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Info-Abend in Basdorf über Unterbringung von Flüchtlingen / Vorbereitungen für Runden Tisch

Sorgen, Zweifel und Hilfsbereitschaft

Gut besucht: In der Sporthalle wurden die Basdorfer und Bewohner anderer Wandlitzer Ortsteile über die Aufnahme von Flüchtlingen in diesem Jahr informiert.
Gut besucht: In der Sporthalle wurden die Basdorfer und Bewohner anderer Wandlitzer Ortsteile über die Aufnahme von Flüchtlingen in diesem Jahr informiert. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Olav Schröder / 10.10.2015, 06:59 Uhr
Basdorf (MOZ) Eine verfehlte Bundespolitik, Sorgen um die Sicherheit, Frust über zögerliche Informationen, aber auch die Bereitschaft zu helfen bestimmten die Infoveranstaltung der Gemeinde Wandlitz am Donnerstagabend zur Aufnahme von Flüchtlingen in Basdorf.

"Wir alle können nichts für die Situation. Aber wir werden es auch schaffen", sagte der Basdorfer Ortsvorsteher Peter Liebehenschel in der ausgesprochen gut besuchten Sporthalle der Grundschule in Basdorf und erhielt Beifall dafür. "Es" - das ist die Aufnahme von weiteren 80 Flüchtlingen im Ort.

Wie die Wandlitzer Bürgermeisterin Jana Radant zuvor bestätigt hatte, werden in diesem Jahr in der Gemeinde voraussichtlich insgesamt 289 Flüchtlinge aufgenommen. Im Wandlitzer Übergangswohnheim leben derzeit 100 Menschen, die Aufnahme von 80 weiteren ist geplant. Basdorf hat im Bereich der sogenannten Trödelhalle bereits 13 Flüchtlinge aufgenommen, 80 sollen noch hinzukommen. 16 Flüchtlinge haben Wohnungen erhalten. Die Zahl der Wohnungen soll je nach Verfügbarkeit aufgestockt werden.

Ausgeschlossen für die Aufnahme von Flüchtlingen sei der ehemalige Polizeischul-Standort, da es keinen Wasser- oder Abwasseranschluss und auch keine Heizung gebe. Auch für die Turnhalle in Basdorf gebe es keine Anfrage des Kreises. Über sie werde als Aufnahmeort allein deshalb gesprochen, weil die Gemeinde sie für den Infoabend ausgesucht hatte.

Statt langer Vorträge erhielten die Besucher zügig die Möglichkeit, sich zu äußern. Dabei ging es darum, dass die Mehrzahl der Flüchtlinge nach Deutschland will und um die Frage, wer für ihre Aufnahme aufkomme. Die Kosten trage ausschließlich das Land, und zwar für den Landkreis als Betreiber von Unterkünften in auskömmlichen Maße, sagte Karin Matlik, Mitarbeiterin des Landkreises. Unterschiedliche Meinungen gebe es über die Höhe der finanzielle Unterstützung, die ein Asylbewerber erhalte. Diese liege noch unter dem Satz für Hartz-IV Empfänger. Oft werde jedoch das Gegenteil angenommen. Jana Radant unterstrich: "Die Gemeinde Wandlitz wird an den Kosten für die Flüchtlinge nicht beteiligt."

Eine Mutter befürchtet, dass in absehbarer Zeit die Plätze in den Kitas oder Schulen in der Gemeinde nicht mehr ausreichen werden, wenn künftig mehr Kinder von Flüchtlingen aufgenommen werden. Knapp zehn Kinder besuchen derzeit verschiedene Schulen in Wandlitz. "Wir können diese Größenordnung noch steuern", sagte die Bürgermeisterin, betonte aber auch bei diesem Beispiel, dass sie "klare Regelungen" in der Bundesrepublik vermisse.

Auch Sorgen vor einer zunehmenden Kriminalität, vor Diebstählen oder gar sexuellen Belästigungen wurden vorgebracht. Thomas Höhns von der Polizeiinspektion wies darauf hin, dass es im Zusammenhang mit Flüchtlingsunterkünften keine Anzeige zu Belästigungen gebe, wobei die Polizei auch Mitteilungen nachgehe, die sie aus Versammlungen erfahre. Derzeit werde behauptet, dass Flüchtlinge in Discountern Diebstähle begingen. Aber obwohl die Märkte dafür bekannt seien, bei Ladendiebstählen unverzüglich Anzeige zu erstatten, gebe es in diesem Zusammenhang keine.

Auf eine dreijährige Erfahrung mit dem Runden Tisch in Wandlitz kann Peter Dudyka zurückblicken. Wenn es Probleme gibt, sollten auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter angesprochen werden, lautet seine Empfehlung. Die Helfer des Runden Tisches sprechen mit den Bewohnern. Unter diesen gebe es eine rege Kommunikation und Selbsterziehung, so dass viele Dinge auf diesem Weg geklärt werden können. Zudem habe ein Flüchtling kein Interesse daran, seinen Aufenthaltsstatus wegen eines Ladendiebstahls oder eines anderen Delikts zu verlieren.

Auch in Basdorf, so Peter Liebehenschel, werden noch Helfer gesucht, die an einem Runden Tisch mitarbeiten wollen. Im Anschluss an den Info-Abend wurden bereits weitere neue Kontakte geknüpft.

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Hans-Jürgen Klemm 10.10.2015 - 12:27:12

Gemeinsam zu lernen bereit sein

Im Zusammenhang mit den bei uns ankommenden Fremden wird von der Absicht gesprochen, denen einen Beipackzettel der Benimmregeln für den Aufenthalt in Deutschland in die Hand zu drücken. Ich meine, gebt diesen Zettel doch gleich allen Bewohnern des Landes, da es ebenso nicht wenige "Einheimische" gibt, die diese Regeln der Gemeinsamkeit offenkundig selbst noch nicht begriffen haben. Es sind die "Deutschen Gutmenschen" die ihre Gartenabfälle in die Wälder schleppen, wo sie nicht hingehören. Es sind Neu- und Alteingesessene die ihre Hundekottüten vor Nachbars Garten ablegen - soll´s der doch entsorgen - oder Ihren Hund sich unbesonnen auf den Gehwegen entleeren lassen. Es sind wir die Deutschen, die sich abfällig untereinander äußern und es sind unsere Deutschen Politiker, die die Naturschätze des Landes für den Profit weniger, einer Windradlobby zu opfern bereit sind, ohne an die Folgen in der Zukunft ohne natürliche Staubfilter, CO2 Senker und Sauerstofferzeuger für uns alle zu denken. Nutzen wir daher die überraschende Chance für uns alle, die dieser Zustrom gequälter, angstvoller und verunsicherter Menschen eines durchaus anderen Kulturkreises mit sich bringt.Laßt uns das Beste daraus miteinander machen. Von einander lernen und nicht den Oberlehrer zu spielen. Bindet diese Neuankömmlinge in Eure Gesprächskreise ein und hört Euch ihre Geschichten und Erfahrungen an, dass schaft Nähe und Vertrauen. Das sollte unser Anspruch im Umgang aller Menschen miteinander in dieser Gemeinschaft sein und dauerhaft bleiben. Das macht Kultur und Zivilisation aus - auch hier bei uns. Wer sich dann aber hier dennoch daneben benehmen sollte, so wie es angstvoll von einigen hier lebenden beschrieben wird, so wie wir es uns alle nicht wünschen, rücksichtslos, habgierig, kriminell und uns täuschen oder nur ausnutzen will, für den sollten die Gesetze dieses Landes mit dem umgehenden Vollzug der Ausweisung enden.

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