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Genossenschaftler erobern Herrenhaus

Sieben von 25: Hendryk, Silke-Aurelia und Harald Obenaus, Carla Tradt, Stephan Allmedinger, Anna Hägele und Sohn Carl (v.l.) vor ihrem neuen Besitz. Sie sind Mitglieder der Genossenschaft, die das Herrenhaus in Gorgast erworben hat.
Sieben von 25: Hendryk, Silke-Aurelia und Harald Obenaus, Carla Tradt, Stephan Allmedinger, Anna Hägele und Sohn Carl (v.l.) vor ihrem neuen Besitz. Sie sind Mitglieder der Genossenschaft, die das Herrenhaus in Gorgast erworben hat. © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 14.10.2015, 07:07 Uhr
Gorgast (MOZ) Das Herrenhaus am Park hat nicht nur einen, sondern gleich 25 neue Besitzer. Es können sogar noch mehr werden. Eine Genossenschaft hat das Haus erworben, will Wohnungen und öffentliche Räume schaffen. Die Neuen gewährten Einblick.

Zwölf Jahre Leerstand haben ihre Spuren hinterlassen. Das allerdings schreckte die Genossenschaftler nicht. "Wir haben die Idee schon lange", sagt Harald Obernaus, Vorstand der Genossenschaft. Wir, das sind Menschen, die die Idee einer Wohngenossenschaft zusammengeführt hat. Wie etwa Anna Hägele und Stephan Allmendinger. Ihr Sohn Carl ist mit acht Monaten jüngsten Mitglied - das älteste ist 83. Die jungen Leute kommen aus Süddeutschland, suchen in Gorgast vor allem Natur und Ruhe.

Jeder hat zu gleichen Teilen Genossenschaftsanteile erworben. Davon wurde das Herrenhaus gekauft. "Wir waren in mehreren Immobilien in ganz Brandenburg, hatten den Vergleich", erklärt Harald Obenaus. "Das hier in Gorgast ist genau das, was wir gesucht haben." Der große Sanierungsbedarf schreckt die Enthusiasten nicht. Sie schrubben Fußböden und Wände, räumen auf, reißen Tapeten ab und haben kein Problem damit, dass sie in spartanisch eingerichteten Zimmern nächtigen, mitunter sogar nur auf einer Matratze.

An ihrem Tag der offenen Tür erfahren die Genossenschaftler viel über die jüngste Geschichte des Hauses, die bis in die Zeit der Templer reicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten Flüchtlinge im Herrenhaus. Später wurde eine Landwirtschaftsschule eingerichtet, dann zogen Grundschule und Kita ein. Aus jener Zeit rühren fast alle baulichen Veränderungen in dem großen Gebäude. Die alten Strukturen des Herrenhauses wurden nach dem Krieg völlig verändert. Es gibt bis auf die Kellergewölbe nichts mehr vom einstigen Glanz im Innern des Hauses.

"Hier vorn war unser Sportraum", erzählt Uwe Neumann beim Eintritt über die große zum Park führende Treppe. Der heute in Alt Tucheband Lebende ging von 1967 bis 1977 in Gorgast zur Schule. Er kennt noch jeden Raum, weiß, wo das Lehrerzimmer, wo er Mathe und Russisch büffelte. Im einstigen Sportraum gleich am Eingang wurde später eine Zwischenwand eingezogen. Diesen Bereich wollen die Genossenschaftler als Gemeinschaftsräume einrichten. Die sollen nicht nur für die Bewohner, sondern auch für die Öffentlichkeit zugänglich werden. Lesungen, Konzerte, Plauderstunden - Ideen gibt es viele.

Noch allerdings ist das Zukunftsmusik. Zunächst muss saniert werden. In einem Teil im Obergeschoss ist die Decke heruntergebrochen. Das soll als Erstes in Ordnung gebracht werden. Unter den Genossenschaftlern sind alle Handwerksrichtungen vertreten. Hendryk Obenaus ist Tischler und Restaurator. Die Sanierung erfolge unter baubiologischen Gesichtspunkten, versichert Harald Obernaus.

Ein befreundeter Architekt plant mit den neuen Eigentümern die einzelnen Bereiche. Einige Mitglieder wollen ihren Wohnsitz komplett ins Herrenhaus verlagern, andere werden sich Wochenenddomizile einrichten. Man sei auch offen für weitere Mitglieder, versichern die Gastgeber.

Nach und nach sollen die etwa 30 Räume bewohnbar gemacht werden, immer entsprechend der finanziellen Möglichkeiten. Eingeschlossen sind auch die riesigen Kellerbereiche. Noch immer gibt es dort Spuren der einstigen Nutzung. Im Keller, der hoch über die Erde ragt und dadurch bestens Tageslicht hinein lässt, befand sich einst die Schulspeisung. Die Gewölberäume lassen Raum für die Umsetzung vieler Ideen.

Die Gorgaster zeigen sich an diesem Tag begeistert. Sie schwelgen nicht nur in Erinnerungen, sondern freuen sich, dass wieder Leben in das Herrenhaus zieht. Ruth Heide lädt die junge Familie mit Söhnchen Carl gleich auf ihren Hof ein. Da gebe es viele Tiere, auch Schafe. Andere Besucher lassen ihre Adressen da, bieten sich an, bei künftigen Kulturveranstaltungen mitzuwirken. Alle wünschen den neuen Eigentümern viel Kraft, zollen Respekt für den großen Mut.

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