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Angeklagter gesteht Übergriffe auf behinderten Jungen

Harriet Stürmer / 20.10.2015, 19:55 Uhr
Cottbus (MOZ) Es ist Ende Juni 2014 als der geistig behinderte Justin aus der elterlichen Wohnung in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) verschwindet. Die Mutter des 14-jährigen Jungen berichtet den Ermittlern, dass sich ihr Sohn gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder regelmäßig in Thomas W.s Wohnung in der Nachbarschaft aufhält, weil die Kinder mit dessen gleichaltriger Tochter befreundet sind. W. bekommt daraufhin Besuch von der Polizei. Zwei Mal wird seine Wohnung durchsucht. Zudem wird er mehrmals vernommen. Er steht unter dem Verdacht, das Kind sexuell zu missbrauchen. Justin bleibt aber unauffindbar. In einer der Vernehmungen kommt die Rede auf W.s früheren Pflegesohn. Auch er wird nun vernommen. Und gibt den Ermittlern den entscheidenden Hinweis auf Justins Versteck hinter einem Wandschrank im Schlafzimmer von W. Er selbst soll einige Zeit zuvor in rund 25 Fällen ebenfalls zum Opfer des Mannes geworden sein.

Die Staatsanwaltschaft listet am Dienstag zu Prozessbeginn vor dem Cottbuser Landgericht insgesamt 152 Fälle von mitunter schwerem sexuellen Missbrauch auf. Ein Teil der Vorwürfe sei nicht zutreffend, sagt W. - ein hagerer Mann, Taxifahrer, Mitte 50. Im Fall seines früheren Pflegesohnes habe er sich nichts zu Schulden kommen lassen. An Justin aber habe es tatsächlich sexuelle Handlungen gegeben, räumt er nach und nach ein. Richtig sei auch, dass er den Jungen über Wochen in seiner Wohnung versteckt gehalten hat.

Justin sei gerne bei ihm gewesen, berichtet W. in der Verhandlung. Während seine Tochter und Justins Bruder im Kinderzimmer gespielt hätten, sei Justin lieber bei ihm im Schlafzimmer gewesen. Man habe hinter verschlossener Tür am Computer gespielt. Manchmal hätte sich Justin vor ihm entblößt. "Dann habe ich an ihm manipuliert." Das hätte dem Kind gefallen, behauptet der Angeklagte. Immer wieder hätte ihm der Junge gesagt, dass er lieber bei ihm wohnen würde, weil es zu Hause immer Streit gebe. Am 30. Juni habe Justin dann plötzlich vor seiner Tür gestanden und gesagt, dass er nicht mehr nach Hause wolle. Er habe das Kind nur bei sich versteckt, lautet die Interpretation des Angeklagten. Zu sexuellen Handlungen sei es in dieser Zeit kaum mehr gekommen, weil "die Anspannung zu groß wurde", nachdem die Polizei nach dem Jungen suchte. Ob er sexuelles Interesse an Jungen hat, fragt eine Richterin. W. verneint.

Im ersten Prozess, der wegen einer Erkrankung des Richters abgebrochen wurde, hatte Justins Mutter gesagt, sie habe erst nach dem Auffinden ihres Sohnes erfahren, was in den Monaten zuvor geschehen sein soll. Ihr Sohn habe berichtet, von W. ein Liebesverhältnis eingeredet bekommen zu haben und auch von ihm angefasst worden zu sein. Thomas W. habe ihm eingeredet, dass er ins Gefängnis müsse und seine Tochter dann keinen Vater mehr hätte, wenn er irgendjemanden etwas erzählt. Der Prozess wird nächsten Dienstag fortgesetzt.

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