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Frisches Wasser für Tropical Islands

Typisches Gerät: Brunnenbaumeister Ralph Pestke zeigt einen Stufenmeisel für nicht bindende Böden wie Kies oder Sand. Gebrauchte Bohrgeräte wie dieser aus einem besonders gehärteten Stahl werden in der eigenen Werkstatt ausgearbeitet.
Typisches Gerät: Brunnenbaumeister Ralph Pestke zeigt einen Stufenmeisel für nicht bindende Böden wie Kies oder Sand. Gebrauchte Bohrgeräte wie dieser aus einem besonders gehärteten Stahl werden in der eigenen Werkstatt ausgearbeitet. © Foto: MOZ
Steffen Göttmann / 07.10.2015, 19:48 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) "Wir bohren vor allem groß und tief." Das ist die Betriebsphilosophie von Ralph Pestke (54), Geschäftsführer von Brunnenbau Pestke, einem Familienunternehmen in vierter Generation in Bad Freienwalde.

Zwischen zehn bis 25 Brunnen bohrt der Bad Freienwalder Handwerksbetrieb jährlich. Derzeit hat Ralph Pestke Aufträge mit acht Bohrungen, die bis ins nächste Jahr reichen. "Wir schließen gerade zwei Bohrungen, eine Grundwassermessstelle und einen Versorgungsbrunnen, für Tropical Islands in Brand ab", berichtetet Ralph Pestke.

Ferner konnte der gebürtige Bad Freienwalder einen Auftrag für die Internationale Gartenausstellung (IGA) an Land ziehen. Für die Veranstaltung 2017 in den Gärten der Welt in Berlin-Marzahn nimmt er an drei Stellen Erkundungsbohrungen vor, um einen großen Versorgungsbrunnen und einen Löschwasserbrunnen herzustellen. Brandaktuell sei der Auftrag für die Stadt- und Überlandwerke GmbH in Lübben, die ihr Wasserwerk wegen des sandigen Bodens verschieben müssen. "Dort nehmen wir eine 180 Meter tiefe Bohrung vor", sagt Ralph Pestke, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Meisterjubiläum als Brunnenbaumeister feiert.

Über sechs große hochmoderne Bohrgeräte, fünf auf LKW und eines auf einem Anhänger, verfügt Brunnenbau Pestke. "Wir werden noch in diesem Jahr aufrüsten und ein siebtes Bohrgerät bestellen, das in einem halben Jahr geliefert wird", sagt der Firmenchef. Wegen des hohen Materialaufwandes sei es nicht möglich, nebenbei eine Brunnenbaufirma zu gründen. Obwohl es wenig Konkurrenz gibt, konzentriert sich Ralph Pestke auf Brandenburg und Berlin, obwohl er auch Anfragen aus den alten Bundesländern verzeichne. Hauptauftraggeber seien die zwölf bis 14 Wasser- und Abwasserzweckverbände in Brandenburg.

Bis zu 400 Meter tiefe Bohrungen könnte der Handwerksbetrieb vornehmen. "Das haben wir hier nicht in Brandenburg", sagte der Brunnenbaumeister. In der Region und Bad Saarow reichten Brunnenbauten um die 150 Meter tief. In Storkow habe er in 180 Meter Tiefe einen Wächterpegel installiert, der aufsteigendes Salzwasser lokalisieren solle. Aufsteigendes Salzwasser sei ein Problem in der Region. Deshalb würden vor einer Brunnenbohrung Erkundungsbohrungen mit geringerem Kaliber vorgenommen, um die Salinität, den Salzgehalt im Grundwasser, zu messen. In Bad Sarow steige die Salinität in 120 bis 130 Metern Tiefe an. Dies sei aber im Vorfeld der Bohrung bekannt gewesen.

23 teilweise hochqualifizierten Mitarbeitern gibt der Betrieb Lohn und Brot. Ralph Pestke legt viel Wert auf die Qualifizierung seiner Belegschaft. "Wir haben drei Brunnenbaumeister, einen Diplom-Ingenieur und einen Betriebswirt des Handwerks", zählt Ralph Pestke auf. Ein Mitarbeiter habe nach seiner Ausbildung eine Top-Leistung abgeliefert und dann gleich die Meisterprüfung abgelegt. Derzeit hat der Handwerksmeister wie viele andere Betriebe große Probleme, geeignete Auszubildende zu finden. "Ein Notendurchschnitt schlechter als drei geht nicht", betont er. Vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern müssten die Bewerber beste Noten haben. Denn neben dem Fingerspitzengefühl müssen Bohrer ständig rechnen. Vielleicht kommt zu viel Bohrmenge heraus, aber der Vortrieb des Bohrers gerät ins Stocken. Einfach Gas geben reicht nicht aus "Wenn etwas schief geht, erreicht der Schaden schnell astronomische Höhen", versichert der Handwerksmeister, der selber kein Bohrgerät mehr bedient, sondern vom Schreibtisch aus den Betrieb managt. "Manchmal würde es mich schon reizen, diese technisch hochmodernen Geräte zu bedienen", gibt er zu.

Seine Mitarbeiter sind im ganzen Land unterwegs, manchmal in zwei Schichten zu je 24 Stunden und dies auch am Wochenende. "Eine Bohrung muss zu Ende geführt werden, man kann sie nicht nach acht Stunden unterbrechen", erläutert der Firmenchef. Dann ginge womöglich der Bohrer verloren und könne nicht mehr geborgen werden. Eine Bohrung an gleicher Stelle sei nicht mehr möglich.

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