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Herrenhaus wieder belebt

Festvorbereitungen: Jeanette Kolloch hat schon das Laub vor dem Herrenhaus Gorgast zusammengeharkt. Am Sonnabend laden die Gemeinde und die Feuerwehr dort zum Feiern ein. Harald Obenaus will als Vorstand der neuen Herrenhaus-Genossenschaft jedermann die M
Festvorbereitungen: Jeanette Kolloch hat schon das Laub vor dem Herrenhaus Gorgast zusammengeharkt. Am Sonnabend laden die Gemeinde und die Feuerwehr dort zum Feiern ein. Harald Obenaus will als Vorstand der neuen Herrenhaus-Genossenschaft jedermann die M © Foto: Ulf Grieger
Ulf Grieger / 07.10.2015, 04:11 Uhr
Gorgast (MOZ) Die Gemeinde Küstriner Vorland hat das Herrenhaus Gorgast verkauft. Die Käufer, sie kommen aus Birkenwerder (Oberhavel) und Berlin, haben eine Genossenschaft gegründet.

Bislang gehören der Genossenschaft bereits 13 Personen an. "Wir wollen einen Teil des Hauses für das Zusammenwohnen von mehreren Generationen herrichten", erklärt Harald Obenaus, Vorstand der Genossenschaft. Die schönen Säle auf der Oderseite sollen für kulturelle Veranstaltungen und Seminare genutzt werden. Dies könnte einmal die Haupteinnahmequelle der Genossenschaft sein. "Wir werden unsere Pläne nach und nach umsetzen. Die ersten werden wohl schon nächstes Jahr einziehen", erläutert er. Zum Oktoberfest am Sonnabend steht er den Gorgastern Rede und Antwort. Und bietet auch die Möglichkeit zum Rundgang im Herrenhaus. "Wir werden den Zuschnitt der Räume im wesentlichen so belassen. Auch der Denkmalschutz ist für uns kein Problem", so Obenaus, der im Bildungsministerium arbeitet. Sein Sohn Daniel, der sich mit seinem Team der baubiologischen Planung und Gestaltung von Lebens- und Arbeitsräumen verschrieben hat, ergänzt, dass die künftigen Bewohner zwischen einem und 80 Jahre alt sind.

Die Geschichte des Herrenhauses reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Im Gewölbe auf der Oderseite, wo sich heute die Heizungsanlage befindet, sind die Grundmauern des ersten festen Hauses zu finden, die noch auf die Templer zurückgehen. Ab 1229 gehörte Gorgast zur Kommende (Niederlassung) Lietzen, einer der ältesten Komtureien in Brandenburg. Vor 700 Jahren wurde Lietzen vom Johanniterorden übernommen. Nachdem Gorgast auch einige Jahre zur Kommende Lagow (heute polnisch) gehörte, war es lange Zeit selbstständige Niederlassung des Ordens. Peter von Rosenstiel, der inzwischen verstorbene Sohn des letzten Gutspächters, war nach der Wende nach Gorgast gezogen und hatte viel zur Geschichte des Hauses geforscht.

Flussseitig befanden sich im Gewölbe die Küche mit gusseiserner Säule, die Vorratskammer, die Waschküche, der Milch- und Weinkeller. Auf der anderen, dem Gutshof mit Speicher zugewandten Seite, gab es Plätt- und Putzstube sowie die Rollkammer mit der Wäschemangel und die Mädchen- und Dienerstuben.

1810 wurde Gorgast königliches Domänenamt und ab 1827 waren die Familien Wahnschaffe und von Rosenstiel Domänenpächter, woran das Familienbegräbnis im Unter-Park erinnert. Die Beziehung des Johanniter-Ordens zu Gorgast wird heute nicht zuletzt im Kreuz im Wappen des Ortsteiles von Küstriner Vorland deutlich. Es existieren zudem Reste der uralten gemauerten Gänge zwischen dem ehemaligen Gutshaus, dem Inspektorenhaus und weiter Richtung Kirche.

Während der Schlacht um Küstrin vor 70 Jahren war der Amtshof militärischer Stützpunkt. Einer russischen Offensive am 22. März 1945 fiel dort auch der 20-jährige Leutnant Johann Albrecht von Bülow zum Opfer, der jüngere Bruder Loriots.

Ab 1950 war das Herrenhaus Bildungsstätte. In der oberen Etage wurden jährlich rund 400 Berufsschüler zum Land- und Tierwirt sowie zum Gärtner, aber auch als Bauarbeiter, Dachdecker und Buchhalter ausgebildet. Die untere Etage und der Keller waren der Dorfschule und dem Kindergarten vorbehalten.

Später wurde das ganze Haus zur Schule. 54 Jahre lang haben die Gorgaster dort das Einmaleins und das Abc erlernt, bis 2004 nach Streitigkeiten zwischen den Schulträgern das Aus für die Gorgaster Schule und die Kita kam. Viele ehemaligen Schüler werden am Sonnabend die Gelegenheit der Hausbesichtigung nutzen.

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