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Wolf polarisiert schon aus der Ferne

Die Einwanderung des Wolfes polarisiert: Die Meinungen in der Bevölkerung gehen stark auseinander. Bereichert er die Natur oder stellt er eine Bedrohung für Mensch und Tier dar?
Die Einwanderung des Wolfes polarisiert: Die Meinungen in der Bevölkerung gehen stark auseinander. Bereichert er die Natur oder stellt er eine Bedrohung für Mensch und Tier dar? © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Anna Fastabend / 13.10.2015, 18:50 Uhr
Wandlitz (MOZ) Der Wolf und seine Rückkehr nach Brandenburg ist ein Thema, das aktuell für große Spannungen zwischen Naturschützern auf der einen und Landwirten und Jägern auf der anderen Seite sorgt. Die einen sehen in ihm eine Bereicherung, die anderen eine Bedrohung.

Hört man den Teilnehmern der Wandlitzer Podiumsdiskussion zum Thema "Der Wolf im Barnim" zu, könnte man meinen, sie sprächen von zwei unterschiedlichen Tieren. Die einen argumentieren damit, dass es den bösen Wolf nur im Märchen gibt, die anderen berichten von schlaflosen Nächten und ruinösen Kosten, die ihnen das Tier bereitet. Die Positionen sind verhärtet.

Dabei ist der Wolf im Barnim bisher nur in den Köpfen ein Thema. Im Landkreis hat sich noch kein Rudel angesiedelt, sagt Landes-Wolfsbeauftragte Carina Vogel. "Die Menschen haben immer dort Angst vor dem Wolf, wo er noch nicht aufgetaucht ist", versucht sie zu beruhigen. "Ist er einmal da, arrangieren sich die Leute mit ihm."

Dass ein solches Arrangement schneller kommen kann als gedacht, zeigen die Zahlen aus dem vergangenen Wolfsjahr. Darin geht man für Brandenburg von zehn Rudeln mit insgesamt 42 Welpen aus. Zudem wurden drei Wolfspaare und ein Einzeltier nachgewiesen. Die Dunkelziffer könne höher sein, erklärt die Wolfsbeauftragte. Laut den Untersuchungen halten sich allerdings bisher die meisten Wölfe in Südbrandenburg auf. Aufgrund der Größe des Kreises sei im Barnim aber theoretisch Platz für vier bis fünf Rudel, schätzt Vogel.

Was den Landwirten und Jägern so große Sorgen bereitet: Die Wölfe, die aus Westpolen nach Brandenburg gewandert sind, genießen laut europäischem und deutschem Recht einen besonders hohen Schutzstatus. Sie dürfen nur in Ausnahmefällen geschossen werden. Für denjenigen, der ein Gewehr auf sie richtet, besteht so immer die Gefahr, sich strafbar zu machen. Deshalb plädiert der Vertreter des Landesjagdverbandes Robert Franck an diesem Abend auch für eine Änderung des Schutzstatus - ohne damit gleich - wie er betont - den Wolf zum Abschuss freizugeben. Der Vertreter des Landesbauernverbandes Sven Deter stimmt Franck zu: "Wir müssen das Recht dazu haben, den Wolf in seine Schranken zu verweisen."

Doch stimmt die Mär vom bösen Wolf, der Kindern auf dem Weg zur Schule auflauert, Rinderherden aufmischt und ein Schaf nach dem anderen reißt überhaupt? Laut Statistik stellt sich die Lage weit weniger dramatisch dar, als so mancher Medienbericht über gerissene Schafe in der vergangenen Zeit vermuten lässt. Die Übergriffe auf Nutztiere sind danach äußerst selten. Die Lieblingsspeise des Raubtiers sind nach wie vor Wildtiere wie Rehe und Wildschweine. Die Risse von Haus- und Nutztieren liegen bei unter einem Prozent.

Damit sich der Wolf von den Nutztieren auch tatsächlich fernhält, sollten Landwirte und Schäfer ihre Tiere sicher einzäunen, erinnert Wolfsbeauftragte Vogel. Dabei seien die Mehrkosten, die durch die speziell für die Wolfsabwehr erforderlichen Maßnahmen anfallen, erstattungsfähig, erklärt die Expertin. Bei Rindern reiche sogar die grundsätzlich vom Agrar-Informationsdienst empfohlene Umzäunung aus. Werde trotz aller Vorkehrungen dann doch einmal ein Tier gerissen, werde der betriebswirtschaftliche Schaden ersetzt, so Vogel. Dazu gebe es extra eine landesweite Hotline, über die ein Rissgutachter bestellt werden könne. Ein weiterer zuverlässiger Wolfsschutz seien die guten, alten Hütehunde, fügt Christiane Schröder vom NABU-Landesverband hinzu.

"Das geht an der Realität vorbei", ärgert sich Deter vom Landesbauernverband. Dem empfohlenen Standard bei Weidezäunen könne aus Kostengründen kaum einer nachkommen. Rainer Dickmann von der Schorfheider Agrar-GmbH Groß Schönebeck bringt die größten Ängste der Nutztierhalter auf den Punkt: "Was mache ich, wenn der Wolf meine Rinder auf die Bundesstraße treibt. Was sage ich in diesem Fall den Hinterbliebenen?"

Die nächste Veranstaltung zur Wolfs-Sonderausstellung im Barnim Panorama in Wandlitz ist eine Kinderführung zum Thema "Der Wolf im Märchen" am 6. Dezember ab 13 Uhr. Infos und Anmeldung unter 033397 681920.

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Sascha Lusteck 14.10.2015 - 20:35:04

Ungeheuerlich!

Was für eine ungeheuerliche Aussage: "...Sie dürfen nur in Ausnahmefällen geschossen werden. Für denjenigen, der ein Gewehr auf sie richtet, besteht so immer die Gefahr, sich strafbar zu machen. Deshalb plädiert der Vertreter des Landesjagdverbandes Robert Franck an diesem Abend auch für eine Änderung des Schutzstatus...". Dann sollte vielleicht auch das Strafgesetzbuch geändert werden damit Jäger unbehelligt ihre Waffe "irrtümlich" auch auf Menschen richten können? Wieviele tödliche "Jagdunfälle" gibt es denn pro Jahr? Und dagegen keine "Wolfunfälle". Wer seine Waffe auf eine Wolf richtet macht das mit Absicht und nicht aus Versehen, was soll diese Aussage? Ein Jäger darf angeblich nur nach "Ansprache" töten.

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