Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Gewerbe im Wald

Olav Schröder / 14.10.2015, 06:50 Uhr
Biesenthal (MOZ) Zum Auftakt der öffentlichen Auslegung der Erweiterungspläne des polnischen Verbandsstoff-Spezialisten TZMO in Biesenthal fand am Montagabend eine Bürgerversammlung in der Stadt statt. In der Diskussion ging es um Arbeitsplätze, Waldrodungen und Verkehrsbelastungen.

Die TZMO Deutschland, ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Thoruner Betriebe für Verbandsstoffe, hat seit 2002 ihren Sitz in Biesenthal. Zu ihren Kunden gehören Apotheken, Sanitätshäuser, Krankenhäuser, aber auch Handelsketten. In Biesenthal entstand ein Logistik- und Schulungszentrum mit Lagerhallen und Büros. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs seit 2002 von 15 auf 110. Davon kommen 80 aus dem Biesenthaler Bereich. Bist 2025 sollen rund 50 neue Arbeitsplätze hinzukommen. Weltweit zählt das Unternehmen 7300 Mitarbeiter in 17 Ländern.

"Wir wollen neue Produkte entwickeln. Und dafür benötigen wir eine neue Halle", begründete Geschäftsführer Piotr Daszysnki. Beispielsweise soll die Ware in Biesenthal so vorbereitet werden, "dass sie in den Wohnheimen nur noch im Schrank platziert werden muss". Für die Kommissionierung der Ware plant das Unternehmen den Bau einer Halle mit einer Fläche von 6000 bis 8000 Quadratmetern. Längerfristig werde über eine Wiederinbetriebnahme des Gleisanschlusses nachgedacht. Durch Bahntransporte könnte der Lkw-Verkehr halbiert werden. Doch noch würden die Mengen nicht erreicht, die einen Umstieg auf die Schiene rechtfertigen würden. Mit Blick auf den Markt für Hygiene- und Gesundheitsartikel erwartet die TZMO jedoch ein jährliches Wachstum von fünf Prozent.

In der Diskussion wurde deutlich, dass sich die Kritik insbesondere der Lokalen Agenda 21 weniger an dem Unternehmen als vielmehr an der Größe des Plangebiets entzündet. Während die konkreten Überlegungen der Verbandsstoffbetriebe den Zeitraum bis 2025 umfassen, wird ein Bereich überplant, der für Jahrzehnte eine Perspektive für die Stadt entwickeln soll, so André Nerlich von der W.O.W. Kommunalberatung in Bernau. Biesenthals Bürgermeister Carsten Bruch verwies darauf, dass sich die Bauleitplanung am "Maximum" orientiere, TZMO aber nicht vorhabe, diesen Rahmen auszuschöpfen. Wichtig sei, dass Arbeitsplätze in der Stadt geschaffen werden.

Besorgt zeigte sich ein Anwohner darüber, dass ein Nachfolgeunternehmen andere Pläne haben könnte. Die Nutzungen würden im Bebauungsplan festgeschrieben, erläuterte Nerlich. Industriebauten seien ebenso ausgeschossen wie Tankstellen oder Sportstätten.

Für etliche Besucher sind die Eingriffe in die Natur und die Lebensqualität jedoch zu hoch. Die Lokale Agenda kritisiert, dass im gesamten Plangebiet eine Waldfläche von mehr als 22700 Quadratmetern gerodet werden soll und dass für das Jahr 2025 am Tag 200 Lkw-Fahrten prognostiziert werden. Der Lkw-Verkehr eines Logistikunternehmens dürfe nicht durch ruhige Wohngebiete führen, so Heike Müller. Das verringere die Wohnqualität, insbesondere bei Nachtfahrten. Piotr Daszynski verwies darauf, dass es gegenwärtig 40 Lkw-Fahrten pro Tag gebe, 2025 würden es 66 sein. Andere hoben hervor, dass ein Logistikunternehmen mit Bahnanschluss und Arbeitsplätze am Bahnhof ideal seien.

Die Fällungen erfolgten in Abhängigkeit der Bauvorhaben, so Nerlich, zudem seien Ersatzmaßnahmen vorgesehen. Eingefordert wurde, dass diese im Biesenthaler Bereich erfolgen sollen. Heribert Rustige fragte danach, welche Möglichkeiten es gebe, durch Regelungen im Bebauungsplan die Belastungen zu minimieren. Die Inbetriebnahme eines Bahnanschlusses sollte zudem unterstützt werden.

Der frühere Biesenthaler Bürgermeister André Stahl erinnerte an den Verlust von 400 Arbeitsplätzen bei der Möbelfolie nach der Wende. Mit der Aufstellung des Bebauungsplans gehe es darum, Planungssicherheit für den Erhalt des Unternehmens am Standort zu schaffen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG