Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Kirchenmusiker Uwe Karsten Groß gestorben

Letztes Konzert in Oranienburg: Uwe Karsten Groß.
Letztes Konzert in Oranienburg: Uwe Karsten Groß. © Foto: Aileen Hohnstein
Manuela Vehma / 19.10.2015, 20:31 Uhr
Oranienburg (MZV) Am vergangenen Sonnabend verstarb in Braunschweig Professor Uwe Karsten Groß im Alter von 85 Jahren.Uwe Karsten Groß war Sohn des Bildhauers und Pfarrers Wilhelm Groß, der von 1919 bis zu seinem Tod im Jahre 1974 in Oranienburg-Eden lebte, und Frieda Groß, geborene Pumplun.

Am 30. August 1930 in Oranienburg-Eden geboren, war seine Kindheit von Anfang an erfüllt von dem künstlerischen Schaffen seines Vaters und dem von tiefer Religiosität und Liebe zur Musik geprägten Elternhaus. Als jüngstes von insgesamt sechs Kindern genoss er das Leben in der Edener Obstbaukolonie. Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten bedeutete für die kinderreiche Familie harte Entbehrungen. Das künstlerische Schaffen des Vaters wurde wegen dessen nichtarischer Herkunft verfemt und als entartet diffamiert, öffentliche Aufträge blieben ihm verwehrt. Familie Groß wurde der Gottesdienstbesuch in der Oranienburger St. Nikolaikirche verboten. Seinem Vater gleich, zeigte er früh musikalisches Talent und erlernte das Klavierspiel. Das Kriegsende erlebte Uwe Karsten mit seiner Familie und Freunden im Keller des Edener Elternhauses.

Uwe Karsten Groß wollte unbedingt Kirchenmusiker werden und studierte von 1949 bis 1953 an der Berliner Hochschule für Musik, bei einem der berühmtesten Organisten seiner Zeit, Professor Fritz Heitmann. 1954 lernte er seine spätere Frau Irmela Vogt kennen. Im Jahre 1956 wurde Sohn Hans-Christopher geboren, die Töchter Friederike 1958 und Katharina 1963.

Von 1954 bis 1957 war Uwe Karsten Groß Kantor an der Dorfkirche in Berlin-Britz. Nachdem er von der vakanten Organisten-Stelle an der St. Katharinenkirche in Braunschweig gehört hatte, bewarb er sich und wurde mit 28 Jahren der neue Organist. Groß erwarb sich während seiner 18-jährigen Tätigkeit an der Katharinenkirche hohen Respekt über die Gemeinde hinaus, seine Kirchenmusik nahm "neben dem gesprochenen Wort der Predigt eine ebenbürtige Stellung" ein. Seine Konzerttätigkeit führte ihn in die USA, nach Ungarn, Schweden, Polen, Frankreich, Spanien, in die Schweiz und die Niederlande. Für seine Verdienste um die Völkerverständigung, besonders durch seine Kontakte in die DDR, nach Polen und Ungarn, wurde er 1995 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Groß setzte sich unermüdlich dafür ein, das künstlerische Schaffen seines Vaters bekannt zu machen. So konnten 2003/04 das Kreismuseum Oberhavel und der Edener Kindergarten eine Wilhelm-Groß-Ausstellung zeigen. In den letzten Jahren setzte sich Uwe Karsten Groß intensiv für die Rückführung der von Wilhelm Groß geschaffenen Gethsemane-Gruppe nach Oranienburg ein, die seit 2009 in der Nikolaikirche steht. Auch zum Erfolg der letzten Ausstellung im Schloss Oranienburg "Wilhelm Groß - Kunst als Verkündigung" trug Uwe Karsten Groß maßgeblich bei. Anlässlich der Vernissage am 9. Februar 2014 spielte er ein letztes Mal auf der Orgel in der Oranienburger Nikolaikirche.

Die Autorin ist Leiterin des Kreismuseums in Oranienburg.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG