind gut in Schuss. Die Leute sind stolz auf das Aussehen ihres Dorfes. Gleichwohl denken sie über das Für und Wider der Vereinigung nach. "Am Anfang hat man das Schöne im Westen gesehen", sagen Karin und Manfred Aust, "und dann, naja, das ist Geschichte". Dass sie seitdem reisen können, wohin sie wollen, freut sie. Doch auch sie bedauern, dass der Zusammenhalt der Menschen verloren gegangen sei: "Wir leben mehr oder weniger in einer Ellenbogengesellschaft". Das Bild der vielen Familien aus Großmutz und aus umliegenden Dörfern miteinander am Feuer und in geselligen Tischrunden zeigte, dass es dennoch eine Gemeinschaft gibt. "Wenn gefeiert wird, halten alle zusammen", freute sich der Ortsvorsteher.

"Das Beste, was der Altbundeskanzler damals tun konnte, ist, den Tag der deutschen Einheit auf den 3. Oktober zu legen", lachte Hans-Joachim Vanselow, Pfarrer im Ruhestand. Denn da feiert er auch seinen Geburtstag. Doch nicht nur das ließ seine Augen verschmitzt funkeln. "Wir haben von der Einheit nur profitiert", sagte er. Er und seine Frau Ellen kamen aus dem eingeschlossenen West-Berlin, "und dann sind wir 1998 in dem wunderschönen Großmutz gelandet".

Die Kinder spielten sich müde an den Kletterstangen und brutzelten sich Stockbrot. Die Erwachsenen labten sich an Bratwurst und Bier und hatten sich viel zu erzählen. Das Fest am Vorabend des Tages der Deutschen Einheit sei ein Highlight für die Gemeinschaft, so Augner.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG