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Zweiter Anlauf im Prozess um Kindesentziehung

MOZ/dpa / 20.10.2015, 06:41 Uhr
Cottbus (dpa/MOZ) Vier Wochen lang suchte die Polizei im Sommer 2014 nach einem geistig behinderten Jungen. Zweimal waren die Ermittler auch in der Wohnung eines Mannes aus Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) - und gingen wieder. Dann stellte sich heraus: Der Mann soll das 14-jährige Kind die ganze Zeit über bei sich versteckt und sexuell missbraucht haben. Heute beginnt der Prozess gegen den 54-jährigen Angeklagten vor dem Landgericht Cottbus.

Es ist bereits die zweite Hauptverhandlung: Der ursprüngliche Prozess platzte im Mai dieses Jahres wegen der längerfristigen Erkrankung eines Richters. Zum damaligen Prozessauftakt im Januar hatte der Angeklagte zugegeben, den Jungen seit Ende 2013 mehrmals missbraucht zu haben. Zudem sagte er aus, dass er das Opfer im Sommer 2014 wochenlang bei sich versteckt hielt. In dieser Zeit will er sich aber nicht an dem Kind vergangen haben. Laut Anklage fehlten dem Opfer in der Zeit seines Verschwindens notwendige Medikamente.

Der 14-jährige Junge war damals von der Wohnung seiner Eltern in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) aufgebrochen, aber nicht in seiner Förderschule angekommen. Die Polizei verteilte unter anderem Handzettel in der Stadt, die für ihre Kahnfahrten auf den Spreewald-Fließen bekannt ist. Als die Beamten den Lübbenauer in seiner Wohnung besuchten, soll er den Jungen in Schränken versteckt haben.

Die Anklage wirft dem Mann neben Kindesentziehung sexuellen Missbrauch in 152 Fällen vor. Der Taxifahrer soll auch 2012 seinen damaligen Pflegesohn missbraucht haben. Bislang war er als Sexualstraftäter nicht auffällig geworden. Er hat keine Verurteilungen und Vorstrafen. Erst bei der Suche nach dem Jungen waren Ermittler auf ihn aufmerksam geworden. Immer wieder kamen während der Suche Hinweise aus der Bevölkerung, die aber zum Teil ins Leere liefen. Unter anderem gab jemand an, den Vermissten in Westdeutschland gesehen zu haben.

Kennengelernt hatte der Angeklagte den behinderten Jungen über seine Tochter, wie er im ersten Prozess geschildert hatte. Der Junge sei in die Wohnung gekommen, um Computer zu spielen.

Das Landgericht hat bislang Verhandlungstermine bis November geplant.

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