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Die stille Heimkehr von Carl Friedrich

Poetisch: Die Grabinschrift für Carl Friedrich von Burgsdorff beginnt mit den Worten: "Du fragst, wer von den Sterblichen dieser Stein birgt? Vernimm, einen Mann aus sehr altem Geschlecht".
Poetisch: Die Grabinschrift für Carl Friedrich von Burgsdorff beginnt mit den Worten: "Du fragst, wer von den Sterblichen dieser Stein birgt? Vernimm, einen Mann aus sehr altem Geschlecht". © Foto: MOZ/Thomas Gutke
Thomas Gutke / 17.10.2015, 05:30 Uhr
Markendorf (MOZ) Passanten auf dem Weg zur Straßenbahnhaltestelle wird sie vielleicht schon aufgefallen sein - die nahe des Kriegerdenkmals verlegte Grabplatte für den 1740 verstorbenen Carl Friedrich von Burgsdorff. Er hat die Geschichte Markendorfs maßgeblich mitgeprägt.

"Das Krähennest muss weg", soll der damalige Frankfurter Oberbürgermeister Willy Jentsch kurz nach Gründung der DDR über das Gutsschloss in Markendorf gesagt haben, obwohl es baulich eigentlich noch gut in Schuss war. Anfang der 1950er-Jahre wurde es dennoch abgerissen, und damit unwiederbringlich auch ein Stück Identität des Ortes abgetragen. Denn in Markendorf zeugt - anders als in vielen anderen Frankfurter Ortsteilen -bis auf zwei Feldsteinhäuser praktisch nichts mehr von der Geschichte vor 1945.

Über mehrere Jahrhunderte lang war Markendorf im Besitz der weitverzweigten märkischen Adelsdynastie derer von Burgsdorff. Ende des 17. Jahrhunderts entstand hier nebst großem herrschaftlichen Gut ein Schloss, ein "zweistöckiges Gebäude von 9 Achsen mit Mansarddach und dreiachsigem Mittelrisalit", heißt es in einem historischen Ortslexikon.

1716 wurde Carl Friedrich von Burgsdorff als Erbherr von Markendorf und Karzig auch Schlossherr. "Viel ist nicht über ihn bekannt", sagt Ortsvorsteherin Sabine Acksteiner. Er soll sich jedoch, so sagt man, gut um seine Leute gekümmert haben, und verantworte gemäß der Chronik, die zur 650-Jahrfeier erschien, vor allem den Bau der Kirche im Ort mit. Sie wurde 1721 eingeweiht. Und in ihr fand Carl Friedrich von Burgsdorff nach seinem Tod am 5. Februar 1740 auch seine letzte Ruhe.

Am Altar der Kirche bekam er einen Ehrenplatz mit wuchtiger Grabplatte. Auf historischen Fotos aus Vorkriegszeiten kann man sie bei genauem Betrachten noch schemenhaft erkennen. 1945 wurde die Kirche zerstört, die Ruine in den folgenden Jahren abgerissen.

Seit mehreren Jahren versuchen Ortsbeirat und Ortsverein nun das von alten Bäumen gesäumte, frühere Kirchhofgelände, das einst in Sichtweite des Schlosses lag, historisch zu erschließen. Was dort, unweit der Straßenbahnhaltestelle, noch existiert, ist das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, ebenso einige verwitterte Grabmale.

Anhand alter Feldzeichnungen wurde der Grundriss der früheren Kirche mit Pflöcken und Balken abgesteckt. Und genau an der Stelle, an der es damals einen separaten Eingang für die Gutsherrn gab, liegt jetzt die Nachbildung der Grabplatte von Carl Friedrich von Burgsdorff. Das jahrzehntelang verschüttete Original war 2009 im Rahmen einen ABM-Maßnahme unter der Erde gefunden worden, war jedoch schon so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass eine Restaurierung nicht mehr in Frage kam.

Für die Grabplatte engagiert haben sich vor allem Wolfgang Kadetzki, früher selbst im Ortsbeirat engagiert, sowie sein Sohn und Malermeister Steffen Kadetzki aus Markendorf. Nach dem Vorbereiten der Betonplatte habe er die original lateinische Inschrift mit einer speziellen Nanotechnologie aufgetragen, erzählt Dieter Rudolf, Vorsitzender des Ortsvereins.

Vor ein paar Wochen wurde der Platz für die Platte eingeebnet und präpariert, woran die Firma Daske-Bau, die unentgeltlich half, einen großen Anteil hatte. "Wir möchten allen Unterstützern ein großes Dankeschön aussprechen", betont Sabine Acksteiner. Schließlich habe Markendorf damit wieder ein, wenn auch nur nachgebildetes, kleines Stück Geschichte zurückgewonnen. Denn Fragen danach, wie es vor dem Krieg und der späteren Halbleiter-Ära einmal aussah in dem Ort, kämen schon ab und an, gerade von Zugezogenen, berichtet sie. Aus diesem Grund sei für das kommende Jahr auch bereits die Erarbeitung einer bebilderten Informationstafel am alten Kirchhof in Planung.

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