Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Großer Redebedarf

Viele Meinungen, viele Fragen: Die Informationsveranstaltung stieß auf reges Interesse der Fürstenberger. Nach Vorträgen der Verantwortlichen konnten sie sich selbst einbringen.
Viele Meinungen, viele Fragen: Die Informationsveranstaltung stieß auf reges Interesse der Fürstenberger. Nach Vorträgen der Verantwortlichen konnten sie sich selbst einbringen. © Foto: Matthias Henke/MZV
Matthias Henke / 09.10.2015, 22:21 Uhr
Fürstenberg (MZV) Das Thema Asyl bewegt die Stadt. Knapp 6000Einwohner hat Fürstenberg mit allen Ortsteilen. Fast 500 waren am Donnerstag in die Mehrzweckhalle gekommen, um sich zu informieren und auszutauschen. Landrat Ludger Weskamp (SPD) sowie weitere Mitarbeiter von Kreisverwaltung, Polizei und Schulamt standen Rede und Antwort.

Die ersten Asylsuchenden sind bereits da, etwa 50 bezogen den Waldhof Zootzen, zwar auf Granseer Gemarkung, jedoch in unmittelbarer Nachbarschaft von Fürstenberg. Dass dieses Quartier nur eine Übergangslösung sei, betonten Landrat Ludger Weskamp (SPD) und seine Kollegen immer wieder. Im Frühjahr, wenn die Fürstenberger Unterkunft an der Waldstraße für etwa 100 Bewohner fertig gestellt sein soll, werde das umgenutzte Schullandheim "vom Netz gehen" und anschließend wieder für seinen ursprünglichen Zweck verwendet.

Gleichzeitig setzt der Kreis auf die Anmietung von privatem Wohnraum. Doch dies hat manchmal Tücken, wie Anke Domscheit-Berg berichtete. Sie habe sich mit ihrem Mann bereit erklärt, an Asylsuchende zu vermieten, sagte sie. Als Antwort erhielt sie vom Kreis zwei Wochen später zwei schlichte Formulare. "Warum muss ich da schreiben, wie viele Quirle in der Küche sind?", fragte sie. Kleinteilige Bürokratie wie diese könne auf andere abschreckend wirken, Vereinfachung tue Not, so Domscheit-Berg.

Ihr Mann Daniel regte ein einfacheres Prozedere für die Flüchtlinge an, damit diese an passende Kleidung kommen. "Es wäre doch schade, wenn sie extra Geld ausgeben müssen, um zur Kleiderkammer nach Neustrelitz zu fahren", sagte er. Die Mitglieder der Willkommens-Initiative hätten gerne die Möglichkeit zur Errichtung einer entsprechenden Infrastruktur in Fürstenberg. Gespräche mit der Stadtverwaltung gebe es diesbezüglich bereits, bestätigte Fürstenbergs Bürgermeister Robert Philipp (parteilos). Die Räumlichkeiten sollen auch für Kreativangebote, Kochrunden und Gespräche genutzt werden können. "Wir werden uns am Montag treffen und verschiedene Räume ansehen." Im Nachgang werde das Thema mit den Stadtverordneten besprochen, so Philipp weiter.

Für die Kritiker ergriff unter anderem der CDU-Stadtverordnete Thomas Burmann das Wort. Schwer zu verstehen sei, warum, trotz zuvor kommuniziertem Lehrermangel, nun Pädagogen da seien, um "Asylantenkinder" zu beschulen, sagte er. Als kleine Stadt arbeite Fürstenberg überdies hart daran, jedes Jahr einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen, nun komme der Kreis daher und investiere aus dem Stand zwei Millionen. Auch stehe mit der Jugendherberge in Ravensbrück augenscheinlich eine Alternative zur Verfügung. "Da müssen nur neue Kopfkissenbezüge aufgezogen werden, dann können die Leute da einziehen", sagt er.

Die Herberge sei keine Option, antwortete Landrat Weskamp und verwies auf ein ablehnendes Schreiben des Betreibers. Auf eine Diskussion um das Warum wollte er sich nicht einlassen. "Wenn der Betreiber nein sagt, heißt das nein", so Weskamp. Die Konfiszierung privater Liegenschaften komme nicht in Frage. "Wir haben das nicht getan, wir tun dies nicht und wir werden es auch in Zukunft nicht tun", betonte Weskamp. "Keiner hat gesagt, dass es leicht wird. Es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Wir können die Probleme aber nicht wegschieben, wir müssen sie lösen", sagte Weskamp zu den auf Kreis und Kommunen zukommenden Herausforderungen.

Burmanns Bedenken blieben nicht die einzigen. Zu öffentlicher Sicherheit, Integration und Kommunikation von und mit den Asylsuchenden hatte das Plenum Anmerkungen und Fragen. Zu Bedenken bekannten sich dabei auch Mitglieder der Willkommensinitiative. Die Gruppe verfahre nicht nach dem Motto "Hurra, die Flüchtlinge kommen", sagte der Grünen-Stadtverordnete Tilman Kunowski. Es gehe um praktische Lösungen zur Situation, mit der die Stadt nun einmal konfrontiert werde.

Die knapp drei Stunden dauernde Veranstaltung blieb, im Gegensatz zu ähnlichen Diskussionen im Landkreis, sachlich - zur Überraschung manches Beteiligten. "Aus den vielen Gesprächen, die ich im Vorfeld geführt habe, hätte ich nicht gedacht, dass das so ruhig bleibt, sagte ein positiv überraschter Bürgermeister.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG