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"Wir sind die Welt"

Auf Nachwuchs-Suche: Klaus Dewitz, Chef des Eberswalder Forstfasching-Vereins, ist im Gespräch mit Neubürger Mohammed Salim, der aus der syrischen Stadt Aleppo nach Eberswalde gekommen ist.
Auf Nachwuchs-Suche: Klaus Dewitz, Chef des Eberswalder Forstfasching-Vereins, ist im Gespräch mit Neubürger Mohammed Salim, der aus der syrischen Stadt Aleppo nach Eberswalde gekommen ist. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Anna Fastabend / 09.10.2015, 18:58 Uhr - Aktualisiert 05.02.2016, 11:28
Eberswalde (MOZ) Bei dem dritten Neubürgerempfang in Eberswalde ist der Saal des Bürgerbildungszentrums Amadeu Antonio gut gefüllt. Viele der 1500 neuen Bewohner sind gekommen, um Alteingesessene und das breitgefächerte Angebot der Stadt kennenzulernen. Unter ihnen sind viele Geflüchtete.

"Wir möchten Integration leben", erklärt Jan König, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung und Tourismus bei dem Empfang am Freitagnachmittag im Bürgerbildungszentrum Amadeu Antonio (BBZ). Er freut sich darüber, dass die Einwohnerzahl aktuell stetig wächst. 1 500 Neubürger hat die Stadt seit dem vergangenen Empfang dazugewonnen. Momentan haben rund 40 100 Einwohner ihren ersten Wohnsitz in Eberswalde.

Neubürger der Stadt Eberswalde wurden am Freitag im Bürgerbildungszentrum begrüßt. Viele Vereine und Initiativen präsentierten sich. Unter den Besuchern  waren zahlreiche Flüchtlinge die in den letzten Wochen in Eberswalde eintrafen. In diesem Jahr wuchs die Einwohnerzahl von Eberswalde um 1500. Zeitgleich gab es einen Tag der Offenen Tür im BBZ Amadeu Antonio.
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Unter den neuen Gesichtern der Stadt sind viele Geflüchtete. Auch sie sind der Einladung gefolgt. Damit sie der Begrüßungsrede von Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) folgen können, hat dieser Marwan Hassan an seiner Seite, der seine Worte ins Arabische übersetzt. Er erklärt den Frauen und Männern auch, dass der Eberswalder Spritzkuchen, der zum Probieren auf den Tischen bereitsteht, ihn an orientalische Süßigkeiten erinnere - Gemeinsamkeiten gibt es schließlich überall und Süßigkeiten isst fast jeder für sein Leben gern.

Marwan Hassan übersetzt auch, als der Syrer Hasan Salam erzählt, wie er nach Eberswalde kam. Der 49-Jährige lebte in der großen Stadt Aleppo. Nach einer aufreibenden Flucht, die unter anderem durch Griechenland, Serbien und Ungarn ging, erreichte er vor zehn Tagen die Stadt. Er sei begeistert von dem herzlichen Empfang, sagt Hasan Salam. Sein größter Wunsch sei es, seine Frau und seine kleinen Kinder wieder bei sich zu haben, erzählt er. Ein weiterer Sohn bereite sich aktuell in München auf das Zahnmedizinstudium vor. Und auch Hasan Salam möchte so schnell wie möglich eine Arbeit finden. In Aleppo hat der Keyboarder ein Geschäft für Musikinstrumente und Tontechnik geführt.

Mohammed Salim, der ebenfalls aus dem syrischen Aleppo kommt, interessiert sich für den Verein Eberswalder Forstfasching. "Aus meiner Heimat kenne ich verkleidete Menschen wie Clowns aus dem Zirkus", sagt er auf Englisch.

Der Faschingsverein ist eine von zahlreichen lokalen Initiativen, die sich an diesem Nachmittag vorstellen. Zugleich ist er auch der Tag der offenen Tür des BBZ. Der Runde Tisch "Willkommen in Eberswalde", die Freiwilligenagentur, das Eltern-Kind-Zentrum und zahlreiche weitere Beratungs- und Fortbildungsangebote präsentieren sich und werben um neue Mitglieder. Auch die Agentur für Arbeit hat die Tür ihrer Außenstelle im BBZ geöffnet. Und Steffen Krüger, der Koordinator für die Arbeitsmarktintegration von Asylsuchenden, steht für Fragen rund um die Suche nach einem Arbeitsplatz zur Verfügung. Um die vielen Anfragen beantworten zu können, wurden extra zwei neue Mitarbeiter eingestellt.

Mohammed Salim, dem es der Faschingsverein angetan hat, benötigt eine solche Beratung nicht mehr. "Gerade habe ich meinen Vertrag mit der Stadt unterzeichnet. Ich fange dort als IT-Administrator an", freut sich der 22-Jährige, der über vier Jahre Berufserfahrung in dem Bereich verfügt.

Für Eberswalde bedeuten die steigenden Einwohnerzahlen nicht bloß mehr Geld aus der Schlüsselzuweisung, so Amtsleiter König. "Wir profitieren von anderen Kulturen. Wir öffnen uns. Wir sind die Welt."

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